Seite 1: Radeon RX 6950 XT, 6750 XT und 6650 XT: AMDs teurer Navi-Refresh im Test

radeon-6x50-refreshBereits seit Monaten wird über einen möglichen Navi-Refresh gesprochen – heute ist es soweit. AMD stellt mit der Radeon RX 6950 XT, Radeon RX 6750 XT und Radeon RX 6650 XT gleich drei neue Modelle vor, die sich durch leichte Unterschiede im GPU- und Speichertakt sowie durch ein höheres Power-Limit von den Vorgängern unterscheiden. Bis zur nächsten Radeon-Generation alias der Navi-3x-Serie sollen diese Modelle den Markt auffrischen und dem Konkurrenten NVIDIA Beine machen. Ob dies gelingen wird, schauen wir uns auf den kommenden Seiten an.

Gleich fünf Modelle standen uns von drei Herstellern zur Verfügung. Von der Radeon RX 6950 XT haben wir die Sapphire Nitro+ Radeon RX 6950 XT Pure Gaming OC im Test. Ebenfalls nur einmal mit dabei, ist die Gigabyte Radeon RX 6750 XT Gaming OC. Von der preislich für die meisten wohl attraktivsten Radeon RX 6650 XT haben wir uns gleich drei Modelle angeschaut: Die ASUS ROG Strix Radeon RX 6650 XT OC Gaming, die Gigabyte Radeon RX 6650 XT Gaming OC und die Sapphire Nitro+ Radeon RX 6650 XT Gaming OC.

AMD Radeon-RX-6x50-Update Teaser

Die jeweiligen Referenzmodelle von AMD, die es auch geben wird, sind wie die Radeon RX 6800 XT Midnight Black komplett in Schwarz gehalten bzw. verzichten auf die silbernfarbenen Elemente am Kühler. Zu den diesen Referenzmodellen gehören auch die Preisangaben, die nun folgen werden. Die Partnerkarten sind unterschiedlich positioniert – teilweise im High-End-Segment, teilweise als Einsteigervariante. Dazu kommen wir aber dann innerhalb der Betrachtung der einzelnen Modelle.

Bevor wir uns die Karten im Einzelnen anschauen, vergleichen wir das Radeon-RX-6x50-Update mit den bisher verfügbaren Karten.

AMD Radeon RX 6950 XT im Vergleich:

AMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6950 XTAMD Radeon RX 6950 XTAMD Radeon RX 6950 XT
Gegenüberstellung der Karten
 Radeon RX 6900 XTRadeon RX 6950 XT
GPUNavi 21Navi 21
Transistoren26,8 Milliarden
26,8 Milliarden
Fertigung7 nm7 nm
Chipgröße519,8 mm²
519,8 mm²
Compute Units8080
Shadereinheiten5.1205.120
RT-Beschleuniger8080
Game-Takt2.015 MHz2.100 MHz
Boost-Takt2.250 MHz2.310 MHz
Infinity Cache128 MB128 MB
IC-Bandbreite1.986,56 GB/s1.986,56 GB/s
Speicherkapazität16 GB16 GB
SpeichertypGDDR6GDDR6
Speicherinterface256 Bit
256 Bit
Speichertakt2.000 MHz2.250 MHz
Speicherbandbreite512 GB/s
576 GB/s
PCIe-InterfacePCIe 4.0 x16PCIe 4.0 x16
TBP300 W335 W
Preis999 Euro1.239 Euro

Genau wie bei den folgenden Karten kommt auch bei der Radeon RX 6950 XT die gleiche GPU zum Einsatz, wie beim Non-Refresh-Modell. Im Ausbau der Compute Units und daran anknüpfend der Shadereinheiten und Raytracing-Beschleuniger, tut sich also nichts. Dafür aber gibt es durch die Bank ein Taktplus. Bei der Radeon RX 6950 XT für den Game-Takt von 2.015 auf 2.100 MHz und für den Boost-Takt, der möglicherweise aber nur kurzzeitig gehalten werden kann, von 2.250 auf 2.310 MHz.

Auch der Speicherausbau sowie das Speicherinterface bleiben mit 16 GB bzw. 256 Bit unangetastet, dafür gibt es einen höheren Speichertakt. Dieser steigt von 2.000 auf 2.250 MHz und dies bedeutet eine von 512 auf 576 GB/s angepasste Speicherbandbreite.

Der Takt des Infinity Fabric wird bei der Radeon RX 6950 XT von bisher maximal 1.940 MHz auf nun 2.050 MHz erhöht. Somit steigt auch die Bandbreite des Interconnects. Bei der Radeon RX 6750 XT und Radeon 6650 XT bleibt diese Taktdomäne unangetastet.

