Seite 7: Eine erste Einschätzung

Zweifelsohne scheint Alder Lake ein großer Sprung für Intel zu sein. Ein Hybrid-Design das plattformübergreifend (ausgenommen der Xeon-Prozessoren) zum Durchbruch verhelfen soll. Dabei beginnt alles im Kleinen – beinnahe wortwörtlich. Die Efficiency-Kerne auf Basis des Atom-Designs sind so leistungsfähig wie die bisherigen Skylake-Kerne, belegen aber nur ein Viertel des Platzes und sind zudem auch noch extrem sparsam. Die großen Performance-Kerne sind nicht nur die ersten, die auf dem Desktop in 10 nm zum Einsatz kommen, sie läuten auf Basis der Golden-Cove-Architektur auch eine neue Generation der Micro-Architekturen ein.

Ob ein Performance-Hybrid-Design wie Alder Lake gegen die Konkurrenz bestehen kann, wird sich in den Benchmarks zeigen. Auf dem Papier kämpfen hier 8+8-Kerne (24 Threads) des Core i9-12900K gegen 16 Zen-3-Kerne des Ryzen 9 5950X, der es auf 32 gleichzeitige Threads bringt. Eine 8+4 Konfiguration mit 20 Threads des Core i7-12700K muss gegen einen Ryzen 9 5900X mit 12 Kernen und 24 Threads bestehen und das vorläufig kleinste Modell stellt eine 6+4-Konfiguration mit 16 Threads alias Core i5-12600K gegen die restliche Konkurrenz aus dem Hause AMD.

Die Zusammenarbeit aus Hard- und Software wird zum Knackpunkt werden. Werden die Efficiency-Kerne die Multi-Threaded-Leistung deutlich zu verbessern? Wie gut gelingt es, sie auf Hintergrundaktivitäten zu konzentrieren? Wie schnell sind die Performance-Kerne und landen wichtige Threads tatsächlich auch immer auf diesen Kernen? Dem Intel Thread Director kommt eine wichtige Rolle zu und gleichzeitig darf ein zu starker Fokus seitens Microsoft nicht dazu führen, dass man die Konkurrenz unberechtigterweise benachteiligt. Aber dies wird einer der Punkte sein, den wir uns im Rahmen des Tests genauer anschauen werden.

Intel Core i9-12900K

Die Effizienz ist auf dem Desktop vor allem im Hinblick auf das schnelle Abarbeiten der Aufgaben wichtig. Der Stromverbrauch spielt aber auch eine Rolle und hier scheint Intel mit Alder Lake einen neuen Weg zu gehen. Nominell beläuft sich die TDP auf 125 W und im Falle einer zu schwachen Versorgung oder Kühlung fallen die Prozessoren auch auf diesen Wert zurück, ansonsten aber dürfen sie sich durchgängig das neue maximale Limit (PL1 = PL2) von 241, 190 und 150 W genehmigen. Die Einschätzung, dass Intel es hier zumindest beim Topmodell mit der Brechstange versucht, ist nicht ganz falsch. Mehr dazu werden wir ebenfalls im Test in wenigen Tagen aufzeigen.

Spannend ist Alder Lake auch im Hinblick auf die Plattform-Funktionen. Erstmals kommen wir konkret mit DDR5 in Kontakt und können ausloten, wo dieser seine Stärken ausspielen kann, aber auch die Schwächen werden offensichtlich. Lohnt es sich gleich mit einem neuen Prozessor auf ein Mainboard mit DDR5-Unterstützung zu wechseln oder kann man getrost auch bei DDR4 bleiben? Das Thema PCI-Express 5.0 können wir mangels kompatibler Grafikkarten und SSDs noch etwas ausklammern. Hier wird es erst im kommenden Jahr interessant.

Für unsere Tests in den kommenden Tagen sind also noch viele Fragen offen, die wir dann hoffentlich allesamt klären können. Anregungen zu den Tests und Fragen sind in den Kommentaren willkommen.

Intel Alder Lake Präsentation

Bevor wir uns im nächsten Test einen eigenen Eindruck der Leistung verschaffen, noch ein Blick auf die von Intel veröffentlichten Daten. Intel sieht sich in Spielen weiterhin an der Spitze, allerdings konnte man dies zuletzt auch schon größtenteils für sich beanspruchen. Für Intel mit bis zu 16 Kernen nun ebenfalls wieder wichtig wird die Multi-Threaded-Leistung. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Intel die Benchmarks durchgeführt hat, bevor Microsoft und AMD die entsprechenden Fixes veröffentlicht haben.