Seite 1: Modelle, P- und E-Kerne, DDR5-Infos: Alles zum Start von Alder Lake-S

alder-lake-reviewPassend zur Wiederbelebung des IDF alias Intel On geht heute auch Intels nächste Desktop-Generation an den Start. Mit Alder Lake will Intel das Ruder herumreißen, bevor man dann mit Meteor Lake und der Fertigung in 7 nm wieder komplett auf der Erfolgsspur sein will. Wir sprechen heute über die bisher bekannten Informationen und das, was wir uns dann in wenigen Tagen in Form der Benchmarks zu Gemüte führen werden.

Alder Lake-S beschreibt in seiner Eigenschaft als Desktop-Prozessor nur einen Teil der neuen Produktgeneration und selbst von dieser wiederum nur einen Teil, denn heute sprechen wir ausschließlich über die bisher verfügbaren Informationen zu den K-Modellen für das High-End-Segment. Es werden noch weitere Desktop-Prozessoren auf Basis von Alder Lake folgen und bei den Notebooks dürfte der offizielle Startschuss auch nur bis zum Jahreswechsel auf sich warten lassen.

Dabei beschreibt Alder Lake einen großen Sprung in Intels CPU-Entwicklung. Es handelt sich um das erste Performance-Hybrid-Design. Die Prozessoren verwenden unterschiedliche Kerne, die für unterschiedliche Aufgaben vorgesehen sind. Mit Lakefield tauchte Intel den ersten Zeh ins Wasser der Hybrid-Designs, scheiterte hier aber aufgrund der zahlreichen Limitierungen in diesem Segment. Als Testballon für die Zusammenarbeit von Hard- und Software sowie die Fertigung eines solchen Prozessors dürfte der Erkenntnisgewinn für Intel nicht unerheblich gewesen sein.

Außerdem ist Alder Lake für Intel die Plattform, um gleich mehrere neue Standards in den Desktop-Markt einzuführen – nicht als alleiniger Initiator, aber als großer Teil am beteiligten Ökosystem. So bieten die Alder-Lake-Prozessoren einen Speichercontroller für DDR5, der auch gleich zum Einsatz kommt. Zudem verfügen die Prozessoren über PCI-Express 5.0.

Mit Alder Lake will Intel in allen wichtigen Aspekten eine führende Position einnehmen. Sei die Single-Threaded-Leistung, Multi-Threaded-Leistung, I/O- und Plattform-Angebot – all dies auf Basis eines zentralen Konzepts, welches dann neben dem Desktop auch bei den Notebooks zum Einsatz kommen soll.

Heute vorgestellt werden ausschließlich die K- und KF-Modelle. Bevor wir auf die Architektur und weitere Details eingehen, ein erster Überblick:

Gegenüberstellung der Prozessoren

KerneL3-Cache L2-CacheTurbo 3.0Boost-TaktBasis-TaktBase PowerTurbo PowerPreis
Core i9-12900K 8P+8E30 MB 14 MB5,2 GHz5,1 / 3,9 GHz3,2 / 2,4 GHz125 W241 W589
Core i9-12900KF 8P+8E30 MB 14 MB5,2 GHz5,1 / 3,9 GHz3,2 / 2,4 GHz125 W241 W564
Core i7-12700K 8P+4E25 MB 12 MB5,0 GHz4,9 / 3,8 GHz3,6 / 2,7 GHz125 W190 W409
Core i7-12700KF 8P+4E25 MB 12 MB5,0 GHz4,9 / 3,8 GHz3,6 / 2,7 GHz125 W190 W384
Core i5-12600K6P+4E20 MB 9,5 MB-4,9 / 3,6 GHz3,7 / 2,8 GHz125 W150 W289
Core i5-12600KF 6P+4E20 MB 9,5 MB-4,9 / 3,6 GHz3,7 / 2,8 GHz125 W150 W264

Allen Prozessoren gemein ist die Unterstützung von DDR4-3200 und DDR5-4800. Dies beschreibt allerdings nur die JEDEC-Spezifkationen, denn egal ob mit DDR4 oder DDR5 – der Integrated Memory Controller (IMC) schafft im Zusammenspiel mit gutem Speicher auch deutlich mehr. Auf die Feinheiten hinsichtlich der Gear-Modi gehen wir bei den Speichertests ein. Mit DDR4-Speicher betrieben, werden zwei Speicherkanäle angesprochen, bei DDR5 werden diese in insgesamt vier aufgeteilt, was eine der Maßnahmen für eine höhere Datenübertragungsrate von DDR5 ist. Maximal 128 GB an Arbeitsspeicher können verbaut werden. Außerdem bieten alle Prozessoren 16 PCI-Express-Lanes nach dem neuesten 5.0-Standard und vier weitere nach 4.0.

