Seite 1: MSI GT75VR 7RF Titan Pro: Das Monster unter den Gaming-Notebooks im Test

msi gt75vr titan pro teaserDas MSI GT75VR 7RF Titan Pro schlägt in eine völlig andere Richtung ein, als es der Markt der Gaming-Notebooks eigentlich tut. Während viele Geräte dank NVIDIAs Max-Q-Richtlinien stetig dünner werden und trotz pfeilschneller High-End-Hardware sehr kompakte Bauformen erreichen, ist das neue MSI-Modell, welches man zur Computex im Juni vorstellte und zur Gamescom im August nach Deutschland holte, ein richtig dicker Klopper. Dafür gibt es mitunter die schnellsten Notebook-Komponenten und auch sonst so einige Feinheiten. Das Desktop-Replacement ist vollgepackt mit Features für den anspruchsvollen Gamer. Wie sich der etwa 3.489 Euro teure Bolide schlägt, erfährt man in diesem Hardwareluxx-Artikel auf den nachfolgenden Seiten. 

Wer auf der Suche nach einem richtigen High-End-Notebook ist, wird schnell auf den Namen MSI kommen, denn während viele Hersteller wie Lenovo oder HP den Gaming-Markt gerade erst für sich entdecken, sind die Taiwanesen schon seit einigen Jahren auf diesem Segment aktiv und bringen damit einiges an Erfahrung mit. Neben den schlanken Modellen der GS-Familie, wie beispielsweise das von uns getestete MSI GS63 7RE-011 Stealth Pro, oder den etwas größeren Ablegern der GE-Reihe, wie beispielsweise das GE62 Apache Pro, gibt es auch die Topmodelle der GT-Familie. Hier setzt man ausnahmslos auf richtige High-End-Hardware und packt die Gaming-Boliden mit nahezu allen Features voll, die das anspruchsvolle Gamer-Herz höher schlagen lassen. Dazu zählen neben potenten Hardware-Komponenten, ein reaktionsschnelles 120-Hz-Display, ein hochwertiges Soundsystem für satte Bässe, Killer-Netzwerkchips, ein schickes Beleuchtungssystem und natürlich eine mechanische Tastatur sowie eine leistungsstarke Kühlung. 

Das MSI GT75VR 7RF Titan Pro wurde zur diesjährigen Computex im Juni erstmals der breiten Öffentlichkeit präsentiert und feierte zur Gamescom 2017 sein Deutschland-Debüt. Wenig später steht der Gaming-Bolide bei uns auf dem Teststand. Den 17,3-Zöller gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen – vor allem beim Speicherausbau und dem Bildschirm gibt es Unterschiede. Als Grundgerüst dient durchweg ein einfach zu übertaktender Intel Core i7-7820HK, dem bis zu 64 GB DDR4-Arbeitsspeicher zur Seite gestellt werden. Er arbeitet standardmäßig mit einem Takt von 2,9 bis 3,9 GHz und verfügt über einen nach oben hin geöffneten Multiplikator. Je nach Modell kümmert sich wahlweise eine NVIDIA GeForce GTX 1070 oder GeForce GTX 1080 mit 6 oder 8 GB GDDR5(X)-Videospeicher um die Grafikbeschleunigung. Sogar eine SLI-Variante mit gleich zwei Grafikchips kann bestellt werden – dann allerdings nur mit maximal zwei GeForce-GTX-1070-Karten. 

Das Betriebssystem sowie die nötigsten Programme installiert MSI auf einer 256 bis 512 GB großen SSD mit PCI-Express-Anbindung vor. Je nach Modell verbaut man sogar zwei davon und schaltet sie im schnellen RAID-0-Verbund zusammen. MSI spricht deswegen von einem Super RAID 4. Als zusätzliches Datengrab dient eine 2,5-Zoll-Festplatte mit einer Kapazität von bis zu 2 TB. Das Display misst stets 17,3 Zoll in seiner Diagonalen, löst aber wahlweise mit 1.920 x 1.080 oder 3.840 x 2.160 Bildpunkten auf. Wer sich hier für die Full-HD-Variante entscheidet, bekommt ein schnelles 120-Hz-Panel auf TN-Basis mit schnellen 3 ms. Die 4K-Variante gibt es hingegen als IPS-Modell mit geringerer Bildwiederholfrequenz. 

Unser Testmodell wird hier von einem Intel Core i7-7820HK, einer NVIDIA GeForce GTX 1080 und satten 64 GB DDR4-Arbeitsspeicher mit einer Geschwindigkeit von 2.400 MHz befeuert. Auf Seiten des Massenspeichers gibt es ein 512 GB großes SSD-RAID sowie 1 TB Magnetspeicher obendrauf. Beim Display hat man sich für die Full-HD-Variante mit 120-Hz-Panel entschieden. Unsere Testkonfiguration wird so zu einem Preis ab 3.489 Euro angeboten und spricht damit eher den betuchten Spieler mit dickem Geldbeutel an. 

