Auf einer Folie zum Ryzen 7 9850X3D (Test) wirbt AMD mit der Tatsache, dass der 3D V-Cache bzw. größere L3-Cache schnelleren Arbeitsspeicher überflüssig macht. Hintergrund dieses Ansatzes sind sicherlich die hohen Preise für Arbeitsspeicher, welche den ein oder anderen DIY-Gamer aktuell davon abhalten, sich ein neues System anzuschaffen.
Dieses Phänomen ist aber kein Neues. Bereits bei vorherigen Tests ist aufgefallen, dass die X3D-Prozessoren vom Betrieb mit XMP-Speicher bei 6.000 MT/s und Timings von CL30-36-36-76 weniger profitieren, als dies bei anderen Modellen der Fall ist.
Wir haben aus den Benchmarks die aktuellen Ryzen-9000- und jeweils ein Modell aus der Ryzen-7000-Serie mit und ohne zusätzlichen Cache gegenübergestellt und können uns dabei anschauen, welche Modelle besonders stark von einem schnelleren Arbeitsspeicher profitieren. Dabei sei angemerkt, dass die Ryzen-9000-Prozessoren bereits mit DDR5-5600 CL40 laufen und wir dies mit DDR5-6000 CL30 vergleichen. Für die Ryzen-7000-Prozessoren sind es DDR5-5200 CL40 gegen DDR5-6000 CL30.
| CPU-Modell | Leistungsplus mit schnellem Speicher |
| Ryzen 9 9950X3D (Test) | + 2,6 % |
| Ryzen 7 9850X3D (Test) | + 0,4 % |
| Ryzen 7 9800X3D (Test) | + 0,8 % |
| Ryzen 9 9950X (Test) | + 5,4 % |
| Ryzen 7 9700X (Test) | + 2,4 % |
| Ryzen 5 9600X (Test) | + 4,9 % |
| Ryzen 7 7800X3D (Test) | + 1,5 % |
| Ryzen 7 7700X (Test) | + 8,8 % |
Die Ryzen-9000-Prozessoren profitieren vom schnelleren Speicher mehr, als dies für die Ryzen-9000X3D-Modelle der Fall ist. Deutlich wird dies auch beim Vergleich des Ryzen 7 7700X (+ 8,8 %) mit dem Ryzen 7 7800X3D (+ 1,5 %).
AMD aber vergleicht einen Betrieb mit DDR5-4800 (ohne Angabe der Timings) und führt hier eben das Argument an, dass dieser langsamere Speicher vermutlich günstiger erhältlich ist, als dies für ein Kit DDR5-6000 mit niedrigen Timings der Fall ist.
Ohne Angabe der weiteren technischen Daten oder eine Auflösung gibt AMD ein Plus von 0,2 bis 1,6 % für den Betrieb mit dem schnelleren Speicher an. Von DDR5-5600 CL40 zu DDR5-6000 CL30 sehen wir aber bereits größere Unterschiede.
Morgen werden wir eigene Benchmarks zum Ryzen 7 9850X3D mit DDR5-4800 machen und diese gegen den Einsatz mit schnellerem Arbeitsspeicher vergleichen.
2x 16 GB DDR5-4800 CL40 kosten aktuell ab 390 Euro. Solche mit DDR5-6000 ab CL36 sind bereits ab 360 Euro zu bekommen. Einen preislichen Vorteil der langsameren Kits ist demnach nicht zu erkennen. Widersprüchlich ist AMDs Marketing auch dahingehend, dass in der Vergangenheit und mit Erscheinen der AM5-Plattform durchgängig mit EXPO-Profilen für 6.000 MT/s und niedrigen Timings geworben wurde.
Update: Benchmarks mit 4.800 MT/s und Single-Channel
Wir haben den Ryzen 7 9850X3D mit DDR5-4800 und DDR5-5600 im Single-Channel-Betrieb durch einige synthetische Benchmarks sowie die Gaming-Benchmarks geschickt, um zu untersuchen, welchen Einfluss der Arbeitsspeicher auf die Leistung hat.
