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Mit bis zu 86 Kernen

Intel stellt Xeon-600-Serie für Workstations vor

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Intel stellt Xeon-600-Serie für Workstations vor
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Nach vielen Gerüchten in den vergangenen Wochen und Monaten ist es nun endlich so weit und Intel stellt die nächste Workstation-Generation alias Xeon 600 vor. Diese basiert auf dem Granite-Rapids-Design oder besser gesagt: Granite Rapids-WS. Als Xeon 6 sind diese in vier Serien mit Performance- und Efficiency-Kernen für die Server bereits seit einiger Zeit erhältlich. Erste offizielle Details gab es im Juni 2024, Anfang 2025 haben wir dann die vollständige Übersicht der Modellvarianten erhalten.

Mit der Xeon-600-Serie ersetzt Intel die bisher verfügbaren Xeon-W-3400/3500- und Xeon-W-2500-Prozessoren. Diese basierten allerdings noch auf dem Sapphire-Rapids-Design und wurden genau wie die Server-Varianten erst mit starker Verzögerung vorgestellt. In Form des Xeon W9-3495X hatten wir damals auch das High-End-Modell im Test, den Refresh, ebenfalls auf Basis von Sapphire Rapids versteckte Intel aber weitestgehend und so gab es auch keinen Test bei uns.

Den Workstation-Markt ignorierte Intel nicht komplett, man überließ ihn aber quasi AMD und den Threadripper-Prozessoren. Intel hatte seinem Konkurrenten auch wenig entgegenzusetzen. AMD bot mehr Kerne, die neueren Kerne und die besser ausgestattete Plattform. Allerdings war auch bei AMD zu erkennen, dass man das High-End-Desktop-Segment (HEDT) eigentlich nicht mehr bedient. Die Desktop-Prozessoren bieten schon 16 und mehr Kerne, und so fehlt in gewisser Weise auch die Notwendigkeit nach den guten alten HEDT-Prozessoren. Dies wurde zuletzt auch einmal mehr deutlich, als wir uns die Ryzen-Threadripper-9000-Prozessoren mit 32 und 64 Kernen angeschaut haben.

Nun aber zurück zu Intel und der Vorstellung der Xeon-600-Serie, mit der Intel auch wieder einmal eine Neubenennung vornimmt.

Die Xeon-600-Serie verwendet auf Basis von Granite Rapids auch die Redwood-Cove-Mikroarchitektur. An dieser Stelle sollte man sich vor Augen führen, dass diese mit Meteor Lake auf dem Desktop eingeführt wurde. Im Endkundenbereich sind wir mit Raptor Cove, Lion Cove und Cougar Cove schon einige Iterationen weiter. Allerdings verfolgt das Server- und Workstation-Segment auch einen anderen Ansatz bzw. hat andere Voraussetzungen an das komplette CPU-Design. 

Markant ist primär die Vergrößerung des L2-Caches von 1,875 auf 2 MB für jeden Kern. Zum Start von Meteor Lake ließ Intel verlauten, dass die IPC-Leistung im Vergleich zu Golden Cove fast identisch sein soll. Zu Redwood Cove gegenüber Raptor Cove als direkten Vorgänger der Xeon-Mikroarchitektur haben wir keinerlei Angaben. Ein großes IPC-Leistungsplus ist hier aber nicht zu erwarten.

Eine hohe AVX-512-Leistung sowie die Unterstützung von AMX mit INT8 und FP16 sollen die Xeon-600-Serie aber zu einem echten Powerhorse für das Computing von Workstation-Workloads machen.

86 Kerne, 128 PCIe-5.0-Lanes und acht Speicherkanäle

Ein Workstation-Prozessor ist aber auch immer von seiner Plattform abhängig, und hier will Intel nun wieder mit AMD gleichziehen können. Mit 128 PCIe-5.0-Lanes und acht Speicherkanälen zieht die Xeon-600-Serie mit der Pro-Serie der aktuellen Threadripper-9000-Prozessoren gleich. Den 86 Kernen von Intel stehen 96 bei AMD gegenüber.

Beim Speicher sei noch erwähnt, dass AMD DDR5-6400 unterstützt, was auch bei Intel die Standardbestückung darstellen sollte. Aber die höherwertigen Modelle werden auch MRDIMMs mit bis zu 8.000 MT/s unterstützen, was Intel einen gewissen Vorteil bei der Speicherbandbreite verschaffen soll. Im Gegensatz zu AMDs aktueller Threadripper-Plattform sollen die neuen Xeon-Prozessoren in der Lage sein, zwei Speichermodule pro Kanal anzusprechen.

