20% Vorteil ist unrealitisch und die meisten Realensysteme liegen eher so zwischen 5-10%
Ich stimme dir eigentlich schon zu 101% zu. Das Ganze ist allerdings nicht ganz so einfach pauschal zu messen oder zu bewerten.
Ich betreibe hier ja selbst ein paralleles System mit Ventilen und Sensoren 6 x Temperatur sensoren, 3 x Durchfluss . Genau deshalb sehe ich auch, dass sich so ein Aufbau lohnen kann, wenn man ihn sauber abstimmt.
Verwendet man CPU- und GPU-Kühler mit feinen Finnen, braucht man nicht zwangsläufig extremen Durchfluss, um eine gute Wärmeaufnahme zu erreichen. Die große Oberfläche im Kühler hilft bereits beim Wärmeübergang. Trotzdem muss natürlich genug Flow vorhanden sein, damit sich die Wärme nicht lokal staut und die Temperaturdifferenzen im Loop nicht unnötig groß werden.
Bei 3–4 Radiatoren in Serie sieht die Sache anders aus. Dort steigt der Widerstand deutlich, und man muss mit mehr Pumpendruck und mehr Pumpenleistung arbeiten, um noch auf sinnvolle Durchflusswerte zu kommen. Gleichzeitig bekommt jeder weitere Radiator bereits kühleres Wasser als der vorherige. Dadurch sinkt die Temperaturdifferenz zwischen Wasser und Luft, und genau diese Temperaturdifferenz ist entscheidend für die abgegebene Leistung. Der nächste Radiator arbeitet also automatisch mit schlechteren Bedingungen als der erste.
Darum sagen viele vereinfacht: „Viel Flow hilft viel.“ In einem stark restriktiven Serienloop ist das auch nachvollziehbar, weil man damit die Nachteile teilweise kompensiert. Aber es ist eben nicht die ganze Wahrheit.
Nutzt man dagegen beispielsweise zwei gute, leistungsstarke Radiatoren wie einen Alphacool 420 XT45 HPE oder einen Mo-Ra 400er parallel, ergeben sich andere Vorteile:
- Der hydraulische Widerstand sinkt deutlich: Die Pumpe arbeitet entspannter, der Gesamtflow kann bei gleicher Pumpendrehzahl steigen, oder man kann die Pumpe langsamer und leiser betreiben.
- Optimale Temperaturverteilung: Beide Radiatoren bekommen eine ähnliche Eingangstemperatur. Dadurch arbeitet nicht nur der erste Radiator mit dem wärmsten Wasser, sondern beide Radiatoren werden gleichmäßiger genutzt. Das verbessert die mittlere Temperaturdifferenz zwischen Wasser und Luft.
Wichtig ist dabei natürlich: Der Gesamtflow muss hoch genug sein. Bei zwei parallelen Radiatoren teilt sich der Durchfluss auf. 100 l/h Gesamtflow bedeuten grob 50 l/h pro Radiator. 200 l/h Gesamtflow bedeuten grob 100 l/h pro Radiator. Wenn man also parallel viel zu niedrig misst, beurteilt man nicht den sinnvollen Arbeitsbereich eines parallelen Setups, sondern einen Bereich, in dem jeder einzelne Radiator zu wenig Teilflow bekommt.
Genau deshalb finde ich Messbereiche von 29 bis 72,5 l/h für solche Vergleiche nur bedingt aussagekräftig. Das kann für Extrem-Silent oder Spezialfälle interessant sein, aber es bildet nicht unbedingt den typischen Enthusiasten-Bereich ab, in dem man parallele Radiator-Setups sinnvoll betreibt.
Aus meiner Sicht sollte ein praxisnaher Test im PC-Bereich eher einen Bereich von etwa 85 bis 300 l/h abdecken, besonders wenn man 1 bis 3 parallele Radiatoren vergleichen möchte. Parallele Systeme brauchen nicht zwingend immer 150 l/h, aber je nach Radiator und Anzahl der parallelen Zweige braucht man genug Gesamtvolumenstrom, damit jeder Radiator noch sinnvoll beaufschlagt wird.
Ob der Vorteil am Ende 1K, 5–10% oder in einem speziellen Aufbau mehr ist, hängt stark vom realen System ab: Radiatoren, Fittings, Schnellkupplungen, Schlauchführung, Pumpenkennlinie, Lüfterdrehzahl, Shroud, Gehäuse- oder externer Betrieb und natürlich die Messmethode.
Für uns PC-Nutzer ist außerdem nicht nur spannend, wie viel Watt ein Radiator theoretisch exakt abführt. Praktisch viel wichtiger ist die Frage: Mit wie viel Lüfterdrehzahl muss ich arbeiten, um meine Ziel-Wassertemperatur im Bereich von 30 bis 35°C zu halten?
Wenn ich durch das Parallelschalten von zwei Radiatoren die Lüfterdrehzahl um 200 U/min senken kann, ist das für mich ein echter Gewinn. Das ist im Alltag relevanter als ein theoretischer Maximalwert auf dem Papier. Zusätzlich nutze ich die Lüfter saugend mit Shroud. Dadurch werden Totzonen reduziert und die Radiatorfläche gleichmäßiger durchströmt. Gerade bei niedrigen Lüfterdrehzahlen kann das in der Praxis mehr bringen, als einfach nur stumpf die Drehzahl zu erhöhen.
Jeder Test, der nur den reinen Radiator-Wärmeübergang betrachtet, aber ignoriert, dass parallel der Widerstand stark sinkt, der Gesamtflow steigen kann und weniger Pumpenleistung beziehungsweise Pumpenabwärme nötig ist, lässt für mich einen entscheidenden Praxisvorteil weg. Parallel ist kein Zaubertrick und auch nicht automatisch immer deutlich besser. Aber bei einem sauber aufgebauten und abgeglichenen System kann es effizienter, leiser und praxisnäher sein als ein langer, restriktiver Serienloop.