Seite 1: AMD Radeon RX Vega: Beide Modelle in der Redaktion eingetroffen

Für AMD sind heiße Zeiten angebrochen. Nachdem man am Donnerstag seine ersten Threadripper-Prozessoren in die Läden schickte und Intel damit nach etlichen Monaten der Durststrecke endlich wieder richtig Paroli bieten kann, soll dies ab kommenden Montag auch im Grafikkarten-Bereich gegen NVIDIA passieren. Dann werden mit der AMD Radeon RX Vega 64 und der Radeon RX Vega 56 zwei neue High-End-Modelle erscheinen, welche es mit den teureren Pascal-Modellen der High-End-Klasse aufnehmen sollen.

Ob das gelingt, werden wir zwar erst am kommenden Montag klären, dürfen unseren Lesern jedoch schon einmal die ersten Bilder der beiden Retail-Grafikkarten aufzeigen und sie einmal vorstellen. Entgegen unserer Erwartungen versorgte uns AMD für unseren baldigenTest nicht nur mit der Radeon RX Vega 64, sondern auch mit dem kleineren Schwestermodell – die Radeon RX Vega 56 sollte unseren Informationen eigentlich erst ein paar Tage später folgen. Nun aber sind beide Modelle in der Hardwareluxx-Redaktion eingetroffen. Ob sie beide am Montag tatsächlich auch verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten.

Für unseren Test versorgte uns AMD jeweils mit der normalen, luftgekühlten Variante. Die AMD Radeon RX Vega 64 wird es auch in einer limitierten Version mit silbernem Kühlsystem und in einer Variante mit All-In-One-Wasserkühler geben, die dann auch gleich ein höheres Power-Target für höhere Taktraten und damit eine schnellere Bildausgabe mit sich bringen wird.

Optisch sind die Radeon RX Vega 64 und Vega 56 auf den ersten Blick nicht zu unterschieden – lediglich ein Aufkleber auf der Unterseite kennzeichnet die beiden Grafikkarten. Beide verfügen über den schwarzen Referenzkühler, welcher mit einer geriffelten Oberfläche und zwei Radeon-Logos auf der Ober- und Stirnseite versehen wurde. Unter der schwarzen Plastik-Abdeckung gibt es massiv Kupfer sowie eine Vapor-Chamber und ein Radiallüfter.

Gleiche Optik, unterschiedlicher Ausbau

Während es die Radeon RX Vega 64 wie ihr Name schon vermuten lässt auf 64 sogenannte Next-Generation-Compute-Units bringt, muss die kleinere Radeon RX Vega 56 mit derer 56 auskommen. In der Praxis bedeutet dies 4.096 und 3.584 Shadereinheiten sowie 256 respektive 224 TMUs. Unterschiede gibt es außerdem bei der Taktung, welche AMD so Ende Juli im Rahmen der Siggraph 2017 veröffentlicht hatte. Demnach soll es das Topmodell in unserer luftgekühlten Version auf einen Basis- und Boost-Takt von 1.247 bzw. 1.546 MHz bringen. Die kleinere Variante soll sich hingegen mit 1.156 bzw. 1.471 MHz ein klein wenig langsamer ans Werk machen. Für die wassergekühlte Variante, für die AMD einen Aufpreis von 200 US-Dollar verlangt, sieht man hingegen Frequenzen von 1.406 bis 1.677 MHz vor.

Beim Speicherausbau gibt es zwischen allen Modellen keinerlei Unterschiede. Alle drei Vega-Grafikkarten können auf zwei HBM2-Speicherstacks mit jeweils 4 GB und einem 2.048 Bit breiten Speicherinterface zurückgreifen. Bei einem spezifizierten Takt von 945 MHz kommt das Topmodell somit auf eine Speicherbandbreite von satten 484 GB/s. Die Radeon RX Vega 56 ist hier mit 800 MHz etwas langsamer, womit sich die Bandbreite auf rund 410 GB/s reduziert. Die Anzahl der ROPs ist aufgrund des identischen Speicherinterfaces bei allen Modellen mit 64 Rasterendstufen identisch.

