Seite 1: Huawei FreeBuds Pro 2 im Test: Toller Klang trifft schwache Bedienung

huawei freebuds pro2 05Mit der zweiten Generation seiner Premium-In-Ears, den Huawei FreeBuds Pro 2 möchte der Hersteller weit oben im Markt der drahtlosen In-Ears mitmischen. Dafür sollen eine Partnerschaft mit Devialet, ein besonders umfangreiches Frequenz-Spektrum samt 2-Wege-Aufbau und eine ANC-Lösung sorgen. Ob das reicht, um sich im stark umkämpften Markt der TWS-Lösungen etablieren zu können, klären wir in unserem Test.

Huawei muss sich umstellen - zumindest in Europa. Das Smartphone-Geschäft ist dahin und auch der 5G-Ausbau ist nicht in den Auftragsbüchern des Unternehmens gelandet. Während diese Geschäftsbereiche im Heimatland noch immer sehr gut funktionieren, müssen in Europa Alternativen geschaffen werden. Konkret stehen Notebooks wie die zuletzt ebenfalls neu vorgestellten MateBook D16 oder MateBook 16s, Monitore Tablets und eben TWS-Lösungen im Fokus. Die Huawei FreeBuds Pro 2 sind das neue Top-Modell der Chinesen und bieten das volle Ausstattungs-Arsenal.

Da es bei In-Ears bekanntlich um den guten Ton gehen sollte, hat sich Huawei mit Devialet einen bekannten Partner ins Boot geholt. Passend dazu gibt es einen 2-Wege-Aufbau mit einem dynamischen und einem planaren Treiber - genaueres dazu später. So soll ein großer Frequenzbereich von 14 Hz bis 48 kHz ermöglicht werden. Auffällig ist, dass gerade die untere Grenzfrequenz sehr niedrig ausfällt. Wer ein Android-Gerät nutzt, kann vom LDAC-Codec für die unkomprimierte HiRes-Audio-Wiedergabe profitieren. 

Huawei FreeBuds Pro 2

Gerade im TWS-Segment scheint aktuell der Klang allein nicht mehr zu reichen, um potentielle Käufer hinter dem Ofen hervorzulocken. Entsprechend integriert auch Huawei ein ANC-System, das - natürlich - mit einer erstklassigen ANC-Leistung aufwarten soll. Gegenüber dem Vorgänger-Modell soll die ANC-Tiefe um 15 % gesteigert worden sein. Wie gut das System funktioniert, werden wir natürlich ausprobieren. 

Mit einem Preis von rund 200 Euro siedeln sich die Huawei FreeBuds Pro 2 in der Oberklasse an und sind damit teurer als die zuletzt getesteten 1More Evo, aber auch die allseits beliebten AirPods Pro sind in der Zwischenzeit günstiger am Markt verfügbar.

Optik und Case

Huawei bietet die FreeBuds Pro 2 in drei Farben an: Weiß, Schwarz und Blau. Wir haben zum Test den Farbton Cermamic White erhalten, was man mit einem Glossy-Weiß übersetzen könnte. Als Eye-Catcher kann der Stil angesehen werden, der von einem schmalen silbernen Rahmen eingefasst wird und den Huawei-Schriftzug trägt. Die Form erinnert damit mehr an die Platzhirsche von Apple, als beispielsweise die zuletzt getesteten 1More Evo oder die Sennheiser Momentum True Wireless

Die InEars wurden nach IP54 zertifiziert, sie sind also gegen Staub und Spritzwasser geschützt, womit sie auch für den Einsatz beim Sport geeignet wären. Die Ohrhörer selbst fallen mit einem Gewicht von 5,9 g recht leicht aus, es gibt aber noch leichtere Geräte. Über jeden Zweifel erhaben sind die Haptik und die Verarbeitungsqualität.

Huawei FreeBuds Pro 2

Das Case besteht ebenfalls aus Glossy-Kunststoff und ist mit seiner abgerundeten Form ein echter Handschmeichler. Mit Maßen von 47,5 x 67,9 x 24,5 mm ist es recht klein und passt locker in jede Hosentasche. Die ebenfalls nicht allzu große Behausung der 1More Evo ist noch mal etwas größer.

Wie von Glossy-Kunststoff gewohnt, ist das Case etwas kratzanfällig, was nicht ideal ist, wenn es wirklich häufig in der Hosentasche landen sollte. Davon abgesehen kann es gefallen. Der Deckel schließt magnetisch mit einem satten Klacken und bleibt im Anschluss sicher in seiner Position.

Huawei FreeBuds Pro 2

Geladen wird die Behausung via Typ-C oder drahtlos via Induktion. Die eingesetzten Ohrhörer können dort von einem 580 mAh großen Stromspeicher mit frischem Saft versorgt werden - jeder In-Ear verfügt selbst über einen 55 mAh starken Akku. So sollen Laufzeiten von 6 Stunden bei deaktiviertem ANC und 4 Stunden bei ANC-Nutzung erreicht werden. Wird das Case mitgerechnet, sollen insgesamt 18 Stunden bei ANC-Nutzung und 30 Stunden ohne Rauschunterdrückung möglich sein. Die Werte konnten wir in der Praxis leider nicht erreichen und landeten mit aktiviertem ANC und mittlerer Lautstärke bei knapp unter 3:20 Stunden. Damit besteht hier noch viel Platz für Laufzeitverbesserungen bei künftigen Modellen.

