Seite 1: ASUS ROG G703: Ein High-End-Gaming-Notebook mit Kämpferherz im Test

asus rog gi703-teaserAuch wenn Gaming-Notebooks über die letzten Jahre hinweg von Generation zu Generation kompakter und optisch weniger auffällig gestaltet wurden, so gibt es die richtig dicken High-End-Geräte mit aggressiver Optik noch immer. Das große Volumen macht aber eine starke Kühlung für ein leistungsstarkes Overclocking möglich und bietet obendrein ausreichend Platz für das eine oder andere Stück Extra-Technik. Eines der XXL-Modelle ist das fast 4.500 Euro teure ASUS ROG G703, welchem wir uns in diesem Hardwareluxx-Artikel nun ausführlich widmen.

ASUS ist einer der Hersteller, die den Schlankheits-Wahn schneller Gaming-Notebooks vorangetrieben haben und hatte pünktlich zum Launch der ersten Max-Q-Grafikkarten mit dem ROG Zephyrus GX501 ein entsprechendes Modell mit Edel-Optik in der Hinterhand gehalten. Die richtig dicken Klopper mit pfeilschneller Hardware, leistungsstarkem Overclocking, aufwendiger Kühlung, großem Bildschirm und mit viel Platz für das eine oder andere Extra-Stück Hardware hält man für seine anspruchsvolle Kundschaft jedoch weiterhin parat. Das ASUS ROG G703 ist hier das beste Beispiel, das sicherlich mit zu den schnellsten Gaming-Notebooks zählt. 

Angetrieben wird es natürlich von Intels neuesten Coffee-Lake-H-Prozessoren mit sechs Rechenkernen. Je nach Geldbeutel bietet ASUS den Core i7-8750H oder den übertaktungsfreudigen Intel Core i9-8950HK an, welcher aber auch schon ab Werk mit deutlich höheren Taktraten und vor allem mit einem größeren Cache-Speicher auf sich aufmerksam macht. Dazu gibt es bis zu 64 GB DDR4-Arbeitsspeicher und eine Grafikkarte bis hin zur NVIDIA GeForce GTX 1080, die sich vor so manchem Desktop-Modell nicht zu verstecken braucht. Natürlich setzt man auf schnelle M.2-SSDs mit PCI-Express-Anbindung, verbaut davon aber auf Wunsch bis zu drei Modelle gleichzeitig, die im schnellen RAID-0-Verbund miteinander verbunden sind. Eine schnelle SSHD als zusätzliches Datengrab für die eigene Spielesammlung darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Das Display misst stets 17,3 Zoll in seiner Diagonalen, löst mit gamerfreundlichen 1.920 x 1.080 Bildpunkten auf und ist mit 144 Hz bei 3 ms ausgesprochen schnell. G-Sync für ein flimmer- und ruckelfreies Bild gibt es ebenfalls. 

Die Tastatur ist RGB-hintergrundbeleuchtet, das Touchpad riesig, das Lautsprecher-System basslastig und lautstark, die Anschlüsse reichen bis hin zu Thunderbolt 3 und die Kühlung hat viel Platz, den Taktraten von CPU und GPU noch mehr zu entlocken. Fans des Xbox-Controllers können diesen dank des integrierten Funkempfängers drahtlos einsetzen – ein USB-Dongle ist nicht notwendig.

Für unseren Test versorgte uns ASUS fast schon mit dem Topmodell. Unsere 4.499 Euro teure Testkonfiguration wird von einem Intel Core i9-8950HK, einer NVIDIA GeForce GTX 1080 mit 8 GB GDDR5X-Videospeicher und satten 32 GB DDR4-Arbeitsspeicher angetrieben. Das Betriebssystem inklusive der wichtigsten Programme und Tools ist auf einem RAID-0-Verbund zweier M.2-SSDs mit PCI-Express-Anbindung installiert, zusätzlichen Platz bietet eine 2 TB große SSHD. Ein wirkliches Schnäppchen ist der 17-Zöller damit nicht, ob sich die Hardware trotzdem sehr gut zum Zocken eignet, erfährt man in diesem Artikel auf den nachfolgenden Seiten.

