Seite 29: Fazit

Für das Fazit zur GeForce RTX 2080 Ti und GeForce RTX 2080 Founders Edition müssen wir etwas weiter ausholen. Mit der GeForce-RTX-20-Serie geht NVIDIA über das hinaus, was eine "einfache" Rasterizer-GPU sein will. Ganz objektiv betrachtet muss aber auch die Leistung in diesem Bereich passen. Sich nur auf RTX, Ray Tracing und vieles mehr zu konzentrieren wird die meisten Käufer nicht überzeugen.

Und genau in diese Richtung haben wir auch versucht die Theorie zur Turing-Architektur zu entwickeln. NVIDIA hat die Shader überarbeitet, was wie bei der Volta-Architektur dazu führt, dass wir bei Low-Level-APIs ein höheres Leistungsplus sehen, als bei klassischen DirectX-11-Anwendungen. Dazu trägt auch bei, dass NVIDIA neue Funktionen wie Mesh Shading oder ein Variable Rate Shading einführt, welches von den Entwicklern recht einfach eingebaut werden kann und teilweise ein deutliches Leistungsplus gegenüber den bisherigen Render-Technologien mitbringt.

Doch bevor wir zur Beurteilung der beiden Karten kommen, noch ein paar Worte zum Thema RTX, DRX, Ray Tracing, NGX und DLSS: NVIDIA ist letztlich eines von vielen Unternehmen, welches neue Produkte verkaufen möchte. Im Bereich des GPU-Computing hat man aber bereits in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt viel wert sein kann – NVIDIA wächst besonders stark im Datacenter-Segment. Der Schritt hin zu einer hardwarebeschleunigten Berechnung von Ray-Tracing-Effekten und der Umsetzung von Deep-Learning-Anwendungen in diesem Segment ist zunächst einmal positiv zu sehen. Während das NGX-Framework eine reine Umsetzung von NVIDIA ist, kann ein Ray Tracing mittels Microsofts DirectX Ray Tracing (DXR) aber eine echte Neuerung für Spieler werden, die sich in einer breiteren Umsetzung widerspiegelt, als wir das bei so manch anderen Effekten gesehen haben. NVIDIA verwendet die RT Cores zur Hardwarebeschleunigung der DXR-Schnittstelle von Microsoft. Diese steht allen Hardwareherstellern offen und auch AMD und Intel können diese ansprechen. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten.

GeForce RTX 2080 Founders Edition

Die GeForce RTX 2080 lief bisher noch etwas unter dem Radar. Vieles stürzt sich in der Berichterstattung auf das größere Ti-Modell, dabei könnte sich die GeForce RTX 2080 zur interessanteren Karte entwickeln – nicht nur weil kein vierstelliger Betrag aufgerufen wird. Im Vergleich zur GeForce GTX 1080 Founders Edition sehen wir ein Plus zwischen 22 und knapp über 50 %, wobei der größere Zugewinn eher bei den höheren Auflösungen zu suchen ist. Wie bereits erwähnt, scheinen die neuen Karten besonders unter Verwendung von DirectX 12 und Vulkan zu profitieren. Einfach gesagt löst die GeForce RTX 2080 Founders Edition den vorherigen Spitzenreiter GeForce GTX 1080 Ti Founders Edition ab. Die Custom-Varianten des bisherigen Spitzenmodells sind aber noch immer schneller.

Nun werden die wenigsten von einer GeForce GTX 1080 auf eine GeForce RTX 2080 wechseln, sondern kommen eher von einer der vorherigen Generationen. In diesem Vergleich ruft die GeForce RTX 2080 Founders Edition eine um den Faktor zwei höhere Leistung ab – mal etwas darunter, mal etwas darüber. Bei diesen Zahlen klingt eine Investition von 850 Euro dann schon wieder anders. Aber zum Preis kommen wir noch.