Gehäuse-Monster ohne Mängel

Optisch fügt sich das MSI GT75VR 7RF Titan Pro in die anderen Gaming-Modelle der kleineren Produktfamilien des Herstellers ein. Auch hier setzt MSI auf ein optisch sehr schlicht gehaltenes Gehäuse, das mit einem Material-Mix aus Kunststoff und gebürstetem Aluminium aufwarten kann. Während der Bildschirmdeckel hier auf Aluminium setzt und mit zwei roten Bügelfalten sowie dem mittig angebrachten Drachen-Emblem als Gaming-Logo auf sich aufmerksam macht, setzt man auf der Unterseite sowie im Bereich der Display-Scharniere auf Kunststoff. Im Bereich des Topcases kommen beide Materialien zum Einsatz. Während die Tastatur in einem Bett aus Aluminium sitzt, sind das Touchpad sowie die Handballenauflage ringsherum von einer leicht gummierten Kunststoff-Oberfläche überzogen. 

 

Der Stabilität tut die wechselhafte Materialwahl aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Das MSI GT75VR Titan Pro ist durchgehend sehr gut verarbeitet. Es gibt keinerlei scharfe Kanten oder schlecht herausgearbeitete Spaltmaße. Das Gehäuse gibt an keiner Stelle nach und auch die beiden Display-Scharniere sind sehr stabil. Etwas weniger gefallen dagegen Größe und Gewicht. Mit Abmessungen von 428 x 314 x 58 mm zählt das MSI GT75VR 7RF Titan Pro klar zu den größeren und vor allem dickeren 17,3-Zoll-Notebooks. Vergleichbare Modelle wie das Acer Predator 17X oder das Dell Alienware 17 sind hier mit gerade einmal 4 bis 5 cm Dicke ein gutes Stück dünner. Auch das Gewicht ist mit über 4,5 kg alles andere als leicht. Da der Gaming-Bolide aber ohnehin als Desktop-Replacement gedacht ist, dürfte dieser Umstand den Käufer am Ende weniger stören. Vielleicht kommt die dicke Bauweise ja der Kühlung zugute?

Klassischer Aufbau im Bereich des Topcases: Direkt unterhalb des Bildschirms hat MSI die Tastatur untergebracht. Diese wurde erneut in Zusammenarbeit mit Steelseries entwickelt und zählt dank der mechanischen Tasten klar zu den besseren Modellen – wenn nicht sogar zur besten Notebook-Tastatur im Gaming-Bereich überhaupt. Die 16 x 16 mm großen Tasten verfügen über einen knackigen Druckpunkt bei mittlerem Hub und geben dank eines leisen Klickgeräuschs ein gutes Feedback zurück. Erfreulich ist außerdem, dass MSI so langsam aber sicher auf das Standard-Layout umschwenkt. Zumindest die Windows-Taste ist wieder nach links gerückt, die fehlende FN-Taste direkt daneben, aber auch die kleinere Return-Taste machen den Umstieg am Ende dennoch etwas mühsam. Lobenswert: Die Pfeiltasten sind deutlich abgegrenzt von der Tastatur. Schade ist wiederum, dass MSI weiterhin auf eine teilweise nur sehr schlecht ablesbare Schrift bei der Tasten-Beschriftung setzt. Dank 17,3-Zoll-Ausrichtung gibt es natürlich auch hier wieder einen eigenen Nummernblock mit dedizierten Zahlen-Tasten.

Auf eine gesonderte Kennzeichnung der für Gamer wichtigen WASD-Tasten verzichtet MSI zwar, das kann dank der integrierten RGB-Hintergrundbeleuchtung aber nachträglich gemacht werden. Über ein Software-Tool kann der Anwender jeder Taste eine eigene Farbe zuweisen und zwischen zahlreichen verschiedenen Effekten auswählen. Möglich sind hier neben einem dauerhaften Aufleuchten ein Pulsieren, ein stetiger Farbwechsel nach dem Regenbogen-Prinzip oder aber ein Aufleuchten aller sich in der Nähe befindlichen Tasten beim Tastendruck. Der Kreativität sind hier fast keine Grenzen gesetzt. Standardmäßig zeigt die Steelseries-Tastatur was sie kann: Nach dem ersten Systemstart leuchten die Tasten in allen erdenklichen Farben auf und wechseln ihre Farbe schon nach wenigen Sekunden erneut. Es ist ein wahres Farbspektakel, das sicherlich nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Traum-Tastatur, schwächelndes Touchpad