Großes und schweres Gehäuse

Nicht nur wegen seines großen 17,3-Zoll-Bildschirms dürfte das ASUS ROG G703 eher für den stationären Einsatz gedacht sein und womöglich als Ersatz eines echten Desktop-Rechners herangezogen werden. Dafür spricht auch die Unhandlichkeit des Gehäuses, denn mit einem Gewicht von fast 4,7 kg ist der Gaming-Bolide nicht nur sehr schwer, sondern mit Abmessungen von 425 x 319 x 51 mm auch sehr groß. Die Bauhöhe liegt bei über 5 cm, was das Gerät mit zu den dicksten seiner Art macht.

Der massive Aufbau hat allerdings auch seine Vorteile: So bietet das ASUS ROG G703 genügend Platz für eine leistungsstarke Kühlung, die mit Blick auf die potenten und durchaus hitzigen Komponenten zwingend notwendig sein dürfte – vor allem dann, wenn man sich noch ans Overclocking wagen möchte. Außerdem ist Platz für bis zu drei schnelle PCI-Express-SSDs und ein zusätzliches 2,5-Zoll-Laufwerk.

Viel zu beanstanden gibt es bei der Verarbeitungsqualität nicht. ASUS fertigt den Bildschirmdeckel aus gebürstetem Aluminium und setzt im Bereich des Topcases auf eine Softtouch-Oberfläche. Sie verleiht dem Gerät zwar eine schicke Optik und eine sehr gute Haptik, ist jedoch anfällig für Fett- und Schmutzflecken. Die komplette Unterseite besteht hingegen aus Kunststoff, um das Gewicht nicht noch weiter in die Höhe zu treiben. Die Stabilität ist hervorragend, die Scharniere sind stabil, wenn auch etwas knarzig.

Das Design ist aggressiver gewählt als bei den letzten Gaming-Notebooks des Herstellers, wie beispielsweise beim Strix Hero II oder dem ROG Zephyrus M. ASUS setzt im Bereich des Displays auf einen Mix aus silber gebürsteten Aluminium, das an der Rückseite mit kupferfarbenen Bauteilen kombiniert wird. Unterseite und Topcase sind stets in schlichtem Schwarz gehalten, wobei es hier und da moderne Farbakzente in Form von Streifen gibt. Natürlich ziert auch das ROG-Logo so manche Stelle.

Für weitere Farbakzente sorgt die Tastatur. Sie ist RGB-hintergrundbeleuchtet und lässt sich gewohnt über die AURA-Software konfigurieren. Ab Werk ist die Tastatur in Regenbogen-Farben gehüllt, ohne dabei jedoch stetig ihre Farbe zu wechseln oder zu blinken. Mit dabei sind Gelb, Orange über Rot und Lila bis hin zu Blau. 

Dass es sich beim ASUS ROG G703 um einen waschechten Gaming-Boliden handelt, wird zudem bei den farblich hervorgehobenen WASD-Tasten deutlich, aber auch an den Schnellwahl-Knöpfen direkt über der Tastatur. Hier lässt sich nicht nur die Lautstärke der Lautsprecher schnell regulieren, sondern auch das integrierte Mikrofon stummschalten. Über die AURA-Taste wird die Konfiguration der RGB-Hintergrundbeleuchtung vorgenommen, ein Druck auf das ROG-Logo startet das Gaming-Center, worüber sich die wichtigsten Systemparameter auslesen und einstellen lassen. Die Xbox-Taste ermöglicht hingegen das Pairen mit einem Xbox-Controller, denn das ASUS-Notebook bietet hierfür einen integrierten Funkempfänger. 

Keine mechanische Tastatur, kein Clickpad

Das Feedback der Chiclet-Tasten ist knackig und insgesamt sehr gut. Aufgrund des vergleichsweise hohen Tastenhubs von 2,5 mm erinnert die Tastatur fast schon an ein mechanisches Keyboard, wie es beispielsweise MSI bei seinem GT75VR oder Razer bei seinem Blade Pro verbaut. Bei einem Preis von fast 4.500 Euro hätten wir uns eine mechanische Tastatur durchaus gewünscht, wenngleich sich die Tastatur auf einem selbst für Spieler sehr hochwertigen Niveau befindet. Dafür spricht, dass die Hintergrundbeleuchtung sehr leuchtstark ist, die Beschriftung gut lesbar und das Layout überwiegend dem bekannten Standard entspricht. Ein weiterer Vorteil ist aufgrund der 17,3-Zoll-Ausrichtung der separate Nummernblock.

