Seite 1: Intel vs. AMD, Akt 2: Skylake-X und Kaby-Lake-X im Test gegen Ryzen

7900aufmacher In den letzten Monaten wurde die CPU-Vorherrschaft von Intel gebrochen und den Prozessormarkt durcheinandergewirbelt. Nach dem Ryzen-Tornado blieb Intel nichts anderes über, als mit schnell vorgestellten neuen Multikern-Prozessoren aus der X-Serie auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem Core i9 und diversen anderen Modellen versucht man, vom Ryzen-Erfolg abzulenken. Ist das gelungen? Wir haben Intels neue Prozessoren im Test.

In den letzten 15 Jahren hatten wir zum Launch eines jeden Intel-Prozessors auch unseren Test online. Teilweise gelangen sogar umfassende 30-seitige Artikel, da die Samples uns zwei bis drei Wochen vor Markteinführung erreichten und somit ausgedehnt getestet werden konnten. Zudem legte Intel oftmals in technischen Briefings jede noch so kleine Errungenschaft offen. Doch der aktuelle Skylake-X-/Kaby-Lake-X-Launch mit dem Core i9-7900X an der Spitze und dem Core i7-7640X am unteren Ende lief anders: Kurz vor der Computex wurden die Pferde scheu gemacht, auf der Messe folgte eine Pressekonferenz, Mitte Juni die offizielle Markteinführung. Doch von Produkten war zum Start nichts zu sehen, die Presse hatte keine Samples und keine Briefings und auch die Mainboardhersteller konnten nicht aushelfen.

Am letzten Freitag erreichten uns endlich die Modelle von Intel, ein Core i9-7900X und ein Core i7-7740X - als kurzfristige Leihstellung. Glücklicherweise befand sich auch schon ein Mainboard im Testlabor, während andere teilweise im Zoll feststeckten. Und täglich flatterten von den Mainboardherstellern neue Biosversionen ins Email-Postfach, mit der Bitte, diese doch zu verwenden. Neue Microcodes, Performanceoptimierungen und mehr wurden nachgereicht. Hatten wir zum Ryzen-Launch noch angemerkt, dass die AMD-Plattform vielleicht noch nicht ausgereift ist, so lies uns schon vor dem Skylake-X-Test die Flut an Updates am Reifegrad der X299-Plattform zweifeln. Ein professioneller Produktlaunch sieht anders aus, bei Intel war man sowas bislang nicht gewöhnt.

Letztendlich haben wir aber die zwei Prozessoren durch unseren (aktualisierten) Testparcours jagen können und gleichzeitig auch den Core i7-7800X und den i7-7820X simuliert, da sich diese durch einfaches Abschalten der CPU-Cores und manuelle Taktfrequenzeinstellungen aus dem Core i9-7900X erzeugen lassen. Vergleichen können wir natürlich mit AMDs Ryzen-Lineup, angefangen vom Ryzen 7 1800X bis hinunter zum Ryzen 5 1400.

Erstmals hat Intel das Flaggschiff aus der i7-Reihe zu einem i9 gemacht - der Core i9-7900X ist damit auch der erste seiner Art, folgen werden weitere Modelle im August dieses Jahres, die dann mit 12 und später auch mit 14, 16 und 18 Kernen auftrumpfen sollen. Aber schon Intels Core i9-7900X kostet 1000 Euro - die größeren Kollegen sollen mit bis zu 2000 Euro zu Buche schlagen. Für den Core i9-7900X, der den Core i7-6950X ersetzt und ein i9 ist, obwohl er eigentlich auch nur 10 Kerne hat, ist der verlangte Preis aber im Vergleich ein Schnäppchen: Für das Broadwell-E-Flaggschiff Core i7-6950X wollte Intel noch 1750 Euro haben - aber dann kam Ryzen. Das Preis-Leistungsverhältnis, was aufgrund des Preises vom Ryzen 7 1800X etwas durcheinander geraten ist, hat Intel mit dem neuen Produktlaunch also deutlich korrigiert.

Interessant ist, dass Intel beim Core i7-7740X auf den Kaby-Lake-X-Kern setzt und beim Core i9-7900X auf Skylake-X, beide aber im Sockel 2066 Platz finden und somit den X299-Chipsatz benötigen. Der Core i7-7740X besitzt vier Kerne und auch nur ein Dual-Channel-Interface, ist somit ein klassischer Kaby-Lake-Prozessor wie auch schon der Core i7-7700K. Aber er hat etwas mehr Grundtakt (4,3 GHz) und kann theoretisch auch mit DDR4-2666 statt DDR4-2400 zurecht kommen. Das ist auch schon der einzige Unterschied zwischen den Mainstream-Kaby-Lakes auf Basis des Sockel 1151 und dem "High-End"-Kaby-Lake im Sockel 2066.

Die CPU-Z-Screenshots zeigen zunächst einmal die wichtigsten Kennzahlen der beiden neuen Prozessoren:

Wie bei jedem Prozessor-Test werfen wir auf der nächsten Seite zunächst einmal einen Blick auf die Prozessorkerne und ihre Besonderheiten (hier insbesondere Ring- und Mesh-Bussystem sowie AVX512) und stellen die Modelle vor. Auf der folgenden Seite gehen wir auf den X299-Chipsatz ein und die neuen Funktion VROC (Virtual RAID on CPU).