Passform

Die Passform der FreeBuds Pro 2 kann grundlegend überzeugen. Gegenüber vielen anderen In-Ears fällt aber schnell auf, dass es einen Unterschied gibt. Huawei konstruiert seine Ohrhörer so, dass diese weniger tief im Ohr sitzen, was zunächst etwas ungewohnt wirkt, und den Eindruck vermittelt, der Sitz wäre etwas locker. Dem ist in der Praxis aber nicht so - ungewohnt ist das Tragegefühl dadurch dennoch. Gleichzeitig wird aber auch über einen langen Zeitraum ein hoher Tragekomfort geboten. Eine Akkuladung bequem "duchzuhören'" ist ohne jegliche Einschränkung möglich.

Huawei FreeBuds Pro 2

Die minimale Einstecktiefe wirkt sich zum Glück nicht auf die Sport-tauglichkeit der FreeBuds Pro 2 aus. Diese sitzen dennoch fest an ihrem Platz und bewegen sich beim Joggen nicht von ihrem Platz. Zusammen mit der IP-Zertifizierung werden so gute Voraussetzungen für den Fitness-Einsatz geboten - in der Praxis gibt es aber doch eine Einschränkung.

Bedienung und Kopplung

Gerade bei TWS-Lösungen kommt der Software ein nicht unerheblicher Anteil am Gesamt-Erlebnis bei - bei Huawei steht bekanntlich die AI-Life-App im Zentrum des Ökosystems, so auch bei den In-Ear-Lösungen.

Los geht es aber zunächst einmal mit der Kopplung, die natürlich möglichst einfach erfolgen sollte, während die Verbindung im Betrieb stabil läuft. Die Kopplung der FreeBuds Pro 2 erwies sich als unkompliziert. Die einzige Taste am Case muss zwei Sekunden lang betätigt werden, im Anschluss startet der Kopplungsmodus. Dann werden die In-Ears im Bluetooth-Menü des Betriebssystems gefunden - Huaweis AI-Life-App gibt die passenden Hinweise. Wird ein Huawei-Smartphone verwendet, soll die Kopplung automatisch erfolgen, ganz ähnlich, wie man es von Apple kennt. Werden andere Geräte genutzt, ist das Prozedere - wie beschrieben - etwas komplizierter, geht insgesamt betrachtet aber dennoch völlig problemlos. Im weiteren Verlauf erfolgte die Kopplung zuverlässig und schnell. 

Huawei FreeBuds Pro 2

Bei der Steuerung bleibt Huawei sich treu. Wie bei den Vorgängern müssen die Sticks gedrückt werden, um eine Aktion auszuführen - das kennt man so auch von den AirPods Pro. So kann zum nächsten oder vorherigen Titel gesprungen oder die Wiedergabe unterbrochen werden. Ebenso kann ein Telefonat angenommen oder beendet werden. Soll die Lautstärke angepasst werden, muss an der Vorderseite des Sticks nach oben oder unten gewischt werden.

Im Praxis-Einsatz kann diese Lösung aber nur bedingt überzeugen. Unser Drücken des Sticks wurde nicht immer korrekt bzw. in ausreichender Anzahl erkannt, was zu regelmäßigen Fehleingaben führt. Besser funktionierte die Anpassung der Lautstärke. Allerdings haben beide Arten der Bedienung den Nachteil, dass die In-Ears im Ohr verrutschen, wenn etwas angepasst werden soll. Die Drückbewegung muss etwas zu fest erfolgen, die Anpassung der Lautstärke erfolgt einseitig, sodass immer ein ungleichmäßiger Druck ausgeübt wird. Besser wäre es gewesen, über die breite Seite zu streichen. Ein störender Nebeneffekt: Huawei erlaubt über die Software zwar die Anpassung der Elemente, lässt aber jeweils nur das Deaktivieren eines Befehls zu, alternative Belegungen sind nicht vorgesehen, was nicht wirklich nachvollziehbar ist. 

Hier bleibt also leider viel Luft nach oben, denn hier ist die Konkurrenz beinahe durchwegs besser unterwegs. 

Huawei FreeBuds Pro 2
Huawei FreeBuds Pro 2

Einen grundlegend besseren Eindruck hinterlässt die AI-Life-App. Über diese können Klangprofile abgerufen oder Equalizer Presets erstellt werden. Wie bereits erwähnt kann die Steuerung angepasst werden - aber leider nicht so flexibel wie wir das gern gesehen hätten. Ebenso kann das ANC-Feature aktiviert werden. Wer wissen möchte, ob die Silikon-Tips die richtige Größe haben, hat die Möglichkeit einen Pass-Test durchzuführen. Wer seine In-Ears verlegt hat, kann über die Funktion "Gerät finden" einen Ton erklingen lassen.

Insgesamt hinterlässt die App einen guten Eindruck.