Seite 1: Schnell und dennoch überflüssig: Vier Modelle der GeForce RTX 3080 Ti im Test

nvidia-rtx3080ti-feWie bereits vor einigen Tagen auf der Keynote der Computex verkündet, startet ab morgen der Verkauf der GeForce RTX 3080 Ti und heute können wir den entsprechenden Test präsentieren. Bereits seit Monaten wird über eine GeForce RTX 3080 Ti geschrieben, der offizielle Startschuss ließ aber lange Zeit auf sich Warten. Dies hat Gründe und eben diese plus den ausführlichen Test präsentieren wir auf den kommenden Seiten.

Bereits im November/Dezember-Zeitraum des vergangenen Jahres tauchte die GeForce RTX 3080 Ti erstmals auf. Offenbar wurde NVIDIA durch AMDs Radeon RX 6900 XT (Test) nervös und vermutete hier einen direkten Gegner zu benötigen. Dem war aber letztendlich nicht so und auch wenn die Radeon RX 6900 XT der GeForce RTX 3090 (Test) ordentlich Dampf machen konnte, nur in wenigen Fällen reicht es überhaupt die GeForce RTX 3080 (Test) zu schlagen. Also mottete NVIDIA die GeForce RTX 3080 Ti wieder ein. Allerdings tauchten die für diese Karte geplanten GPUs in Form desGA102-225-Chip ab dem Frühjahr auf einigen Modellen der GeForce RTX 3090 und GeForce RTX 3080 auf. NVIDIA hatte also bereits damit begonnen, zumindest die Chips für einen Produktionsstart der GeForce RTX 3080 Ti vorzubereiten.

Irgendwann dann aber wird NVIDIA beschlossen haben, dass man doch eine GeForce RTX 3080 Ti auf den Markt bringen möchte. Entsprechend verschwanden die GA102-225-GPUs auf den GeForce RTX 3090 und GeForce RTX 3080 auch wieder. Die Gründe, die für eine GeForce RTX 3080 Ti sprechen sind vielfältig. So hat NVIDIA eine gewisse Ausbeute der GA102-GPU, die, wenn es nicht für die GeForce RTX 3090 oder gar RTX A6000 reicht, extrem reduziert nur noch auf der GeForce RTX 3080 zum Einsatz kommen kann. NVIDIA dürfte die teuren Chips aber sicherlich ungerne so weit in ihrer Funktion reduzieren, also entschied man sich für ein Zwischenmodell.

Ein weiterer Grund dürfte die anhaltende Kritik an NVIDIAs Speicherausbau innerhalb der GeForce-RTX-30-Serie sein. Die GeForce RTX 3080 startete mit 10 GB, die GeForce RTX 3090 hingegen bietet 24 GB – die Lücke dazwischen ist gigantisch. Die GeForce RTX 3060 (Test) erschien dann mit 12 GB – mehr als bei der GeForce RTX 3060 Ti (Test)GeForce RTX 3070 (Test) und GeForce RTX 3080. AMD hingegen bestückt die komplette Radeon-RX-6800/6900-Serie mit 16 GB, selbst die Radeon RX 6700 XT (Test) bekommt 12 GB spendiert.

Nun sei einmal dahingestellt, ob 12 GB für eine 1080p-Karte sinnvoll sind oder nicht. Auch dass ein Spiel den zur Verfügung stehenden Speicher ausnutzt, sagt noch nicht, dass dies auch notwendig ist – hier gibt es viele Aspekte, die beleuchtet werden müssen. Die Kritik an NVIDIAs Speicherausbau ist dennoch berechtigt.

Kommen wir nun aber zur GeForce RTX 3080 Ti und schauen uns die technischen Daten im Vergleich zur GeForce RTX 3080 und GeForce RTX 3090 an, denn genau dazwischen setzt sich das neue Ampere-Modell.

Gegenüberstellung der Karten
  GeForce RTX 3080 FEGeForce RTX 3080 Ti FEGeForce RTX 3090 FE
GPU Ampere (GA102)Ampere (GA102)Ampere (GA102)
Transistoren 28 Milliarden28 Milliarden28 Milliarden
Fertigung 8 nm8 nm8 nm
Chipgröße 628,4 mm²628,4 mm²628,4 mm²
FP32-ALUs 8.70410.24010.496
INT32-ALUs 4.3525.1205.248
SMs 688082
Tensor Cores 272320328
RT Cores 688082
Basis-Takt 1.440 MHz-1.400 MHz
Boost-Takt 1.710 MHz1.665 MHz1.700 MHz
Speicherkapazität 10 GB12 GB24 GB
Speichertyp GDDR6XGDDR6XGDDR6X
Speicherinterface 320 Bit384 Bit384 Bit
Speichertakt 1.188 MHz1.188 MHz1.219 MHz
Speicherbandbreite 760 GB/s912 GB/s936 GB/s
TDP 320 W350 W350 W
Preis719 Euro1.199 Euro1.549 Euro