Der Stromverbrauch der GeForce RTX 2080 Founders Edition liegt in etwa 24 % über dem der GeForce GTX 1080 Founders Edition. Das Leistungsplus skaliert also gut mit der gestiegenen Leistungsaufnahme, was sicherlich auf die Verbesserungen in der Architektur zurückzuführen ist. Die Fertigung hat sich von 16 auf 12 nm nur nominell verbessert und dürfen allenfalls einen Bruchteil dessen ausmachen.

Sehr gut gefallen hat uns die Kühlung. Die Karte ist kühler und leiser, was am Ende auch dazu führt, dass sie nicht mehr am Temperatur-Limit arbeitet und stattdessen ihren Boost-Takt voll ausspielen kann. Dies gelang zuletzt keiner Founders Edition im High-End-Bereich. Die geringere Lautstärke macht sich vor allem unter Last bemerkbar.

Anders als bei den Pascal-Karten wird NVIDIA die Founders Edition exklusiv verkaufen. Die GeForce RTX 2080 kostet dort 849 Euro.

Positive Aspekte der GeForce RTX 2080 Founders Edition:

  • gutes Leistungsplus gegenüber der GeForce GTX 1080
  • sehr gutes Leistungsplus gegenüber der Maxwell-Generation
  • 4K mit einigen Einschränkungen problemlos möglich
  • niedrige Temperaturen und Lautstärke
  • hochwertige Strom- und Spannungsversorgung
  • hochwertige Verarbeitung
  • RTX- und NGX-Funktionen bieten Zusatzeffekte

Negative Aspekte der GeForce RTX 2080 Founders Edition: 

  • relativ hoher Preis
  • Kühler lässt sich nur schwer demontieren
  • RTX- und DLSS-Funktionen müssen weitere Verbreitung finden

GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition

Die GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition wird in den kommenden Monaten das Spitzenmodell sein und bleiben. Eine „Titan Xu“ oder wie auch immer ist aufgrund des größeren Ausbaus der TU102-GPU zwar denkar, dieses Mal aber eher unwahrscheinlich. Dies liegt auch daran, dass NVIDIA für die GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition bereits 1.250 Euro verlangt, wenngleich eine Titan V auch 3.100 Euro kostete.

Insgesamt ist das Leistungsplus der GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition gegenüber der GeForce GTX 1080 Ti Founders Edition etwas geringer als im Vergleich der kleineren Modelle. Wir sprechen zwar auch von bis zu 50 %, dafür aber sind die Ausschläge nach unten etwas größer und je nach Spiel und Auflösung sehen wir nur eine Steigerung von 17 %. Im Vergleich zur GeForce GTX 980 Ti entspricht das Plus aber wieder dem Faktor zwei mit Schwankungen nach oben und unten. Das neue Spitzenmodell ist in etwa 20 % schneller als die GeForce RTX 2080 Founders Edition. Dies spielt natürlich beim Preisunterschied von 400 Euro (1.250 zu 850 Euro) eine wichtige Rolle.

Der Stromverbrauch der GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition ist nur geringfügig höher, auch weil eine Thermal Design Power von 250 W nur ungerne überschritten wird. Hier ist in gewisser Weise eine Grenze erreicht und alle Zugewinne in der Leistung können auf Verbesserungen der Effizienz zurückgeführt werden. Für die Lautstärke und die Temperaturen gilt für die GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition analog das, was wir auch beim kleineren Modell bereits angemerkt haben. Die Temperatur ist nicht mehr der limitierende Faktor, stattdessen arbeiten die beiden Karten nun am Power-Limit, rufen dabei aber problemlos einen Boost-Takt ab, der weit über den Mindestangaben liegt. Die Lautstärke ist nur geringfügig höher und weitaus besser zu beurteilen, als bei den bisherigen FE-Designs.

Die GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition wird nur bei NVIDIA erhältlich sein und kostet 1.249 Euro. Die Karten der Partner werden womöglich etwas günstiger sein, vierstellig wird der Preis aber immer sein.

