Seite 1: Zen und Vega gemeinsam: AMDs Ryzen-APUs blasen zum Angriff

ravenridgeNach dem durchaus erfolgreichen Start der Ryzen-Prozessoren waren sicherlich viele gespannt darauf, was die Kombination aus Zen-Architektur für die Prozessoren und die Vega-Architektur bei den Grafikkarten auf die Beine stellen wird können. Heute nun gibt AMD die ersten technischen Daten bekannt und geht dabei im Besonderen auf den Einsatz in Notebooks ein. Wir schauen uns die ersten technischen Details an.

Der Start der Ryzen-Prozessoren in der Ryzen-7- und -5-Serie darf durchaus als gelungen bezeichnet werden. AMD hat es erstmals seit Jahren in diesem Bereich geschafft, dem Branchenprimus Intel signifikante Marktanteile abzuknöpfen. Mit den Modellen der Ryzen-Threadripper-Serie konnte man Intel sogar im High-End-Segment unter Druck setzen. Intel dürfte den Druck inzwischen spüren und wenngleich die Produktpläne hier nicht komplett umgeworfen wurden, so gab es sicherlich einige Änderungen in Form von einer Beschleunigung. Vor allem aber spüren dies aktuell die Käufer von Prozessoren, sie bekommen mehr Kerne für weniger Geld – der eingeschlafene Markt scheint aufgewacht zu sein.

Nun plant AMD ähnliches bei den Notebooks. Raven Ridge, so der Codename des ersten Prozessors, der die Zen-Architektur für die Prozessorkerne und die Vega-Architektur für die Grafikkerne verwendet, soll es richten. Dabei ist AMD bei den Notebooks aber wesentlich mehr abhängig von den Plattformpartnern, hier also Notebook-Herstellern. Nicht nur der Käufer eines Notebooks muss überzeugt werden, zunächst einmal muss AMD die Hersteller der Notebooks überzeugen.

Bevor wir nun auf die Besonderheiten von Raven Ridge eingehen, noch ein paar Informationen zu den hier zugrunde liegenden Technologien, die wir bereits in der Vergangenheit behandelt haben. Dazu gehört die Zen-Architektur als solches, die wir bereits genauer beschrieben haben. Damit einher gehen auch Informationen über die Fertigung bei Globalfoundries, die gesteigerte Effizienz, die SenseMi-Technologie, der XFR-Boost sowie der Infinity Fabric. Die Vega-Architektur haben wir im Zusammenhang mit der Radeon RX Vega 64 und Radeon RX Vega 56 genauer unter die Lupe genommen.

Durch die Verbesserungen in der Zen- und Vega-Architektur verspricht sich AMD einige Vorteile für die neuen Ryzen-Mobile-Prozessoren, auch im Vergleich zu den eigenen Vorgängern. Durch die um genau 52 % höhere IPC-Leistung soll die CPU-Leistung entsprechend steigen. Die GPU-Leistung macht einen Sprung um 40 % nach oben. Dies alles soll mit einer Reduzierung der Leistungsaufnahme um etwa 50 % möglich sein. AMD bezieht sich bei diesen Zahlen auf den Cinebench R15 nT und den 3DMark Time Spy von Futuremark und nimmt die Mittelwerte aus den beiden neuem Ryzen 7 2700U und Ryzen 5 2500U im Vergleich zum Vorgänger FX-9800P.

Einige der nun folgenden Technologien kennen wir bereits für die Desktop-Version der Zen-Architektur. Im Zusammenspiel mit der Auslegung auf den mobilen Bereich hat AMD aber auch einige Änderungen vorgenommen. Eine davon betrifft den Precision Boost 2, der eine leichte Überarbeitung erfahren hat. Mehr Spielraum bei Takt und Spannung sowie das schnellere und feinkörnigere Auflösen verschiedener Werte kann helfen die Leistung zu steigern oder Strom einzusparen.

Precision Boost 2 soll über einen neuen Algorithmus den Takt noch besser auf die aktuellen Bedürfnisse anpassen können. Eine Entscheidung zwischen 2-Core-Boost und All-Core-Boost gibt es nicht mehr, da ohnehin derzeit maximal vier Kerne zum Einsatz kommen. Die Genauigkeit der Taktsprünge bleibt mit 25 MHz erhalten, allerdings soll der Prozessor besser und mit einem höheren Takt auf Real-World-Szenarien reagieren können.

Gibt die Kühlung des Notebooks es her, bietet die Extended Frequency Range (XFR) ein zusätzliches Potenzial für eine Taktsteigerung. Selbst nach einer fünfminütigen Dauerlast in Cinebench R15 im nT-Test sollen damit um bis zu 23 % höhere Ergebnisse möglich sein. In wieweit sich dies auf echte Anwendungen und nicht nur auf Benchmarks auswirkt, bleibt abzuwarten. Für XFR sind wie bei den Ryzen-Desktop-Prozessoren aber gewisse Voraussetzungen zu erfüllen. Diese betreffen vor allem die Kühlung des Notebooks.

Hinsichtlich der Prozessor-Leistung sieht sich AMD gegen den Konkurrenten Intel ganz gut aufgestellt und präsentiert einige Vergleichswerte des Ryzen 7 2700U und Ryzen 5 2500U mit dem Core i7-8550U und dem eigenen Vorgänger FX-9800P. In wieweit diese Werte sich auch auf unabhängige Tests übertragen lassen, bleibt aber auch hier noch abzuwarten.

Während AMD bei den Prozessoren also zu Intel aufgeschlossen haben will, sieht man sich bei den integrierten Grafikeinheiten besser aufgestellt und weit vor der Konkurrenz. Bisheriges Hauptproblem soll in der Vergangenheit der Flaschenhals bei der CPU-Komponente gewesen sein. Die integrierten Grafikeinheiten seien auch in der Vergangenheit schnell genug gewesen. Mit dem Einsatz der Zen-Architektur soll dieser Flaschenhals beseitigt worden sein. Zusätzlich biete die Vega-Architektur ein weiteres Leistungsplus.

Mit den Raven-Ridge-APUs soll eine Leistung auf Niveau der aktuellen Konsolen erreicht werden. Gleichzeitig soll Raven Ridge eine niedrige Leistungsaufnahme bieten. Die Option, FreeSync 2 einzusetzen, sei ein weiterer Faktor, der für AMD spreche.

Raven Ridge soll zudem die Basis für die zukünftige Entwicklung sein. AMD sieht sich auf dem Weg nicht nur ein Gaming in 1080p über eine APU möglich zu machen, sondern will über die nächsten Jahre auf höhere Auflösungen, also zum Beispiel 2.560 x 1.440 Pixel, abzielen.