Seite 11: Fazit

Ein langer Vergleichstest geht dem Ende zu. Zu was für Ergebnissen können wir kommen? Zuerst einmal zeigen die vier getesteten Gehäuse, wie vielfältig das Angebot an Mini-ITX-Gehäuse mittlerweile ist. So sollte sich eigentlich für jedes Anwendungsszenario ein passendes Gehäuse finden lassen. Für Kaufinteressenten macht das die Kaufentscheidung allerdings auch nicht gerade leicht. Wir wollen deshalb die vier Kandidaten aus unserem Test noch einmal durchgehen und ihre Stärken und Schwächen herausstellen.

Das BitFenix Prodigy versucht sich als eierlegende Wollmilchsau. Es bietet die höchste Flexibilität, erkauft sich das aber auch durch stattliche Abmessungen. Wer sich nicht daran stört, dass sein Mini-ITX-Gehäuse etwas größer ausfällt, ist mit dem Prodigy für fast alles gerüstet. Lange Grafikkarten, Tower-Kühler oder ein paar Festplatten mehr - alles kein Problem für das Gehäuse mit den Tragegriffen. Die Kühlleistung der angenehm leisen Lüfter ist beachtlich, beim getesteten weißen Modell wird der Luftstrom allerdings durch die Front etwas behindert. Für den Fall der Fälle gibt es sogar noch einige optionale Lüfterplätze bzw. selbst die Möglichkeit, eine Wasserkühlung mit Dual-Radiator zu verbauen. Dabei überzeugen auch Materialstärke und Verarbeitung - und das alles bei einem moderaten Preis. Vermisst werden vor allem Staubfilter vor den Lufteinlässen. Doch angesichts der ansonsten beeindruckenden Vorstellung können wir das BitFenix Prodigy mit unserem Exzellent-Hardware-Award auszeichnen.

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Bei knappem Budget bietet Cooler Master mit dem Elite 120 Advanced ein durchaus ansprechendes Modell an, dem man seinen Verkaufspreis so schnell weder ansieht noch anfühlt. Der Innenaufbau ist funktional und ermöglicht sowohl die Nutzung von ATX-Netzteilen als auch von langen Grafikkarten. Die Montage der Komponenten ist unkompliziert und schnell erledigt. Schwerwiegende Abstriche müssen vor allem beim Kühlsystem gemacht werden: Die verbauten Lüfter sind weder besonders leise noch besonders wirkungsvoll. Besonders der kleine Lufteinlass für den Frontlüfter wirkt sich negativ aus. Auch hier fallen die fehlenden Staubfilter negativ auf - in dieser Preisklasse sind sie aber auch nicht unbedingt zu erwarten. Bei knappem Budget ist das Cooler Master-Modells jedoch trotz der angesprochenen Schwächen die erste Wahl.

Lian Li kann beim PC-Q18 auf reichhaltige Erfahrung mit einer ganzen Reihe vorangegangener Mini-ITX-Gehäuse zurückgreifen. Das merkt man dem Aluminium-Gehäuse auch durchaus an. Vor allem bei Details wie den abziehbaren Seitenteilen und dem werkzeuglos herausnehmbaren Frontlüfter mit Staubfilter weiß es zu glänzen. Nicht ganz so glänzend ist der Auftritt der Lüfter in Bezug auf Lautstärke und Kühlleistung. Dafür kann Lian Li eine beachtliche Zahl an Laufwerksplätzen bieten, zumal vier Festplatten auch noch per Hot-Swap angebunden werden. Das hat allerdings genau so seinen Preis wie das eingesetzte Aluminium. Das PC-Q18 ist dann auch das teuerste Gehäuse im Testfeld. Es dürfte hauptsächlich Aluminium-Aficionados ansprechen, die auf der Suche nach einem kompakten Mini-Servergehäuse sind.

Das FT03-MINI von SilverStone kann als das innovativste und ungewöhnlichste Gehäuse im Vergleichstest gelten. Der Aufbau mit dem um 90 Grad gedrehten Mainboard, der den Kamineffekt ausnützen soll, sorgt in Verbindung mit dem großen (aber zu lauten) Bodenlüfter für beachtlich niedrige Temperaturen. Gleichzeitig erreicht SilverStone so, dass nur eine sehr geringe Stellfläche benötigt wird. Auch die Materialwahl ist gelungen: Das Stahlgerüst sorgt für Stabilität, die leicht abnehmbaren Aluminium-Seiten für eine hochwertige Optik und Haptik. Allerdings gibt es auch Schattenseiten: SilverStone musste für die kompakten Abmessungen Abstriche bei der Flexibilität machen. Keine langen Grafikkarten, kein ATX-Netzteil, kein 5,25-Zoll-Laufwerk und nur je ein Platz für 2,5-/3,5-Zoll-Laufwerke: mit dem FT03-MINI muss man sich deutlich mehr einschränken als mit den drei anderen Gehäusen und zahlt auch noch einen stattlichen Preis. Wer das in Kauf nimmt, erhält jedoch ein Gehäuse, das auf den ersten Blick eine gewisse Exklusivität ausstrahlt. Für den Mut, neue Wege zu beschreiten, verleihen wir dem FT03-MINI unseren Technik-Award.

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