Kann das MSI GT75VR 7RF Titan Pro bei der Tastatur vollends überzeugen, gibt es beim Mausersatz leider ein paar Punkte Abzug. Das Touchpad ist mit 107 x 65 mm zwar ausreichend groß dimensioniert und bietet dank der nur sehr leicht angerauten Oberfläche sehr gute Gleiteigenschaften, jedoch kam es im Test immer wieder zu kleineren Aussetzern und Rucklern beim Mauszeiger auf dem Bildschirm. Multitouchgesten werden zwar verstanden, doch während das Scrollen mittels zwei Finger im Browser noch sehr gut funktioniert, ist dies beim Vergrößern von Bildern per Pinch-to-Zoom nicht mehr ganz der Fall. 

Die Tasten für den linken und rechten Mausklick werden dediziert ausgegeben und sind ebenfalls mechanisch, könnten jedoch über einen gleichmäßigeren und vor allem leichteren Hub verfügen. Um sie zu betätigen, muss vergleichsweise fest gedrückt werden, was schnell zu Ermüdungserscheinungen führen kann. Spieler dürften aber ohnehin einen echten Gaming-Nager per USB anschließen.

Anschlussseitig hat das MSI GT75VR 7RF Titan Pro einiges zu bieten. Auf der Geräterückseite und damit direkt hinter dem Bildschirm zwischen zwei riesigen Lufteinlässen hat MSI die wichtigsten Ausgänge für die Videoausgabe sowie den Anschluss für das externe 330-W-Netzteil positioniert. Hier gibt es neben einem HDMI-2.0-Port und einem mini-DisplayPort-Ausgang auch eine Typ-C-Buchse mit Thunderbolt-3-Protokoll. Das klobige Gigabit-Ethernet, welches obendrein wie das integrierte WiFi-Modul Killer-Funktionalität bietet und damit den Gaming-Traffic bevorzugt behandelt, ist an dieser Stelle ebenfalls untergebracht.

Auf der linken Seite stellt der Gaming-Bolide zwei USB-3.1-Schnittstellen nach Typ-A bereit sowie einen Kartenleser für SD- und SDHX-Speicherkarten bereit. Alle drei Buchsen wurden dabei mittig angebracht, ganz am hinteren Bereich gibt es zahlreiche Lufteinlässe für die Kühlung des Intel Core i7-7820HK und der NVIDIA GeForce GTX 1080. 

Gegenüberliegend stellt das neue GT75VR drei weitere USB-Ports und vier vergoldete 3,5-mm-Klinkenbuchsen für den Anschluss eines Headsets oder einer externen Soundanlage bereit. Doch schon ab Werk kann das MSI GT75VR 7RF Titan Pro mit einer hochwertigen Audio-Ausgabe punkten. Hier stehen zwei 3-W-Lautsprecher inklusive eines eigenen Subwoofers von DynAudio mit ESS Sabre HiFi-FAD bereit. Die Lautsprecher wurden weiter vergrößert und sollen so bis zu 30 % mehr Bassvolumen bieten. 

Dickes Gehäuse, dicke Kühlung

Dick ist nicht nur das MSI GT75VR 7RF Titan Pro, sondern auch dessen Kühlung. Das zeigt sich nicht nur auf der Rückseite direkt hinter dem Display durch dicke Lufteinlässe, sondern auch auf der Unterseite, über die man sogar einen Blick auf die Kühlung von Prozessor und Grafikkarte werfen kann. Während der Intel Core i7-7820HK von drei dicken Kupfer-Heatpipes gekühlt wird, stehen dem MXM-Modul der NVIDIA GeForce GTX 1080 derer gleich sieben zur Verfügung. Der freie Platz im fast 6 cm hohen Gehäuse kommt also der Kühlung zugute, das hohe Gewicht ist der Menge an Kupfer geschuldet. Ob sich all dies bei der Geräuschkulisse bemerkbar macht, klären wir nur eine Seite weiter. 

Sogar die Laufwerke werden gekühlt und finden sich teils unter einer eigenen Kühlabdeckung. Schwer zugänglich ist außerdem der 32 GB fassende Arbeitsspeicher unseres Testmusters. Die beiden DDR4-Speichermodule im SODIMM-Format sind ebenfalls versteckt und nur sehr schwer zugänglich. Der Akku mit seinen acht Speicherzellen und 75 Wh ist fest verbaut und soll das MSI GT75VR 7RF Titan Pro unterwegs mit Strom versorgen. Im Hinblick auf die starke und durchaus hungrige Hardware dürften die Laufzeiten sehr begrenzt sein. Zu Hause an der Steckdose wird das Gerät hingegen über ein externes 330 W starkes Netzteil versorgt. Auch dieses ist wie das Notebook selbst sehr klobig und schwer.