Gegenüberstellung der Navi-GPUs
  IC-Kapazität Kanäle IF-Takt IF-Bandbreite
Navi 21 Refresh 128 MB 16 2.050 MHz 2.099,2 GB/s
Navi 21 128 MB 16 1.940 MHz 1.986,56 GB/s
Navi 22 96 MB 12 1.940 MHz 1.489,92 GB/s
Navi 23 32 MB 4 1.800 MHz 460,8 GB/s
Navi 24 16 MB 2 1.800 MHz 230,4 GB/s

Die Total Board Power (TBP) macht aufgrund der Taktsteigerungen allerdings auch einen Sprung. Anstatt wie bisher 300 W verbrauchen die neuen Karten nun 335 W – im Falle der Custom-Modelle sogar noch mehr. Ein Plus gibt es auch beim Preis. AMDs offizielle Preisempfehlung beläuft sich bei der Radeon RX 6950 XT auf 1.239 Euro.

AMD Radeon RX 6750 XT im Vergleich:

AMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6950 XTAMD Radeon RX 6950 XTAMD Radeon RX 6950 XT
Gegenüberstellung der Karten
 Radeon RX 6700 XTRadeon RX 6750 XT
GPUNavi 22Navi 22
Transistoren17,2 Milliarden
17,2 Milliarden
Fertigung7 nm7 nm
Chipgröße336 mm²
336 mm²
Compute Units4040
Shadereinheiten2.5602.560
RT-Beschleuniger4040
Game-Takt2.424 MHz
2.495 MHz
Boost-Takt2.581 MHz
2.600 MHz
Infinity Cache96 MB96 MB
IC-Bandbreite1.489,92 GB/s1.489,92 GB/s
Speicherkapazität12 GB12 GB
SpeichertypGDDR6GDDR6
Speicherinterface192 Bit192 Bit
Speichertakt2.000 MHz2.250 MHz
Speicherbandbreite384 GB/s432 GB/s
PCIe-InterfacePCIe 4.0 x16PCIe 4.0 x16
TBP230 W250 W
Preis479 Euro619 Euro

Die GPU (Navi 22) ist auch bei der Radeon RX 6750 XT identisch zum Vorgänger-Modell – Das Schema ist inzwischen offensichtlich. Somit gibt es auch hier keinerlei Unterschiede in der Anzahl der Funktionseinheiten, wohl aber im Takt. Der Game-Takt wird von 2.424 auf 2.495 MHz angehoben, beim Boost-Takt geht es von 2.581 auf 2.600 MHz, sodass zumindest Falle des Boost-Taktes von einer moderaten Steigerung gesprochen werden kann.

Der Hauptunterschied ist auch hier im Speicher zu finden. Der Ausbau ist mit 12 GB identisch, ebenso wie die Anbindung über ein 192 Bit breites Interface. Der Takt aber wird von 2.000 auf 2.250 MHz angehoben und somit steigt die Speicherbandbreite von 384 auf 432 GB/s. Auch hier hebt AMD die Total Board Power von 230 auf 250 W an.

Ein "Update" gibt es allerdings auch beim Preis – prozentual sogar ein großes. Kostete die Radeon RX 6700 XT mit ihrer Einführung 479 Euro, sollen für die Radeon RX 6750 XT 619 Euro fällig werden.

AMD Radeon RX 6650 XT im Vergleich:

AMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6650 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6750 XTAMD Radeon RX 6950 XTAMD Radeon RX 6950 XTAMD Radeon RX 6950 XT
Gegenüberstellung der Karten
 Radeon RX 6600 XTRadeon RX 6650 XT
GPUNavi 23Navi 23
Transistoren11,06 Milliarden
11,06 Milliarden
Fertigung7 nm7 nm
Chipgröße237 mm²
237 mm²
Compute Units3232
Shadereinheiten2.0482.048
RT-Beschleuniger3232
Game-Takt2.359 MHz
2.410 MHz
Boost-Takt2.538 MHz
2.635 MHz
Infinity Cache32 MB32 MB
IC-Bandbreite921,6 GB/s921,6 GB/s
Speicherkapazität8 GB8 GB
SpeichertypGDDR6GDDR6
Speicherinterface128 Bit128 Bit
Speichertakt2.000 MHz2.190 MHz
Speicherbandbreite256 GB/s280,3 GB/s
PCIe-InterfacePCIe 4.0 x8PCIe 4.0 x8
TBP175 W180 W
Preis379 Euro449 Euro

Eigentlich hätte die Navi-23-GPU die kleinste Desktop-Einführung dieser Generation sein sollen. Doch dann kam die Radeon RX 6500 XT mit der Navi-24-GPU. Die Radeon RX 6650 XT verwendet allerdings die Navi-23-GPU, die im Vergleich zum Vorgänger hinsichtlich des Ausbaus unangetastet bleibt. Aber auch hier gibt es ein Taktplus. Der Game-Takt steigt von 2.359 auf 2.410 MHz an. Der Boost-Takt macht einen kleinen Sprung von 2.538 auf 2.635 MHz.

