Seite 1: Mehr 1080p-Leistung: Modelle der Radeon RX 5600 XT im Test

radeon-rx5600-xtAMD will das Gaming in 1080p besser machen – so zumindest die Zielvorgabe der Radeon RX 5600 XT. Als Gegenspieler dürften die GeForce GTX 1660 Ti und die GeForce RTX 2060 (Super) in Frage kommen. Mit der Radeon RX 5600 XT ergänzt man die aktuelle Navi-Serie um ein weiteres Mittelklasse-Modell. Mit der Radeon RX 5500 XT bedient man den Einsteiger-Markt, die Radeon RX 5700 XT zieht auf den ambitionierten Spieler ab.

Zur CES stellte AMD die Radeon RX 5600 XT vor. Doch wenige Tage vor erscheinen dieses Artikels aktualisierte AMD die Spezifikationen der Karte augenscheinlich signifikant. Anstatt einer Thermal Design Power von 150 W, sollte sich die Radeon RX 5600 XT nun bis zu 160 W genehmigen können. Der Boost-Takt wurde von 1.620 auf 1.750 MHz angehoben, wenngleich die Referenzversion mit 1.560 MHz angegeben wird. Auch der GDDR6-Speicher hat ein Update erhalten und läuft nun mit 1.750 anstatt 1.500 MHz (vorher 12 und nun 14 Gbps). Die Tester mussten also das BIOS ihrer Karten aktualisieren und die eventuell schon gemachten Tests allesamt wiederholen.

Alles beginnt mit einem UEFI-Update ...

Dies gilt für die Sapphire Pulse Radeon RX 5600 XT 6G. Wir haben aber auch eine ASUS TUF Radeon RX 5600 XT O6G Evo Gaming im Test. Diese hat ihr BIOS-Update nicht direkt erhalten und wir mussten warten, bis uns ASUS das entsprechende BIOS zur Verfügung stellen konnte.

Für die Karten die wir im Test haben ist die Situation nun einigermaßen klar. Anders sieht dies jedoch für zahlreiche weitere Modelle aus. PowerColor informiert uns, dass Red-Devil- und Red-Dragon-Karten ein BIOS-Update erhalten werden, die erste Schwung an Karten aber bereits mit dem alten BIOS im Handel sein wird. Über eine Support-Seite will man seine Kunden entsprechend anleiten, damit diese erkennen, welche Karten das neue BIOS schon haben und welche nicht. Außerdem soll es hier dann natürlich eine entsprechende Anleitung geben.

Dies gilt für alle von uns kontaktierten Hersteller und die dazugehörigen Modelle. Es wird BIOS-Updates geben und man wird den Kunden im Prozess so gut es geht unterstützen. Allerdings weiß man auch, dass nicht jeder Käufer einer solchen Karte ein Update machen wird, was die Situation fragwürdig erscheinen lässt, denn dieser kauft die Karte im Glauben eine bestimmte Leistung zu bekommen, die dann am Ende aber nur durch das BIOS-Update tatsächlich erreicht wird.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass keiner der Hersteller ein Problem bei der Kühlung und der Garantie sieht. Die Kühler sind meist für die Radeon RX 5700 ausgelegt und kämen daher mit der höheren Verlustleistung problemlos zurecht. Für die PCBs sowie die Strom- und Spannungsversorgung gelte dies ebenfalls. Insofern bestätigen uns die meisten Hersteller, dass keinerlei Nachteile zu erwarten sind.

Warum AMD so vorgegangen ist, lässt sich nur vermuten. Vermutlich will man die Radeon RX 5600 XT besser gegen die GeForce RTX 2060 (Super) positionieren. Ob dies am Ende gelungen ist, werden wir noch sehen müssen. Insgesamt war die Situation so kurz vor Start aus Sicht der Tester nicht ganz einfach. Solch kurzfristige Änderungen helfen zumindest nicht, einen Artikel möglichst ausführlich vorzubereiten.

Die Radeon RX 5600 XT verwendet ebenfalls die Navi-10-GPU (als Navi 10 XLE bezeichnet) mit 36 CUs bzw. 2.304 Shadereinheiten. Im Gegensatz zur Radeon RX 5700 reduziert AMD allerdings die Taktraten und beschneidet die Karte auch hinsichtlich der Speicheranbindung. Auf die Neuerungen in der RDNA-Architektur sind wir zum Start der Navi-Karten im Juni genauer eingegangen.

