Seite 1: Gigabyte Aero 15-X9 im Test: Mit Turing und künstlicher Intelligenz weiter nach oben

gigabyte aero 15 x9 review-teaserSeit Ende Januar sind die ersten Turing-Grafikkarten auch im Notebook verfügbar. Nach unserem ersten Vergleichsartikel und dem Test des MSI GS75 Stealth Thin versorgte uns nun auch Gigabyte mit seinem neuen Aero 15-X9, welches man pünktlich zur Vorstellung der neuen Grafikchips ankündigte. Es ist eines der ersten Geräte, das auf die sparsame Max-Q-Variante zurückgreift, denn unser 15-Zöller wird hier von einer GeForce RTX 2070 Max-Q befeuert. Wie sich die in der Praxis schlägt und welche Verbesserungen Gigabyte noch so an seinem Aero 15 vorgenommen hat, das klären wir in diesem Hardwareluxx-Artikel auf den nachfolgenden Seiten. 

Zur Vorstellung der neuen Turing-Grafikkarten für Notebooks hat auch Gigabyte seinem beliebten Aero 15 eine Überarbeitung unterzogen. Dabei wurde nicht nur die dedizierte Grafiklösung ausgetauscht, sondern auch das eine oder andere Detail verändert. Das Gigabyte Aero 15-X9 und Aero 15-Y9 gibt es ab sofort wahlweise mit NVIDIA GeForce RTX 2080 oder GeForce RTX 2070 in der sparsamen Max-Q-Variante. Sie sollen gegenüber der Vorgänger-Generation für ein weiteres Leistungsplus sorgen, bringen jedoch auch die neuen DXR- und DLSS-Effekte mit sich, die NVIDIA mit der Turing-Architektur einführte. 

Bei den restlichen Komponenten gibt es ebenfalls kleinere Änderungen: Gigabyte verspricht ab sofort die Komponenten nicht mehr je nach Verfügbarkeit zu verbauen, sondern setzt ab sofort auf ein Panel von LG oder AU Optronics, verbaut ausschließlich Samsung-Arbeitsspeicher und setzt bei SSD und den Netzwerkchips auf Intel-Bauteile. Bislang konnten die Geräte untereinander vor allem bei der SSD- und RAM-Leistung abweichen. Die strikten Vorgaben machen dem ein Ende. 

Beim Prozessor setzt man weiterhin auf ein Coffee-Lake-H-Modell, wobei es hier je nach Geldbeutel ein Intel Core i7-8750H oder gar ein Core i9-8950HK mit etwas höherem Takt, mehr Cache und einem nach oben hin geöffneten Multiplikator gibt. Das Display misst trotz des kompakten 14-Zoll-Formfaktors und der schmalen Bildschirmränder 15,6 Zoll in seiner Diagonalen. Die LG-Variante arbeitet mit 1.920 x 1.080 Bildpunkten und 144 Hz, die Version von AU Optronics ist nicht ganz so schnell bietet dafür eine hohe UHD-Auflösung von 3.840 x 2.160 Bildpunkte. X-Rite-Pantone zertifiziert und bereits ab Werk kalibriert sind sie jedoch beide. Im M.2-Slot steckt nun ausschließlich eine Intel SSD 760p, ein zweiter Slot für ein schnelles RAID-System ist weiterhin vorhanden. Der Arbeitsspeicher stammt ausschließlich von Samsung, arbeitet mit schnellen 2.666 MHz und stellt je nach SKU bis zu 32 GB bereit. 

Bei den Netzwerkchips setzt Gigabyte nun ausschließlich auf die Double-Shot-Pro-Technik, womit sowohl die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle wie auch das AC-WiFi die Spieledaten im Netzwerk priorisiert verarbeiten und so Ping und Performance verbessern sollen. Dank "All Intel inside"-Logos kommt der Killer-AC-1550-Chip von Intel zum Einsatz. 

Softwareseitig hat Gigabyte ebenfalls etwas Neues implementiert und macht sein Aero 15 im Bereich der künstlichen Intelligenz fit. Die neuen Modelle sollen die "weltweit ersten A.I.-Laptops" sein. In Zusammenarbeit mit Microsoft werden über die Azure-Cloud laufende Programme auf Knopfdruck erkannt und Komponenten wie Prozessor, Grafikkarte, Lüfter, Tastaturbeleuchtung und Sound je nach genutzter Anwendung intelligent optimiert, um beispielsweise eine Balance aus Leistung und Lautstärke zu schaffen. Zur weiteren Grundausstattung zählen ein leistungsstarker Akku mit satten 94,24 Wh, eine RGB-hintergrundbeleuchtete Tastatur, ein hochwertiges Touchpad mit Glas-Oberfläche sowie ein stabiles Aluminium-Chassis mit einer schlanken Bauhöhe von nur 19,9 mm und einem Gesamtgewicht von etwa 2,0 kg.

