Seite 7: Vorläufige Einschätzung

Auch für die beiden neuen Navi-Karten wollen wir eine vorläufige Einschätzung vornehmen. Die Frage, ob die RDNA-Architektur nun komplett neu ist, oder nicht, spielt sicherlich keine wichtige Rolle, ist aber dennoch entscheidend, um die Motivation dahinter zu verstehen. Offenbar plante AMD von Anfang an zweigleisig. Vega sollte eine Compute-Architektur werden, musste aber auch als High-End-Gaming-Ableger herhalten. Dies ist aber nicht ganz aufgegangen und so hatte es Vega aufgrund der geringen Effizienz ohne Anpassungen des Nutzers recht schwer.

Die RDNA-Architektur ist ganz eindeutig auf ein anderes Segment ausgelegt. Dies zeigt sich anhand der Anpassungen, die hier vorgenommen wurden. Die Architektur ist eigentlich die Schnittstelle zwischen der Micro-Architektur, also dem Chip selbst, und den Software-Schnittstellen, die mit der Hardware sprechen wollen. Die Architektur ist weitestgehend identisch geblieben, die Micro-Architektur hat sich jedoch verändert.

Es gibt viele Parallelen zwischen der Entwicklung der Zen- und der RDNA-Architektur. Beide wurden auf Effizienz getrimmt. Auch wenn der Begriff IPC-Leistung bei den GPUs nicht häufig verwendet wird, so trifft er dennoch zu. AMD will die vielen tausend Shader effektiver machen, genauso wie man die Zen-Kerne optimiert hat. Dies soll vor allem bei Spielen von entscheidender Bedeutung sein.

Die Auswirkungen der Änderungen scheinen sehr eindeutig zu sein. Eine Radeon RX 5700 XT mit 2.560 Shadereinheiten kann mit einer Radeon RX Vega 56 mit 3.548 Shadereinheiten mithalten. Wir sprechen hier also von fast 40 % mehr Shadern auf Seiten der Vega-Architektur, allerdings arbeiten diese auch mit einem etwa 20 % niedrigeren Takt. Dennoch zeigt die RDNA-Architektur eine um 25 % höhere Leistung-pro-Takt. Die zusätzlichen Maßnahmen sorgen dann für die verbesserte Leistung gegenüber der Vega-Architektur. Die Effizienz, die der Vega-Architektur abhandengekommen ist, scheint durch die RDNA-Architektur zurückgeführt zu werden.

Die Radeon RX 5700 XT und die Radeon RX 5700 sind die ersten beiden Endkunden-Grafikkarten, die PCI-Express 4.0 unterstützen. Während PCI-Express 4.0 als Anbindung von NVMe-SSDs sicherlich Sinn macht, kann man bei den Grafikkarten noch ein kleines Fragezeichen dahintersetzten. Auf dem Tech Day zeigte AMD eine Demo, in der [email protected] wiedergegeben wurde. In DaVince Resolve 16 erreichte eine Radeon RX 5700 mit PCI-Express 3.0 36 FPS, während mit PCI-Express 4.0 60 FPS erreicht wurden. Das von AMD gewählte Beispiel kann man also noch nicht als übliche Anwendung eines Spiels bezeichnen. Laut AMD werden wir aber in Kürze Spiele sehen, die aufgrund der geringeren Latenzen von PCI-Express 4.0 auch einen, wenn auch geringen, Leistungsvorteil bieten.

Vorerst kennen wir nur die US-Preise für die beiden Karten: Die Radeon RX 5700 XT soll 449 US-Dollar kosten. Die Radeon RX 5700 kommt für 379 US-Dollar. Die Radeon RX Vega 64 kostete zur Einführung 499 US-Dollar, die Radeon RX Vega 399 US-Dollar. Die GeForce RTX 2070 hatte einen Einführungspreis von 499 US-Dollar, die GeForce RTX 2060 wurde für 349 US-Dollar eingeführt. 

Noch einmal: Wir können derzeit noch keine Euro-Preise vergleichen. Eine GeForce RTX 2070 kostet derzeit etwa 500 US-Dollar, die GeForce RTX 2060 etwa 350 US-Dollar. Die Radeon RX 5700 XT und Radeon RX 5700 werden ab dem 7. Juli direkt bei AMD und über die Boardpartner im Handel verfügbar sein.