Für die Xeon-600-Serie werden die Mainboardhersteller entsprechende Platinen mit W890-Chipsatz anbieten. Diese nehmen die Prozessoren im LGA4710 auf, wie wir ihn auch von den kleineren Xeon-6-Serien kennen. Es wird allerdings nicht möglich sein, einen Xeon-6-Serverprozessor in einem W890-Mainboard zu betreiben, und die Workstation-Prozessoren werden nicht in den schon vorhandenen Servermainboards laufen.

Der W890-Chipsatz bietet über die Mainboards die Umsetzung von Wi-Fi 7, einem 2.5GbE (hier werden die Mainboardhersteller sicherlich auch eine zusätzliche 10GbE-Option anbieten) sowie zahlreiche USB- und SATA-Anschlüsse und zusätzliche PCIe-4.0-Lanes.

Das Packaging ist bekannt

Der Aufbau der Prozessoren der Xeon-600-Serie ist mit den Servermodellen identisch. Intel setzt hier auf in Intel 3 gefertigte Compute-Tiles mit den CPU-Kernen sowie zwei I/O-Tiles aus der Intel-7-Fertigung. Die Verbindung der Tiles erfolgt per EMIB.

Die Varianten mit mehr als 48 Kernen setzen auf zwei XCC-Compute-Tiles (Extreme Core Count). Theoretisch besitzen diese 44 Kerne, von denen aber maximal nur 43 aktiv sind. Bei zwei dieser Tiles kommen wir eben auf 86 Kerne. Das heterogene Design hat natürlich auch Nachteile, wie zum Beispiel zwei NUMA-Domänen und einen gewissen Latenz-Nachteil zwischen den Kernen auf den verschiedenen Tiles.

Für 18 bis 48 Kernen kommt der HCC-Compute-Tile (High Core Count) zum Einsatz. Es handelt sich dabei also um ein auf die Kerne bezogenes monolithisches Design. Die kleineren Prozessoren bedient Intel mit dem LCC-Compute-Tile (Low Core Count). Hier sind zudem nur noch vier der acht Speicherkanäle aktiv und die Anzahl der PCI-Express-Lanes reduziert sich von 128 auf 80.

12 bis 86 Kerne in den verschiedenen Varianten

Über die verschiedenen Modellvarianten hinweg bietet die Xeon-600-Serie 12 bis 86 Kerne. Der L3-Cache kann auf bis zu 336 MB anwachsen, was aber nur für die Modelle mit zwei XCC-Compute-Tiles gilt. Nur die schnellsten Modelle unterstützen beispielsweise auch MRDIMMs mit bis zu 8.000 MT/s, aber laut Intel macht dies auch nur für die Prozessoren mit einer gewissen Kernanzahl Sinn bzw. nur diese benötigen die höhere Speicherbandbreite.

Mit 16 Kernen und weniger unterstützen die Prozessoren nur noch vier Speicherkanäle und in dieser Abstufung auch nur noch 80 PCI-Express-Lanes. Die Preise starten bei 499 US-Dollar für 12 Kerne und gehen bis 7.699 US-Dollar für das High-End-Modell mit 86 Kernen. Preislich aber darf man dies durchaus als Angriff auf AMDs Ryzen-Threadripper-9000-Prozessoren verstehen, denn hier kostet das Pro-Modell mit 96 Kernen weit über 10.000 Euro.

Den Xeon 696X, 678X, 676X, 658X und 654 wird es als Boxed-Variante geben. Ein Kühler liegt hier nicht bei, allerdings der Carrier, der die Montage des Kühlers erleichtert bzw. den Prozessor direkt mit dem Kühler verbindet und diese beiden Komponenten gemeinsam in den CPU-Sockel einsetzen lässt.

Die X-Modelle sind zudem sogenannte Unlocked-Prozessoren. Mit diesen ist also ein Overclocking möglich, wenngleich wir die schon besprochene HEDT-Problematik bereits angesprochen haben. Workstation-Nutzer, welche neben der Leistung auch auf eine Stabilität ihres Systems angewiesen sind, dürften auf die OC-Funktionen weitestgehend verzichten.

In den von Intel gezeigten Leistungsvergleichen ist auffällig, dass Intel den direkten Vergleich mit AMD scheut. Stattdessen vergleicht man gegen den eigenen Vorgänger.

Erscheinungstermin und unabhängige Tests noch unbekannt

Ab wann die Hardware in Form der Prozessoren, Mainboards aber auch die Komplettsysteme verfügbar sein werden, ist uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht bekannt. Wir hoffen aber euch einen Vergleich zu den Ryzen-Threadripper-9000-Prozessoren bieten zu können.

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