Die KF-Modelle verzichten auf die integrierte Grafikeinheit. Diese basiert erstmals bei einem Desktop-Prozessor auf der Xe-LP-Architektur und kommt auf 32 Execution Units. Ob der DDR5-Speicher mit der höheren Bandbreite hier Vorteile zu bieten hat, schauen wir uns ebenfalls in den Benchmarks an, die wir in wenigen Tagen veröffentlichen dürften.

Spitzenmodell ist der Core i9-12900K(F) mit acht Performance- und acht Efficiency-Kernen, die einen Takt von 5,1 bzw. 3,9 GHz erreichen. Der L3- und L2-Cache ist abhängig von der Anzahl der jeweils aktiven Kerne und fällt hier am größten aus. Die Basis-TDP liegt bei 125 W, der Prozessor kann sich aber auch dauerhaft 241 W genehmigen. Der Core i7-12700K(F) ist wieder ein echter "700K" und unterscheidet sich nicht wie bei Rocket Lake nur durch ein Binning vom größeren Modell. Intel schaltet hier ein E-Cores-Cluster ab, sodass wir einen Prozessor in 8+4-Konfiguration vor uns haben. Dementsprechend fällt auch der L3- und L2-Cache etwas geringer aus. Auch bei den Taktraten müssen jeweils ein paar hundert Megahertz an Abstrichen gemacht werden. Die Turbo Power wird von 241 auf 190 W reduziert.

Schlussendlich gibt es auch noch einen Core i5-12600K(F), bei dem nun auch zwei Performance-Kerne fehlen. Mit 20 bzw. 9,5 MB wird die Kapazität des L3- und L2-Caches dadurch weiter reduziert. Einen Turbo 3.0 kennt der Core i5-12600K nicht mehr, die Boost- und Basis-Taktraten fallen aber recht ähnlich wie beim Core i7-12700K(F) aus. Das Power-Limit für den Turbo wird aber abermals auf 150 W reduziert.

Der Elefant im Raum ist sicherlich eine neue Vorgabe für den Verbrauch der Prozessoren. Es gibt keine Unterscheidung mehr zwischen einem PL1 und PL2. Das PL1 beschrieb bisher ein Limit, welches der Prozessor unter längerer Last erreichten durfte. Das PL2 sollte nur über 28 oder 56 s anliegen. Für Alder Lake sind PL1 und PL2 identisch. Ein Core i9-12900K kann sich also dauerhaft 241 W genehmigen – wenn die Versorgung über das Mainboard und die Kühlung dies denn zulassen. Auf die TDP von 125 W fällt der Prozessor nur zurück, wenn Versorgung und Kühlung nicht ausreichend sind. Ein Tau als Dauer des PL2 gibt es nun nicht mehr.

Im UEFI der Z690-Mainboards sollte dies in den aktuellen Versionen bereits berücksichtigt sein. Ob und wie lange ein Core i9-12900K sich am Ende tatsächlich die 241 W aus dem Sockel zieht, werden die Messungen zeigen. Für den Desktop kann Intel sich dies sicherlich erlauben, bei den Notebooks wird man diesen Trick aber nicht anwenden können.

Verfügbarkeit ab kommender Woche

Alle sechs Alder-Lake-Prozessoren sollen ab dem 4. November im Handel sein. Laut Intel wird man noch in diesem Jahr tausende Prozessoren fertigen. Bis zum Ende des ersten Quartals 2022 sollen es zwei Millionen sein. Damit möchte Intel unterstreichen, dass man sich den Herausforderungen der globalen Halbleiterkrise annimmt und Mittel und Wege finden möchte, dieser entgegenzutreten.

Preislich geht es für Alder Lake-S mit dem Core i5-12600KF bei 264 US-Dollar los. Euro-Preise kennen wir noch nicht, Intel nennt wie immer nur die Dollarpreise bei Abnahme von 1.000 Stück. Die Variante mit integrierter Grafikeinheit kostet 289 US-Dollar. Der Core i7-12700KF soll für 384 US-Dollar den Besitzer wechseln. Mit iGPU sind es 409 US-Dollar. Das Spitzenmodell Core i9-12900K soll 589 US-Dollar kosten, als KF werden 564 US-Dollar aufgerufen. Damit positioniert Intel die neuen Prozessoren anhand der offiziellen Preisliste leicht oberhalb der Vorgänger. 16 Kerne von Intel sind somit aber auch günstiger zu bekommen als 16 Kerne von AMD (Ryzen 9 5950X). Gleiches gilt auch für die weiteren Modelle im Vergleich zur Konkurrenz. Ob ein solcher aber überhaupt zulässig ist, werden erst die Benchmarks zeigen.

Neben den sechs Modellen der Alder-Lake-Prozessoren zeigt Intel heute auch erstmals den ersten den Z690 als Chipsatz. Es wird sicherlich auch weitere Chipsätze geben, zu denen sich Intel heute aber nicht weiter äußert.