Seite 1: Das be quiet!-Flaggschiff Dark Base Pro 900 im Test

be quiet! Dark Base Pro 900

Normalerweise sind Flaggschiff-Gehäuse regelrechte Kolosse - sie sollen schließlich auch extremste PC-Systeme aufnehmen können. Doch be quiet! hat für sein Top-Modell Dark Base 900 einen anderen Weg gewählt: Trotz enormer Möglichkeiten soll es nicht viel größer als ein typischer Midi-Tower sein. Möglich macht das ein extrem anpassbarer Innenraum. Das Enthusiasten-Case trumpft aber auch mit Premium-Materialien, hochwertigen be quiet!-Lüftern und so manchem besonderen Feature auf. Doch reicht das aus, um sich gegen die Top-Modelle der Konkurrenz durchzusetzen?

be quiet! ist recht spät in das Gehäusesegment eingestiegen. Es ist noch nicht einmal zwei Jahre her, dass wir mit dem Silent Base 800 das erste be quiet!-Gehäuse testen konnten. 2015 folgte dann mit dem Silent Base 600 eine etwas günstigere und kompaktere Alternative. Beide Modelle sind als vielseitige Midi-Tower mit dezent-wertiger Optik und geringer Lautstärke ausgelegt und in der Mittelklasse zu Hause. Mit dem Dark Base 900 kommt jetzt ein drittes Gehäuse dazu. Schon der Produktname macht dabei deutlich, dass das Dark Base 900 aus einem anderen Holz geschnitzt ist als die beiden Silent Base-Modelle. Und tatsächlich soll sich das Dark Base 900 allein an die Spitze der be quiet!-Gehäuse setzen. 

Vergleicht man die Maße des Flaggschiffs mit denen des Silent Base 800, ist der Unterschied überschaubar. Die 242,7 x 585,5 x 577,2 mm (B x H x T) des Dark Base 900 treffen auf die 266 x 559 x 495 mm (B x H x T) des Silent Base 800. Das neue Modell legt nur in der Tiefe wirklich deutlich zu. Auch im Vergleich zu anderen Midi-Towern ist das Dark Base 900 zwar groß, fällt mit seinen Maßen aber nicht völlig aus dem Rahmen. Doch be quiet! kann es trotzdem für E-ATX- und XL-ATX-Mainboards, eine beachtliche Zahl an Laufwerken und ein statttliches Kühlsystem freigeben. Möglich wird das durch die extreme Modularität des Gehäuses. Der Nutzer kann das Gehäuse so aufbauen, wie es am besten zum jeweiligen System passt. So hat jedes 3,5-Zoll-Laufwerk seinen eigenen, modularen Käfig und der Mainboardtray kann entnommen, als Benchtable genutzt, in unterschiedlichen Höhen angebracht oder auch auf der gegenüberliegenden Seite montiert werden. Selbst äußerlich ist das Dark Base 900 flexibel. So lässt sich das Echtglas-Window auf beiden Seiten montieren und der Anschlag der Fronttür kann angepasst werden.

Die extreme Modularität ist klar das herausragende Alleinstellungsmerkmal des Dark Base 900. Doch be quiet! hat es nicht dabei belassen, das Gehäuse nur besonders flexibel zu gestalten. Obwohl im Kern ein Stahlgehäuse, zeigt es sich äußerlich wertig mit Aluminiumpanelen und einem riesigen Echtglas-Sichtfenster. Dazu kommt eine lange Liste bemerkenswerter Features. Als Silent-Spezialist hat be quiet! auch das Dark Base 900 auf einen leisen Betrieb hin optimiert. Im schallgedämmten Gehäuse arbeiten ab Werk gleich drei der neuen SilentWings 3-Lüfter. Eine Lüftersteuerung wird genauso integriert wie eine Taste, mit der die Farbe von zwei LED-Streifen gewechselt werden kann. Und im Deckel wurde sogar noch ein Qi-Ladegerät integriert, mit dem geeignete Mobilgeräte drahtlos geladen werden können.

be quiet! bietet das Dark Base 900 in zwei Versionen an. Komplettausstattung bietet die von uns getestete Pro-Variante. Bei der einfacheren Standardversion muss man ohne Windowseitenteil (das soll aber optional angeboten werden) auskommen und auf die LED-Streifen sowie das Qi-Ladegerät verzichten. Zudem fällt die Lüftersteuerung etwas einfacher aus und unterstützt nur je drei PWM- und 3-Pin-Lüfter und einen Regelmodus. Dafür spart man aber auch 50 Euro und zahlt nur noch eine UVP von 199 Euro statt der 249 Euro, die für die Pro-Variante fällig werden. Letztlich liegt der Preis durchaus in dem Bereich, in dem auch andere Hersteller ihre besten Stahlgehäuse positionieren - mit dem Unterschied, dass das Dark Base 900 zum Teil auch aus wertigeren Materialien besteht.  

be quiet! Dark Base Pro 900

Schon beim Lieferumfang setzt be quiet! ein Ausrufezeichen. Neben dem Montagematerial und dem umfangreichen Handbuch liegt noch einiges an Zubehör bei. Anstelle von einfachen Kabelbindern spendiert be quiet! sechs praktische und wiederverwendbare Klettverschlüsse. Dazu kommen eine Blende für die Montage von Wasserpumpen, eine Blende für die Montage eines dritten Frontlüfters, eine Ersatz-Gummiummantelung für das Kabelmanagement und schließlich bei der Pro-Variante noch zwei mehrfarbige LED-Streifen. 

Bevor wir mit dem eigentlichen Test beginnen, hier die Eckdaten des Gehäuses in tabellarischer Form:

Eckdaten: be quiet! Dark Base Pro 900
Bezeichnung: be quiet! Dark Base Pro 900
Material: Stahl (0,8 - 1 mm SECC), Aluminium (0,8 mm), ABS-Kunststoff, nur beim Pro: gehärtetes Glas (4 mm)
Maße: 242,7 x 585,5 x 577,2 mm (B x H x T)
Formfaktor: E-ATX, XL-ATX, ATX, Micro-ATX, Mini-ITX
Laufwerke: 2x 5,25 Zoll, 7x 3,5 Zoll (intern), 15x 2,5 Zoll (intern, je zwei in einem 3,5-Zoll-Käfig, 1x am Tray)
Lüfter: 3x 140 mm (Front, 2x vorinstalliert, einer optional anstelle des ODD-Käfigs), 1x 140 mm (Rückwand, vorinstalliert), 4x 120/3x 140/1x 180 mm (Deckel, optional), 2x 120/140 mm (Boden, optional), 2x 120 mm (Stahlseitenteil, optional bei Nutzung des Stahlseitenteils hin zur Mainboardkammer)
Gewicht: etwa 14 kg
Preis: 249 Euro (UVP für die Pro-Variante, UVP Standardvariante: 199 Euro)