Mit Strom versorgt werden beide Testkarten – wie man auf unseren Bildern sehen kann – über zwei zusätzliche 8-Pin-PCI-Express-Stromstecker. Direkt über den beiden Buchsen hat AMD eine Reihe von LEDs untergebracht, die die aktuelle Auslastung der Grafikkarte anzeigen. Per Dippschalter auf der Oberseite lassen sich diese auf Blau umstellen oder gar komplett abstellen. Rot beleuchtet ist im Betrieb außerdem das Radeon-Logo auf der Stirnseite der Grafikkarte. Einen BIOS-Umschalter gibt es ebenfalls.

Auf der Slotblende hat AMD mit Vega den DVI-Port bei seiner Referenzplatine ausgespart und setzt auf drei DisplayPort-Ausgänge sowie einen HDMI-Ausgang, während die obere Hälfte der Slotblende zur Durchlüftung der Grafikkarte mit einigen Lüftungsschlitzen versehen ist. Ähnlich ist auch NVIDIA bei seiner GeForce GTX 1080 Ti verfahren.

Alle technischen Leistungsdaten von Vega, die AMD so Ende Juli veröffentlicht hatte, haben wir auf der zweiten Seite dieses Beitrags noch einmal ausführlich in einer Tabelle festgehalten.

Viele Dreingaben für den Tester

Während uns die Radeon RX Vega 56 lediglich zwischen mehreren Antistatik-Folien versteckt nachgeliefert wurde, befand sich unser anderes Testmuster in einer schicken Umverpackung, die mit allerlei zusätzlichen Dreingaben versehen wurde. Neben der Grafikkarte selbst, welche in einem Grafikkarten-ähnlichen Karton sicher verpackt wurde, ist im Reviewers-Kit auch eine Hochglanz-Broschüre mit allen wichtigen Details zur Karte, eine Vielzahl von Vega-Aufklebern, ein Vega-Armbändchen und eine hochwertiger Glas-Pokal für den Schreibtisch oder die Vitrine enthalten.

Doch auch den Vega-10-Chip inklusive seiner beiden HBM2-Speicherstacks hat AMD zur Veranschaulichung mitgeschickt. Das Package ist beachtlich groß, wobei der Chip deutlich kleiner ist, aber noch immer gut mehr als die Hälfte an Fläche einnimmt. Kein Wunder, schließlich legt Vega 10 stattliche 12,5 Milliarden Transistoren in die Waagschale und besitzt je nach Ausbau eine maximale Leistungsaufnahme von bis zu 345 W TDP. Gefertigt wird der Chip im fortschrittlichen 14-nm-Prozess.

PCB teils aufgeräumt, teils chaotisch

Auch erste Bilder des eigentlichen PCBs der AMD Radeon RX Vega 64 dürfen wir bereits veröffentlichen, ohne dabei jedoch zu sehr ins Detail zu gehen. Mit der Platine verbunden werden zum einen der Radiallüfter, aber auch die LED-Beleuchtung des Radeon-Schriftzugs auf der Stirnseite der Grafikkarte. Da die HBM2-Stacks direkt im Package der GPU integriert wurden, befinden sich die Speicherchips nicht mehr rings um den Grafikprozessor herum, wie dies beispielsweise noch bei Pascal oder Polaris der Fall ist. Dafür hat AMD die Spannungswandler direkt um den Grafikchip herum positioniert, womit der hintere Bereich des PCBs fast komplett frei bleibt und hier einen sehr aufgeräumten Eindruck hinterlässt. Anders ist das auf der Rückseite, wenn man die Backplate, welche zur Stabilisierung und zu zusätzlichen Kühlung dient, abnimmt. Dann finden sich auch hier zahlreiche Bauteile.

Ab kommenden Montag sollen die Radeon RX Vega 64 und die Radeon RX Vega 56 in den Läden stehen. Preislich werden dann 499 US-Dollar ausgerufen. Die limitierte Silver-Edition soll 599 US-Dollar kosten, die wassergekühlte Variante gar 699 US-Dollar. Deutsche Preise dürfen wir aufgrund des Embargos noch nicht nennen – AMD erlaubte uns lediglich ein Unboxing sowie die Veröffentlichung erster Bilder.

Im Laufe des Montags werden wir unseren gewohnt ausführlichen Testartikel mit allen Details und einigen Benchmarks veröffentlichen. Dann werden wir wissen, ob AMD tatsächlich NVIDIA vom Thron wird stoßen können, oder nicht. Sicher aber ist: Die Karten werden neu gemischt.