Positive Aspekte der GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition:

  • gutes Leistungsplus gegenüber der GeForce GTX 1080 Ti
  • sehr gutes Leistungsplus gegenüber der Maxwell-Generation
  • 4K problemlos möglich
  • niedrige Temperaturen und Lautstärke
  • hochwertige Strom- und Spannungsversorgung
  • hochwertige Verarbeitung
  • RTX- und NGX-Funktionen bieten Zusatzeffekte

Negative Aspekte der GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition:

  • hoher Preis
  • Kühler lässt sich nur schwer demontieren
  • RTX- und DLSS-Funktionen müssen weitere Verbreitung finden

Übergreifendes Fazit

Abschließend bleibt noch eine Abschätzung der neuen GeForce-RTX-Serie insgesamt: Der Abstand zu Konkurrenz wird abermals größer. Die Vega-Generation von AMD konnte schon bei den Karten mit Pascal-GPU kaum mithalten. Es ist zu befürchten, dass sich daran bis in das nächste Jahr hinein nichts ändern wird. Und auch dann wird man erst noch sehen müssen, ob AMD wieder im High-End-Segment wird mitspielen können.

NVIDIA holt sich mit dem neuen FE-Design sowie dem wirklich guten Kühler aber auch ein paar Probleme ins Haus. Die eigenen Partner werden alles andere als begeistert sein, denn konnten sie sich zuvor noch durch ein höheres Overclocking und eine deutlich bessere Kühlung absetzen, ist dies mit der GeForce RTX 2080 und GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition nun deutlich schwerer geworden. Hinzu kommt, dass NVIDIA auch die Verarbeitungsqualität noch einmal verbessert hat und auch die Strom- und Spannungsversorgung zu den besten gehört, die es derzeit bei Grafikkarten gibt. Wir werden uns in den kommenden Tagen und Wochen aber sicherlich einige Custom-Modelle anschauen und dann sehen, wie sich die Partnerkarten differenzieren können.

Die Preisdiskussion ist wichtig, denn das Niveau für die günstigsten RTX-Karten wird bei über 500 Euro liegen. Vieles wird davon abhängen, in wie weit man die zusätzliche Hardware bzw. das RTX/DXR mittel- und langfristig wird nutzen können. NVIDIA hat zahlreiche Spiele mit RTX-Unterstützung angekündigt, doch diese müssen zunächst einmal erscheinen. Das Henne-Ei-Problem hat man auf Seiten der Entwickler mit den Volta- und nun Turing-Karten (Quadro-RTX-Serie) gelöst – auf Seiten der Endkunden ist dies jedoch unweit schwieriger. Der Endkunde muss in einer Art Vorleistung gehen und darauf hoffen, dass sich dies auch auszahlt. Ob dies gelingen wird, werden erst die kommenden Wochen und Monate zeigen.

Besonders für die GeForce RTX 2080 Ti schiebt NVIDIA das Preisgefüge nach oben. 300 bis 400 Euro Aufpreis gegenüber der vorherigen Generation lassen sich nur schwer mit den neuen Funktionen rechtfertigen und man wird sehen müssen, ob sich das für den Käufer auch auszahlt. Die GeForce RTX 2080 liegt mit 850 Euro noch immer weit im hochpreisigen Segment, ist aber womöglich die sinnvollere Lösung für die meisten Spieler, die schon mehrere hundert Euro in die Hand nehmen wollen. Das PC-Markt wächst, dies aber vor allem im oberen Preissegment und eben hier positioniert NVIDIA seine neuen Karten.

Vor Jahren wäre es undenkbar gewesen für einen Prozessor oder eine Grafikkarte mehr als 1.000 Euro auszugeben. Inzwischen verkaufen sowohl AMD als auch Intel CPUs, die auf einen Preis von über 1.000 Euro kommen. Mit der GeForce RTX 2080 Ti Founders Edition positioniert nun auch NVIDIA erstmals eine GeForce-Karte standardmäßig im vierstelligen Bereich. Dies soll die hohen Preise keinesfalls relativieren, aber am Ende entscheidet NVIDIA über die eigenen Preise und Markt darüber, ob dieser gerechtfertigt ist oder nicht.