Für unseren Test versorgte uns Gigabyte mit dem Aero 15-X9. Dieses ist mit einem Intel Core i7-8750H und einer NVIDIA GeForce RTX 2070 in der Max-Q-Variante ausgerüstet und kann normalerweise auf einen 16 GB DDR4 großen Arbeitsspeicher mit Single-Channel-Interface zurückgreifen. Erstkäufer können für das Gerät bis Ende März jedoch einen zweiten 16-GB-Riegel nach einer kurzen Registrierung beim Hersteller völlig kostenfrei erhalten und den Arbeitsspeicher somit auf stolze 32 GB mit Dual-Channel-Interface ausbauen. Unsere Tests basieren auf der Dual-Channel-Variante. Windows 10 Pro sowie die wichtigsten Tools und Programme hat Gigabyte auf einer 512 GB großen Intel SSD 760p vorinstalliert. Preislich muss man dafür 2.799 Euro einkalkulieren.

Kompaktes, aber dickeres Gehäuse

All das bringt Gigabyte in einem 354,6 x 250 x 19,9 mm dicken Aluminium-Gehäuse unter, das gerade einmal rund 2,0 kg auf die Waage stemmt. Damit hat es Gigabyte geschafft, einen 15,6-Zoll-Bildschirm in einem kompakten 14-Zoll-Formfaktor unterzubringen und macht das Aero 15-X9 damit zum täglichen Begleiter, der optisch weiterhin sehr schlicht gehalten ist. Wie schon die bisherigen Topmodelle, gibt es die inzwischen schon neunte Generation ausschließlich mit schwarzem Gehäuse – die einstige Farbenvielfalt entfällt bei den teuren Flaggschiffen. Damals konnten die Geräte noch mit knalligen Farben im Bereich des Bildschirm-Deckels auf sich aufmerksam machen. 

Gegenüber der Vorgänger-Generation ist die Turing-Familie jedoch etwas dicker geworden. Mit einer Bauhöhe von 19,9 mm genehmigt sich das Turing-Device etwas mehr Platz, ist für seine Leistungsklasse jedoch noch immer sehr kompakt. Dank der hochwertigen Materialwahl kann sich die Stabilität sehen lassen. Selbst auf stärkeren Druck hin gibt das Gehäuse an keiner Stelle nach. Die Spaltmaße sind hervorragend herausgearbeitet, scharfe Kanten oder Knarzgeräusche an den Scharnieren, die obendrein sehr verwindungssteif sind, gibt es nicht. Selbst die dezenten Lüftungsschlitze an der Unterseite sind äußerst stabil. Einziges Manko: Die Oberfläche ist sehr anfällig, was Fett- und Schmutz-Flecken anbelangt. 

Die Tastatur hat Gigabyte im Zuge der Aktualisierung auf die Turing-Generation ebenfalls einer Überarbeitung unterzogen. Zum Einsatz kommen nun neue Tastenkappen und LEDs, welche für eine stärkere und vor allem gleichmäßigere Beleuchtung sorgen sollen. Tatsächlich sind die einstigen Problemfelder wie die der Shift-Taste im Dunkeln besser lesbar. Die Hintergrundbeleuchtung setzt sich natürlich weiterhin aus RGB-LEDs zusammen, die über die hauseigene Fusion-Software für jede Taste einzeln konfiguriert werden kann. Ab Werk wechseln sie wellenartig ihre Farbe.

Trotz der kompakten 14-Zoll-Ausrichtung muss man bei der Tastatur nicht auf einen separaten Nummernblock verzichten, wenngleich die Tasten hier etwas kleiner ausfallen als die des restlichen Keyboards. Erfreulich ist außerdem, dass Gigabyte auf ein Standard-Layout setzt. Zusätzliche Funktionen, wie das Stummschalten der Lautsprecher, die Regulierung der Bildschirm-Helligkeit und der Lautstärke, aber auch das Aktivieren des Flugzeugmodus ist wie üblich per FN-Taste möglich. Eine Makro-Programmierung für Spieler ist über das Fusion-Tool ebenfalls machbar.