Gegenüberstellung der Radeon RX 5000 Serie
Modell Radeon RX 5700 Radeon RX 5600 XT Radeon RX 5500 XT
Preis ab 315 Euro ab 299 Euro ab 179 Euro
Technische Daten
GPU Navi 10 Navi 10 Navi 14
Fertigung 7 nm 7 nm 7 nm
Transistoren 10,3 Milliarden 10,3 Milliarden 6,4 Milliarden
GPU-Takt (Basis) 1.465 MHz 1.235 MHz 1.607 MHz
GPU-Takt (Game) 1.625 MHz 1.560 MHz 1.717 MHz
GPU-Takt (Boost) 1.725 MHz 1.620 MHz 1.845 MHz

Speichertakt

1.750 MHz 1.500 MHz 1.750 MHz
Speichertyp GDDR6 GDDR6 GDDR6
Speichergröße 8 GB 6 GB 4 / 8 GB
Speicherinterface 256 Bit 192 Bit 128 Bit
Speicherbandbreite 448 GB/s 288 GB/s 224 GB/s
Shadereinheiten 2.304 2.304 1.408
Textureinheiten 144 144 88
ROPs 64 64 32
TGP 180 W 150 W 120 W

Die Radeon RX 5600 XT bietet also 2.304 Shadereinheiten. Hinzu kommen 144 Textureinheiten und 64 Render Backends. Das Speicherinterface ist nur noch 192 anstatt 256 Bit breit. Zusammen mit einem abgesenkten Speichertakt reduziert sich die Speicherbandbreite von 448 auf 288 GB/s. Zudem sind nur noch 6 GB an GDDR6-Speicher verbaut. Die Thermal Design Power der Radeon RX 5600 XT liegt bei 150 W.

Die von uns getesteten Modelle unterscheiden sich wie folgt. Hier gibt es auch noch unterschiedliche BIOS-Versionen:

Gegenüberstellung der Radeon RX 5000 Serie
Modell Sapphire Pulse Radeon RX 5600 XT 6G
ASUS TUF Radeon RX 5600 XT O6G Evo Gaming
Standard-BIOS Silent-BIOSStandard-BIOSSilent-BIOS
Technische Daten
GPU-Takt (Basis) 1.235 MHz 1.235 MHz1.235 MHz1.235 MHz
GPU-Takt (Game) 1.615 MHz 1.460 MHz1.615 MHz1.460 MHz
GPU-Takt (Boost) 1.750 MHz 1.620 MHz1.750 MHz1.620 MHz

Speichertakt

1.750 MHz 1.500 MHz1.500 MHz1.500 MHz
Speicherbandbreite 336 GB/s 288 GB/s288 GB/s288 GB/s
TGP 160 W 135 W--

Für die Sapphire Pulse Radeon RX 5600 XT 6G wurde der Game- und Boost-Takt von 1.460 bzw. 1.620 auf 1.615 auf 1.750 MHz angehoben. Zudem wurde der Speichertakt von 1.500 auf 1.750 MHz erhöht. Dies bedeutet eine um 16,6 % höhere Speicherbandbreite und das Taktplus beläuft sich auf 8 %. Demzufolge ist auch von einem gewissen Leistungsplus auszugehen.

ASUS belässt es bei der TUF Radeon RX 5600 XT O6G Evo Gaming mit dem Q-BIOS bei den vorher bekanntgegebenen Standardwerten, die schon leicht über den Referenzangaben liegen. Mit dem nun neuen Standard-BIOS hebt man die Taktraten auf das Niveau der Karte von Sapphire an. Dies gilt allerdings nur für die GPU, denn den Speichertakt belässt man bei 1.500 MHz. Damit springt man als einzig uns bekannter Hersteller für sein Modell nicht auf den 14-Gbps-Zug auf.

ASUS bietet per Software noch einen OC-Mode, in dem der Boost-Takt auf 1.800 MHz und der Speichertakt auf 1.624 MHz angehoben wird. Getestet haben wir die beiden Karten mit der schnellsten BIOS-Auswahl (Standard-BIOS bei Sapphire und ASUS). Den OC-Mode per Software haben wir nicht verwendet.