Das Touchpad ist mit Abmessungen von 119 x 63 mm äußert großzügig dimensioniert und verfügt dank seiner glatten Oberfläche über sehr gute Gleiteigenschaften. Die Präzision ist gut und nimmt zu den Rändern hin oder in den Ecken nicht weiter ab. Multitouch-Gesten werden problemlos verstanden. Anders als viele Hersteller setzt ASUS nicht auf ein Clickpad, womit die Tasten für den linken und rechten Mausklick dediziert ausgegeben werden. Sie sind jedoch einen Ticken zu leichtgängig. Der ambitionierte Spieler wird aber ohnehin einen echten Gaming-Nager über USB anschließen. 

Anschlussseitig hat das ASUS ROG G703 eigentlich alles zu bieten, was das Gamer-Herz begehrt. Auf der rechten Seite bietet unser Testgerät eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle gefolgt von einer Typ-C-Buchse, die nach dem schnellen USB-3.1-Gen2-Standard arbeitet und obendrein das Thunderbolt-3-Protokoll versteht. Eine zusätzliche USB-Buchse nach Typ-A und zwei vergoldete 3,5-mm-Klinkenbuchsen für den Anschluss eines Headsets bietet der 17-Zöller auf dieser Seite ebenfalls. 

Gegenüberliegend finden sich zwei weitere USB-Typ-A-Ports und ein integrierter Kartenleser für SD- und MMC-Speicherkarten. Die Anschlüsse sind stets nach vorne ausgerichtet, während der hintere Teil mit dicken Lufteinlässen für die Kühlung versehen wurde. Besonders dicke und breite Schnittstellen sind jedoch im hinteren Bereich untergebracht, was den Kabelsalat am Ende doch vereinfacht.

Rückseitig bietet das ASUS ROG G703 die Ausgänge für bis zu zwei zusätzliche Monitore, die über HDMI 2.0 und einen miniDisplayPort-Ausgang angesprochen werden können. Direkt daneben müssen in unserem Fall zwei Notebook-Netzteile mit einer Ausgangsleistung von jeweils 280 W angeschlossen werden. Beim kleineren Modell mit Intel Core i7-8750HK und NVIDIA GeForce GTX 1070 genügt nur eines.

Protzige Kühlung mit Hinge-Forwared-Design

Der Intel Core i9-8950HK, die NVIDIA GeForce GTX 1080 und der massige Speicher wollen am Ende natürlich gekühlt werden – vor allem dann, wenn man noch das Overclocking für Prozessor und Grafikkarte aktiviert. ASUS setzt hier auf das sogenannte Hinge-Forwared-Design, bei dem der Bildschirm etwas nach vorne gerückt ist und der dadurch freigewordene, zusätzliche Teilbereich der Kühlung zugutekommen soll. 

Im Inneren setzt ASUS jeweils auf vier Kupfer-Heatpipes, wobei diese teilweise mit den beiden Hauptkomponenten verbunden sind und die Abwärme über jeweils zwei eigene Kühlkammern an den Seiten und über die Rückseite nach Außen befördern. ASUS setzt auf zwei leistungsstarke 12-V-Lüfter im Radialdesign, die obendrein mit Blick auf Schmutz- und Staubablagerungen selbstreinigend sind. Wem das nicht genügt, der schaltet die Overboost-Funktion über das Gaming-Center frei, denn dann laufen die Lüfter mit ihrer maximalen Laufleistung, sind dann jedoch unerträglich laut, wie wir später noch feststellen werden.

Mit Strom versorgt wird das ASUS ROG G703 stationär wie bereits erwähnt über zwei 280-W-Netzteile. Für unterwegs muss ein 71 Wh starker Akku genügen, was angesichts der verbauten Komponenten und der vergleichsweise riesigen Platzverhältnisse im Inneren fast schon ein wenig klein dimensioniert erscheinen mag. Da ASUS zugunsten von G-Sync auf Optimus verzichtet, erwarten wir keine langen Laufzeiten im Akku-Betrieb.