Also konzentrieren wir uns auch hier auf den Speicher. Die 8 GB GDDR6 takteten bisher mit 2.000 MHz, nun sind es 2.190 MHz. An einem 128 Bit breiten Speicherinterface steigt die Speicherbandbreite von 256 auf 280,3 GB/s. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Radeon RX 6650 XT genau wie ihr Vorgänger nur acht PCI-Express-Lanes verwendet.

Der Preis der Radeon RX 6650 XT liegt bei 449 Euro – 70 Euro mehr als für die Radeon RX 6600 XT verlangt wurde.

Die Custom-Modelle im Vergleich:

Bevor wir uns die ersten Modelle der Refresh-Serie anschauen, wollen wir die drei Varianten der Radeon RX 6650 XT hinsichtlich ihrer Taktraten gegenüberstelle. Zudem vergleichen wir hier die Taktraten der MBA-Modelle (Made by AMD), also der Referenzversionen, gegen die Custom-Modelle.

Gegenüberstellung des Taktes
Modell Game- / Boost-Takt TGP
ASUS ROG Strix Radeon RX 6600 XT OC Gaming 2.428 / 2.607 MHz 145 W
AMD Radeon RX 6650 XT (MBA) 2.410 / 2.635 MHz -
ASUS ROG Strix Radeon RX 6650 XT OC Gaming 2.523 / 2.694 MHz 164 W
Gigabyte Radeon RX 6650 XT Gaming OC
2.523 / 2.694 MHz 164 W
Sapphire Nitro+ Radeon RX 6650 XT Gaming OC 2.523 / 2.694 MHz 164 W
AMD Radeon RX 6700 XT (MBA) 2.424 / 2.581 MHz 186 W
AMD Radeon RX 6750 XT (MBA) 2.495 / 2.600 MHz -
Gigabyte Radeon RX 6750 XT Gaming OC 2.533 / 2.623 MHz 220 W
AMD Radeon RX 6900 XT (MBA) 2.015 / 2.250 MHz 255 W
AMD Radeon RX 6950 XT (MBA) 2.100 / 2.310 MHz -
Sapphire Nitro+ Radeon RX 6950 XT Pure Gaming OC 2.162 / 2.368 MHz 303 W

Die höheren Taktraten der Refresh-Modelle sowie der Custom-Versionen sind nur eine Randnotiz. Worauf wir hier eigentlichen schauen wollen, ist die gestiegene Leistungsaufnahme der Karten. Hier vergleichen wir vor allem die TGP (Total Graphics Power) der GPU, da wir die TDP der gesamten Karten nicht immer kennen.

Die ROG Strix Radeon RX 6600 XT OC Gaming kam auf ein Power-Limit von 145 W und war damit eines der schnellsten Modelle der Radeon RX 6600 XT. Alle Varianten der Radeon RX 6650 XT kommen nun auf 164 W und verbrauchen somit alleine über die GPU gut 20 W mehr. Eine Radeon RX 6700 XT brachte es auf 186 W, die Gigabyte Radeon RX 6750 XT Gaming OC nun auf 220 W – immerhin 34 W an Mehrverbrauch. Ein ähnliches Bild auch bei der Radeon RX 6900 XT, die auf 255 W gekommen ist. In Form der Sapphire Nitro+ Radeon RX 6950 XT Pure Gaming OC lesen wir 303 W aus. Ein deutliches Plus von fast 50 W.

Natürlich muss man sich hier auch immer vor Augen führen, ob man ein MBA-Design gegen ein Custom-Modell vergleicht oder nicht. Der RDNA-2-Refresh zeigt ganz deutlich, dass auch AMD nicht zaubern kann. Natürlich "übertreibt" man es noch nicht wie NVIDIA mit einem Power-Limit von 450+ W, aber es gibt auch hier eine gewisse Tendenz, die sich aller Vermutung nach in der nächsten Generation so fortsetzen wird. Einen kleinen Seitenhieb hat die Marketing-Abteilung dennoch zu verteilen:

"Radeon Graphics und die AMD RDNA 2-Architektur sorgen weiterhin für hohe Leistung und Energieeffizienz. Konkurrenzprodukte stoßen derweil an die Grenzen typischer Systemnetzteile, was sich für den Endbenutzer in höheren Stromkosten, lauteren Lüftergeräuschen, einer höheren Wärmeabgabe an das System und der potenziellen Notwendigkeit, das Netzteil insgesamt aufzurüsten, niederschlagen kann."

Na wenn da mal nicht mit einer Retourkutsche zu rechnen ist ;)