Seite 1: Medion Erazer X6805: Attraktives Gamer-Notebook mit üppiger Ausstattung im Test

medion erazer x6805 test-teaserInnerhalb der Erazer-Familie von Medion gibt es immer mal wieder spannende Gaming-Notebooks, die vor allem mit einem attraktiven Preis auf sich aufmerksam zu machen versuchen. Eines davon ist das Medion Erazer X6805 mit Intel Core i7-8750H, NVIDIA GeForce GTX 1060, schneller PCIe-SSD, RGB-Beleuchtung, mechanischer Tastatur und so einigen anderen Gamer-Features für rund 1.400 Euro. Ob der 15-Zöller tatsächlich einen Blick wert ist, das klären wir in diesem Hardwareluxx-Artikel auf den nachfolgenden Seiten. 

In früheren Verkaufs-Prospekten lockte Medion gerne mit großen Zahlen und einigen Marketing-Floskeln. Passagen wie "massig Arbeitsspeicher" oder "viel Grafikspeicher" fielen ziemlich häufig und das obwohl nur langsame RAM-Module oder gar nur Einsteiger-Grafikkarten verbaut wurden. Unwissende Käufer wurden zum Kauf verleitet, ein Schnäppchen zu machen. Dieses Image hat Medion inzwischen größtenteils abgelegt, vor allem, wenn man einen Blick auf die Erazer-Familie wirft, die durchaus einige interessante Gaming-Produkte aufweist. 

Erst vor Kurzem schickte man hier das Erazer X6805 ins Rennen, ein vergleichsweise günstiges Gaming-Notebook mit potenter Hardware im Datenblatt und so einigen, weiteren interessanten Features, die Gaming-Herzen durchaus höher schlagen lassen. Für rund 1.400 Euro gibt es mit dem Intel Core i7-8750H nicht nur einen modernen Sechskern-Prozessor und eine durchaus potente NVIDIA GeForce GTX 1060 mit 6 GB Videospeicher, sondern auch eine hochwertige Tastatur mit mechanischen Switches und RGB-Hintergrundbeleuchtung. Das Display misst 15,6 Zoll in seiner Diagonalen und löst mit gamer-freundlichen 1.920 x 1.080 Bildpunkten auf. Moderne Anschlüsse wie USB Typ-C und ein hochwertiges Gehäuse aus Kunststoff und Aluminium fehlen ebenfalls nicht. 

Mit Features geizt Medion bei seinem Erazer X6805 also nicht und bietet teils mehr als andere Geräte dieser Preis- und Leistungsklasse. Starke Konkurrenten sind das Acer Predator Helios 300 oder aber die Strix-Geräte von ASUS, die zwar mit einer ähnlichen Hardware zum vergleichbaren Preis auf sich aufmerksam machen, aber auf eine mechanische Tastatur oder gar eine RGB-Hintergrundbeleuchtung verzichten. Ob das Medion eine gute Alternative ist, klären wir in diesem Hardwareluxx-Artikel.

Eingekauftes Barebone von Tong Fang

In der Vergangenheit hat Medion bei seinen Notebooks stets Gehäuse anderer Hersteller eingekauft und für seine Bedürfnisse angepasst. Beim Medion Erazer X6805 ist dies ebenfalls der Fall, denn als Basis dient ein Barebone des chinesischen Herstellers Tong Fang – ein Name, der neben Clevo in den letzten Jahren vor allem in Asien für Aufsehen gesorgt hat, so langsam aber sicher seine Fühler auch nach Europa ausstreckt. Prominentestes Beispiel ist das XMG Neo 15, welches ebenfalls auf ein Tong-Fang-Gehäuse setzt, wenn auch auf ein deutlich kompakteres. 

Verstecken vor der Konkurrenz braucht sich Tong Fang jedoch nicht. Im Gegenteil: Die Verarbeitung des Chassis ist durch die Bank sehr gut. Selbst auf stärkeren Druck hin, gibt das Gehäuse an keiner Stelle nach, scharfkantige Stellen gibt es trotz des eckigen Designs keine und auch die Spaltmaße sind hervorragend herausgearbeitet. Die Display-Scharniere sind äußerst stabil, trotzdem lässt sich das Notebook mit nur einer Hand sehr einfach öffnen. 

Mit Abmessungen von 385 x 265 x 33 mm ist der 15-Zöller relativ kompakt, wenngleich er nicht mit den aktuellen Trend-Geräten wie dem MSI GS65 Stealth Thin, dem ASUS ROG Zephyrus M oder dem XMG Neo 15, die allesamt viel Gaming-Leistung auf engstem Raum bieten, mithalten kann. Auch das Gewicht liegt mit etwa 2,6 kg ein gutes Stück darüber. Mobil ist das Medion X6805 dadurch trotzdem noch.

Das Design ist für ein Gaming-Notebook durchaus schlicht. Auf dem Displaydeckel, welcher aus gebürstetem Aluminium besteht, thront zwischen zahlreichen Bügelfalten das Erazer-Logo mit blau schimmernden Streifen, die im Betrieb jedoch nicht aktiv beleuchtet werden, jedoch je nach Einfallswinkel des Lichts, fast schon von selbst leuchten. Insgesamt ist das Gehäuse komplett in Schwarz gehüllt, wobei es hier und dort kleinere Farbakzente im Medion-Blau gibt, wie beispielsweise an den dicken Lufteinlässen an die Rückseite. Das Erazer-Logo ist innerhalb des Touchpads ebenfalls zu finden.