Hervorragendes Touchpad

Die in der Regel 15 x 15 mm großen Tasten, welche im Abstand von etwa 4 mm angebracht sind, sind aufgrund der Änderungen jedoch etwas leichtgängiger als bei den Generationen zuvor. Trotzdem ist der Druckpunkt erstaunlich knackig, der Hub angenehm. Das Auslösen weniger Tasten wie beispielsweise der Leertaste ist jedoch etwas laut. Weiterhin unterstützt die Tastatur ein Anti-Ghosting sowie ein Roller von bis zu 40 Fingern. 

Noch besser als die Tastatur weiß das Touchpad zu gefallen. Dieses ist mit einer Fläche von 107 x 71 mm großzügig dimensioniert und besitzt dank seiner Glasoberfläche sehr gute Gleiteigenschaften. Selbst zu den Rändern hin oder in den Ecken nimmt die Präzision nicht ab und selbst Multitouch-Gesten wie Pinch-to-Zoom oder das Scrollen mittels zwei Fingern im Browser wird schnell und zuverlässig umgesetzt. Dedizierte Tasten für den linken und rechten Mausklick gibt es nicht, sie werden dank Clickpad direkt innerhalb des Touchpads durchgeführt. Der Druckpunkt ist zwar relativ stark, dafür gibt es ein lautes Klickgeräusch als Feeedback.

Das Gigabyte Aero 15-X9 ist optisch sehr schlicht gehalten. Als Flaggschiff-Modell zusammen mit dem Aero 15-Y9 und seiner schnelleren GeForce RTX 2080 wird es ausschließlich in Schwarz angeboten. Neben der RGB-Tastatur sorgt zudem das Hersteller-Logo auf dem Bildschirmdeckel für farbliche Abwechslung. Dieses wird nämlich im Betrieb weiß beleuchtet. 

Anschlussseitig hat das Gigabyte Aero 15-X9 alles zu bieten, was ein modernes Notebook dieser Preis- und Leistungsklasse benötigt. Trotz der kompakten Bauhöhe gibt es eine vollwertige Gigabit-LAN-Schnittstelle, für die drahtlose Konnektivität sorgen AC-WiFi und Bluetooth 5.0. Daneben gibt es jeweils eine USB-Schnittstelle nach Typ-A und -C, mittig davon ist ein HDMI-Port für die Videoausgabe untergebracht. Ansonsten gibt es an der rechten Geräteseite nur noch einen 3,5-mm-Klinkenstecker für den Anschluss eines Headsets, der als Ein- und Ausgang fungiert. Hier wären zwei separate Ports sicherlich praktikabler gewesen.

Auf der gegenüberliegenden Seite stellt das Gigabyte Aero 15-X9 zwei weitere USB-3.1-Schnittstellen nach Typ-A sowie den Anschluss für das externen 230-W-Netzteils bereit. Die zweite Typ-C-Schnittstelle arbeitet sogar nach dem Thunderbolt-3-Protokoll und erlaubt damit Datenübertragungsraten von bis zu 40 GBit/s. Der SD-Kartenleser ist ebenfalls schnell, er soll Geschwindigkeiten von über 220 MB/s erreichen. Ansonsten bietet das neue Aero noch einen Kensington-Lock zum Diebstahlschutz.

Unauffällig Kühlung

Obwohl der Intel Core i7-8750H und die NVIDIA GeForce RTX 2070 Max-Q sehr schnelle Komponenten sind, die unter Last sehr heiß werden können, zeigt sich das Gigabyte Aero 15-X9 trotz seiner kompakten Bauweise bei der Kühlung sehr zurückhaltend. Lediglich auf der Rückseite und zwischen Topcase und Bildschirmdeckel sind Luftschlitze für die Kühlung vorgesehen.

Wie schon beim Vorgänger werden Prozessor und Grafikchip über jeweils eigene Radiallüfter auf Temperatur gehalten, die jeweils über zwei Kupfer-Heatpipes miteinander verbunden sind. Je nach Betriebs-Modus schalten sie sich im Leerlauf bis zum Erreichen eines bestimmten Temperatur-Levels sogar komplett ab, womit das Aero 15-X9 im Leerlauf bzw. 2D-Betrieb zeitweise sogar passiv und damit völlig lautlos gekühlt wird. Mit Strom versorgt wird der 15-Zöller über ein externes Netzteil mit einer Ausgangsleistung von 230 W, welches durchaus noch Reserven nach oben bietet. Für unterwegs gibt es einen starken 94,24-Wh-Akku, der im Gegensatz zu den meisten anderen Notebooks dieser Preis- und Leistungsklasse gut 25 % mehr Kapazität bietet und die Produktfamilie in der Vergangenheit gerne zum Langläufer machte.