Die GeForce RTX 3080 Ti verwendet bei der GA102-GPU 80 Streaming Multiprozessoren (SM), zwei weniger als die GeForce RTX 3090 und vier weniger als die GA102-GPU im Vollausbau. Dementsprechend sehen wir hier 10.240 FP32- bzw. 5.120 INT32-Recheneinheiten. Ein RT Core pro SM zur Raytracing-Beschleunigung bedeutet, dass insgesamt auch 80 dieser Recheneinheiten vorhanden sind. Bei vier Tensor Cores pro SM kommen wir auf insgesamt 320. Auf die Details der Ampere-Architektur allgemein und vor allem auf die Änderungen der Tensor Cores der dritten Generation und RT Cores der zweiten Generation sind wir im Rahmen des Start dieser Serie Ende 2020 genauer eingegangen.

Beim GPU-Takt geht NVIDIA etwas konservativer ran. Die GeForce RTX 3080 Ti soll über einen Boost-Takt von 1.665 MHz verfügen. Die GeForce RTX 3080 und GeForce RTX 3090 kommen auf 1.710 bzw. 1.700 MHz. Die maximalen Taktraten werden sozusagen vom Power-Limit vorgegeben. Wo die Taktraten in der Praxis landen, schauen wir uns noch an.

Ein letzter Punkt betrifft den Speicherausbau. 12 GB GDDR6X bietet NVIDA mit der GeForce RTX 3080 Ti an. Bei einem  384 Bit breiten Speicherausbau und 32 Bit pro Speicherchip bleibt nur die Möglichkeit, hier entweder 12 oder 24 GB zu verbauen. Damit steht NVIDIA auch bei diesem Modell bei 12 GB gegen AMDs Radeon-RX-6800/6900-Serie mit 16 GB. Der Speichertakt ist mit 1.188 MHz identisch zur GeForce RTX 3080. Die Speicherbandbreite liegt bei 912 GB/s.

Das Power-Limit von 350 W liegt auf Niveau der  GeForce RTX 3090 und dies ist auch von der Leistung zu erwarten. 80 zu 82 SMs beutet eine um 2,5 % geringere Rohleistung. Bezieht man auch den Takt mit ein liegen wir noch immer im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die GeForce RTX 3080 Ti dürfte damit nicht viel anderes sein, als eine GeForce RTX 3090 mit halbem Speicherausbau.

Neben der Founders Edition von NVIDIA haben wir uns zum Start auch gleich noch drei Custom-Designs angeschaut. Dabei handelt es sich um die Gigabyte GeForce RTX 3080 Ti Eagle, Inno3D GeForce RTX 3080 Ti ICHILL X3 und MSI GeForce RTX 3080 Ti Suprim. Deren Vorgaben in Sachen Taktung und Power-Limits können sich von der Founders Edition unterscheiden. Entsprechend dazu ein Vergleich:

Gegenüberstellung der Karten
  Basis- / Boost-TaktStandard-Power-Limitmaximales Power-Limit
NVIDIA GeForce RTX 3080 Ti FE 1.365 / 1.665 MHz350 W400 W
Gigabyte GeForce RTX 3080 Ti Eagle 1.365 / 1.665 MHz
350 W370 W
Inno3D GeForce RTX 3080 Ti ICHILL X3 1.365 / 1.710 MHz
350 W350 W
MSI GeForce RTX 3080 Ti Suprim 1.365 / 1.830 MHz
400 W440 W

Wie wir hier sehen, gehen die Hersteller ganz unterschiedlich an die Vorgaben heran, die sie in Form von Taktraten und Power-Limit machen können. NVIDIA und Gigabyte sehen einen Boost-Takt von 1.665 MHz vor, Inno3D geht auf 1.710 MHz und MSI sogar auf 1.830 MHz. Wir sehen hier aber auch drei unterschiedliche Kategorien an Karten. Die Founders Edition und Gigabyte Eagle sind eher Standard-Modelle. MSI stellt die Suprim-Serie klar im High-End auf, während Inno3D mit einem Referenzlayout und "nur" 350 W versucht sich zwischen die Lager zu setzen.

Große Unterschiede gibt es natürlich auch hinsichtlich der Kühlung. Auf den folgenden Seiten schauen wir uns die Karten nun etwas genauer an. An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass wir keine der Karten demontiert haben. Die Pressesamples gehen in einer weiteren Testrunde an die Kollegen und sollten dort genau wie hier bei uns noch ihre möglichst ideale Kühlleistung erreichen.