Auf der vorderen Geräteseite bietet das Medion Erazer X6805 einen Leuchtstreifen, welcher im Betrieb in unterschiedlichen Farben beleuchtet werden kann. Die Software erlaubt jedoch nicht die Auswahl spezifischer Farben, sondern nur ein rudimentäres Mischen über die Zugabe von Rot, Grün und Blau. 

Ein Highlight des Medion Erazer X6805 ist seine Tastatur, denn hier setzen Medion und Tong Fang trotz des vergleichsweise günstigen Preises auf mechanische Switches, die obendrein mit einer vollwertigen RGB-Hintergrundbeleuchtung ausgerüstet wurden. Farbe und Effekt lassen sich über das hauseigene "Control Center", das bereits vom XMG Neo 15 bekannt ist, aus zahlreichen vordefinierten Profilen und Mustern auswählen, eine individuelle Konfiguration für jede Tasten einzeln ist ebenfalls möglich – schade nur, dass innerhalb der Software die Tastenbeschriftung fehlt, was die Konfiguration erschwert. Die LEDs sind satt und kräftig, sehr leuchtstark und gleichmäßig beleuchtet. Die Leuchtkraft lässt sich mehrstufig regeln.

Hervorragende Tastatur, gutes Touchpad

Mit Abmessungen von 17 x 17 mm sind die Tasten für ein 15-Zoll-Notebook sehr groß und fast schon bündig zueinander angebracht. Aufgrund der zu den Rändern hin abgesenkten Tastenkappen ist jedoch trotzdem ein treffsicheres Tippen möglich. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Chiclet-Tastatur, welche in dieser Preisklasse in der Regel eingesetzt wird, ist das Tippgeräusch zwar deutlich lauter, dafür kann das Feedback mit einem knackigen Druckpunkt und einem präzisen Anschlag überzeugen. Das Layout entspricht größtenteils dem Standard, wobei die Pfeiltasten direkt im Layout integriert und nicht leicht versetzt angebracht wurden. 

Auf einen separaten Nummernblock braucht man trotz der 15,6-Zoll-Ausrichtung nicht zu verzichten. Direkt neben dem Power-Button findet sich ein weiterer Taster, über den sich die Laufleistung der Lüfter mit nur einem Klick auf das Maximum bringen lässt. Dann wird der Gaming-Bolide jedoch sehr laut, wie wir später noch feststellen werden. 

Die Eigenschaften des Touchpads wissen ebenfalls zu gefallen. Mit Abmessungen von 105 x 75 mm ist es nicht nur großzügig dimensioniert, sondern dank seines glatten Finishs auch mit guten Gleiteigenschaften versehen. Die Präzision nimmt zwar zu den Rändern und in den Ecken ab, dafür werden alle gängigen Multi-Touch-Gesten problemlos verstanden und schnell umgesetzt. 

Da Tong Fang und Medion auf ein Clickpad setzen, gibt es keine separaten Tasten für den linken und rechten Mausklick. Sie werden direkt im Touchpad durchgeführt. Dabei wird wie bei der Tastatur ein hörbares Clickgeräusch erzeugt.

Die Video-Ausgänge für den Anschluss weiterer Monitore finden sich allesamt an der Rückseite direkt unterhalb des Bildschirms. Hier stellt das Medion Erazer X6805 zwei mini-DisplayPort-Ausgänge und einen HDMI-Port bereit. Eine moderne Typ-C-Schnittstelle gibt es ebenfalls, die arbeitet jedoch nicht nach dem schnellen Thunderbolt-3-Standard. Das externe 180-W-Netzteil wird ebenfalls an der Rückseite angeschlossen. 

Auf dem rechten Seitenteil gibt es eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle, eine Typ-A-Buchse, die jedoch noch nach dem alten und langsamen 2.0-Standard arbeitet, sowie zwei 3,5-mm-Klinkenbuchsen für den Anschluss eines Headsets. Alle Ports wurden mittig angebracht, der hintere Teil ist jeweils von Lüftungsschlitzen für die Kühlung von Prozessor und Grafikkarte durchzogen.

Gegenüberliegend gibt es zwei weitere Typ-A-Ports, die jedoch nach dem schnellen 3.1-Standard arbeiten. Ebenfalls vorhanden ist ein SD-Kartenleser. Auch hier gilt: Zugunsten der Kühlung sind alle Ports mittig positioniert.

Unauffällige Kühlung

Die Kühlung des Intel Core i7-8750H und der NVIDIA GeForce GTX 1060 sowie natürlich der restlichen Komponenten zeigt sich eher unauffällig. Neben den Lüftungsschlitzen an den beiden Seitenteilen, bietet das Medion Erazer X6805 solche nur auf der Rückseite. Hier fallen sie jedoch dicker aus und sind obendrein im typischen Medion-Blau eingefärbt. Eine Wartungsklappe auf der Unterseite, über die man schnellen Zugriff auf den Arbeits- und Massenspeicher hätte bekommen können, um diesen aufzurüsten, gibt es leider nicht. Hierfür muss die komplette Unterseite abmontiert werden, wofür gleich 22 Schrauben gelöst werden müssen. 

Mit Strom versorgt wird das Medion Erazer X6805 über ein externes 180-W-Netzteil. Für die Stromversorgung unterwegs ist hingegen ein 46,7 Wh starker Akku fest verbaut. Ob der dem Gerät zu langen Laufzeiten ohne Steckdose verhelfen kann, ist mit Blick auf die Hardware-Ausstattung durchaus fraglich, werden wir auf der nächsten Seite jedoch herausfinden.