Auch wenn es Menschen wie @Vanatoru gibt, die es ins lächerlich ziehen, wenn jemand wie ich einem Vorstand etwas erklären möchte, sind es aber eben genau diese einfachen Arbeiter wie ich, die wissen, wie der Hase in der Firma läuft.
ok hold my beer
[...]
Wir, als die Arbeitnehmer, schlagen seit mehreren Jahren vor, die Überstunden ganz normal mit 25% auszuzahlen - da wären mit einem Schlag alle Probleme erledigt, weil dann ein sehr großer Teil freiwillig und gerne Mehrarbeit leisten würde.
Die Firma weigert sich aber beständig, und pocht eben darauf, dass als erstes 200 Stunden auf dem Konto stehen müssen, bevor man sich Überstunden auszahlen lassen kann!
Es könnte alles so einfach sein!
Krankenstand wieder normal, Arbeit wird erledigt, alle sind zufrieden.
genau das ist der punkt. hier muss ich dir widersprechen. durch diesen move soll also der prod. mitarbeiter der "nur" 2300€ nach hause nimmt, was laut deiner aussage nicht zum überleben reicht, wieder volles engagement zeigen? sicher nicht länger als 2 wochen! und selbst wenn ich mit meiner meinung falsch liegen sollte, wird so ein move nicht von heut auf morgen kommen, dafür sind die beträge in der bilanz (sonstige rückstellungen) zu groß, als das sich ein börsennotiertes unternehmen dieser größe sich das erlauben könnte.
nehmen wir als
theoretisches beispiel die
rational ag mit der bilanz von 2024 und 2023 :
hier wären die rückstellung für zeitkonto drin. entspricht bei etwa 3k mitarbeiter ~200h.. so eine position kann sich in nem börsennotierten unternehmen nicht einfach ohne konsequenzen auflösen...
zu thema du als BR: mag sein, dass du das herz am rechten fleck hast, aber ob das reicht und nicht hart nach hinten los geht, mag ich bezweifeln. du hast mehrmals eine AU als akzeptable retourkutsche gegen deinen AG "propagiert", beziehst öffentlich gegenposition zum management mit hanebüchenen aussagen. das ende vom lied könnte so aussehen, dass sie dir das leben zur hölle machen, und du dich mit AU bedankst. bringt dem AN dann auch nicht wirklich viel, wenn sein BR "dauerkrank" ist...
laut deinen aussagen seid ihr ein deutsches börsennotiertes unternehmen, ohne gewerkschaft, ohne BR, aber einer bezahlung die sich nach IGM richtet. der preis für diese bezahlung, ohne interessensvertretung des AN und gleichzeitig an der börse notiert, sind natürlich solche zielvorgaben und praktiken, das ist mMn nachvollziehbare konsequenz!
trotzdem macht das ganze auf mich den eindruck, dass es "jammern" auf relativ hohen niveau ist, komplett subjektiv. hier muss ich dann also schmunzeln:
Jammern ist meiner Meinung nach deutsches Kulturgut 🤣
um meinen eindruck ein wenig zu belegen, zeige ich folgend, ein mögliches, ebenso subjektives gegenbild deines AG, ironischerweise mit deinen worten formuliert, chronologisch sortiert. werde den inhalt weitestgehend nicht kommentieren, er steht für sich selbst, zur übersichtlichkeit nenne ich nur das datum des posts:
06.2021:
Die Leute von draussen stehen Schlange, um bei uns einen Arbeitsplatz zu bekommen
03.2022
Bei uns wird das meiner Meinung nach gut geregelt.
Großer Industriebetrieb, die guten Lehrlinge werden übernommen, fangen aber im ersten Jahr mit um die 16€ Stundenlohn an.
Mit Sonderzahlungen und Schichtzulagen sind sie dann im ersten Jahr so bei 38k€, was ich für einen "normal" ausgebildeten gut finde.
Dann erfolgt nach einem Jahr die Lohnanpassung, wir bekommen jährlich eine Erhöhung, wenn ich nun 4% bekomme, dann bekommen die Ex Lehrlinge zb. 6.5%, oder sogar mehr, je nach Leistung.
Somit sind sie schon nach sagen wir mal 3 Jahren bei guten 50k€ Brutto im Jahr, was ich für einen 20 - 21-jährigen ein sehr gut finde.
Zumal bei uns durch die Schichten viel Steuerfrei ist, also gehen die mit guten 2.8k€ Netto (Stk. 1) nach Hause.
Finde ich absolut fair, da man einen Lehrling während der Ausbildung meiner Meinun nach gar nicht beurteilen kann.
06.2022:
Definitiv, bei meinem AG möchte ich alt werden

[...]
Wenn ich nur sehe, wie unser AG in der Covid Krise reagiert hat, das war schon mehr als vorbildlich.
Es gab eine Weile Kurzarbeit, welche aber mit 95% vom AG vergütet wurde, so gesehen war das eine sehr angenehme Zeit, während andere wirklich schwer zu kämpfen hatten.