Synthetische Benchmarks
AIDA64
Lesedurchsatz
Werbung
AIDA64
Schreibdurchsatz
AIDA64
Kopierdurchsatz
AIDA64
Latenz
Y-Chruncher
nT (500M)
In den synthetischen Benchmarks sind die Unterschiede durch die unterschiedlichen Transferraten schon deutlich, der Single-Channel-Betrieb macht aber noch einmal einen größeren Unterschied. Weitere Anwendungen haben wir nur kurz angetestet. Die Rendering-Benchmarks zeigen keinerlei Unterschied, was auch für viele weitere Compute-Anwendungen gilt. Speicherintensive Anwendungen (wie eben der Y-Cruncher) sind aber von der Speicherbandbreite abhängig und hier zeigen sich eben auch Unterschiede in der Leistung.
Gaming-Benchmarks
Und wie steht es um die Spiele-Leistung?
Anno 1800
720p (sehr hoch)
ARC Raiders
720p (Hoch, DLSS: Qualität, GI: Statisch)
Baldur's Gate 3
720p (Vulkan, Ultra, DLSS: Qualität)
Counter-Strike 2
720p (Sehr hoch)
Cyberpunk 2077
720p (RT: Niedrig, DLSS: Leistung)
F1 2025
720p (Mittel, DLSS: Qualität)
Frostpunk 2
720p (Hoch, DLSS: Qualität)
Marvels Spider-Man: Miles Morales
720p (Sehr hoch, Raytracing. Sehr Hoch, DLSS: Qualität)
Starfield
1080p (Hoch, DLSS: Qualität)
Je nach Spiel können die Auswirkungen mal weniger und mal stärker auffällig sein. Anno 1800 zeigt die größten Ausschläge, aber auch in Marvels Spider-Man: Miles Morales oder ARC Raiders sind diese deutlich. In den meisten Spielen aber sind die Unterschiede gar nicht so groß und liegen deutlich im unteren, einstelligen Prozentbereich.
Ein Ryzen-9000X3D-Prozessor lässt sich durchaus mit nur einem DDR5-Speicherriegel betreiben, ohne dabei auf das Leistungsniveau älterer AM4-Plattformen abzufallen. Dies liegt vor allem daran, dass DDR5 bereits auf Modulebene mit zwei Sub-Kanälen arbeitet. Zwar entstehen je nach Anwendung und Spieltitel durchaus Leistungseinbußen, vor allem für den Single-Channel-Betrieb, doch angesichts der deutlich gestiegenen DDR5-Preise stellt dies eine praktische Alternative dar. Besonders für Nutzer, die von älteren Plattformen wie Intel LGA1151 auf AM5 mit 3D V-Cache wechseln möchten, bietet sich diese Konfiguration als Kompromiss zwischen Leistung und Kosten an. Der Grund liegt darin, dass selbst eine aktuelle AM5-X3D-Plattform mit nur einem Speichermodul immer noch erheblich schneller arbeitet als ältere DDR4-Systeme, da die Prozessor-Generationen einfach zu große Sprünge gemacht haben.
Empfehlungen
Wer noch ein gutes DDR4-System mit 16 oder 32 GB Arbeitsspeicher hat, der sollte sich aufgrund der aktuellen Situation in Geduld üben und muss ja nicht unbedingt wechseln. Wer aber aufgrund eines Defektes oder weil die Anschaffung eines neuen Systems einfach alternativlos ist, nun sofort auf die aktuelle Plattform umsteigen möchte, für den kann der Kauf eines langsameren Kits oder der Single-Channel-Betrieb eine Alternative sein.
Eine Ausnahmesituation kann eben auch seltsame Entscheidungen rechtfertigen. Ein Ryzen 7 9800X3D ist bereits ab 440 Euro zu bekommen, ein gut ausgestattetes Mainboard kostet auch kein Vermögen, nur schlägt dann eben der sonst empfohlene Speicher mit DDR5-6000 CL30 mit mehr als 400 Euro doch eine gewisse Kerbe ins Budget. Man könnte hier nun schlicht sagen: "Na dann spar eben noch einen Monat!" Für denjenigen, der sein Geld für das Gaming-System mühsam beisammenhält, ist dieser sicherlich gut gemeinte Rat aber auch wenig hilfreich.