09.2022:
Für mich trifft all das zu, was du schreibst, ich kann plauschen so lange ich will, Kaffee trinken, Stress hab ich nie, verdiene aber mehr als das doppelte wie du - in einem großen Metallbetrieb, und das sogar x 15 im Jahr.
x15 verstehe ich hier als 15 monatsgehälter. ist das richtig?
06.2023:
Bei uns gibt es in der Firma gerade nur ein Thema: Die Lohnrunde.
Wir gehören keiner Gewerkschaft an, aber es wurde sich immer an der IG Metall orientiert.
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Bisher ist durchgesickert, dass es wohl 5,8% werden sollen, und ggf. eine Einmalzahlung, man darf gespannt sein.
Ich sehe das ziemlich locker, da ich schon gut verdiene, weiß aber von vielen jüngeren Kollegen, dass wenn es wirklich nur "so wenig" wird, sie das den AG durch verminderte Leistung spüren lassen werden.
[...]
Hinsichtlich der Rekordgewinne, die wir 2022 gemacht haben, und dass wir ein Firmenjubiläum haben, sowie dieses Jahr einen ganz besonderen Preis gewonnen haben, ist die Erwartungshaltung natürlich groß.
auch 06.2023:
Ja, letztes Jahr haben wir im Schnitt 5,65% bekommen - der Chef hat noch einen Rahmen, um dem ein oder anderen ein oder zwei Prozent mehr zu geben, eigentlich für gute Leistung, aber in der Regel gibt es das fürs Arschkriechen.
nochmal 06.2023:
Mal ein nettes Beispiel, was geschieht, wenn man den Chefs zu viel Spiel lässt:
Ich war durch meinen Unfall letztes Jahr über 8 Monate krank, vor meinem Unfall betrug mein Arbeitspensum täglich 25 dingsbumms zu fertigen, was ok war.
Nun wurde mein Arbeitsplatz von einem 22 Jährigen besetzt, dem hat man allerdings gesagt, er muss 28 dingsbumms produzieren...
Als ich dann zu Beginn diesen Jahres meine Wiedereingliederung abgeschlossen hatte, und wieder meinen Platz besetzte, fertigte ich weiterhin 25 dingsbumms, woraufhin ich zum Chef zitiert wurde.
Man teilte mir mit, dass sich die Stückzahl auf 28 erhöht habe, und ich mich bitte danach richten solle.
Ich habe meinen Chef nur gefragt "Warum?", worauf er ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut hat.
Habe es dann deutlicher ausgeführt: "Was hat sich am Arbeitsablauf geändert, dass ich 3 dingsbumms mehr fertigen soll?"
Antwort war dann natürlich, dass der jüngere Kollege das gemacht hat.
Wunderbar, ich mache das nicht, es gibt dafür keinen Grund, der es rechtfertigt, Thema erledigt.
Nun fertigen die jüngeren Burschen zum Teil tatsächlich weiterhin 28 dingsbumms, und ich bleibe bei meinen 25, und alles ist gut.
an dieser stelle möchte ich nochmal an den ersten teil des posts aus 09.2022 (weiter oben) erinnern
02.2024:
Einer der wenigen Nachteile in meiner Firma ist, dass es keine individuellen Lohnerhöhungen gibt.
Man muss sich sozusagen beim Einstellungsgespräch so teuer wie möglich verkaufen, denn danach gibt es nur noch die Lohnerhöhungen, welche die Firma jährlich ansetzt.
Natürlich ist es nicht schlecht, dass wir im Schnitt 5% mehr Lohn pro Jahr bekommen, aber am meisten profitieren eben jene davon, die nicht wirklich was reißen, und dennoch dafür belohnt werden.
Mal ein Beispiel für unkollegiales Verhalten:
Wir haben eine Schweißanlage, welche Kisten für die weiteren Produktionsschritte fertigt.
Diese Anlage wird seit letzter Woche umgebaut, der Umbau geht noch bis nächste Woche.
Die Anlagenbediener und die Schweißer mussten also nun für diese Zeit in die normale Fertigung wechseln, und was soll ich sagen, auf einen Schlag sind 6 Leute krank, weil sie darauf keinen Bock haben.
Das sind auch immer dieselben, die, wenn etwas nicht passt, mal eben eine Woche, oder gerne auch zwei daheim bleiben.
Kommt jetzt die Lohnrunde, bekommen eben diese genau dasselbe wie ich zb. und das frustriert teilweise schon.
Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich meine Arbeitsleistung schon ein wenig angepasst habe, ich könnte zum Teil mehr leisten, aber sehe es eben aus oben genannten Gründen nicht ein.
Angeblich soll sich das Lohnsystem ab diesem Jahr ändern, statt wie üblich zb. 5% heißt es dann "bis zu 5%", und es spielen einige Punkte rein, unter anderem Fehlzeiten, ich bin sehr gespannt, wie das am Ende umgesetzt wird.
das sollte reichen... sry 4 WOT!
ich denke, du befindest dich gedanklich in einer abwärtsspirale bzgl deines AG. sowas hab ich schon ein paar mal gesehen, leider noch nie dass es im guten geendet hat. ich hoffe sehr, dass du gute optionen / plan B hast, falls du da nicht rauskommst und bestimmte eskalationspunkte erreicht werden.