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Schon zum Wochenende machte ein neues Tool für Besitzer einer GeForce-RTX-50-Grafikkarten auf sich aufmerksam. NV-UV soll das Undervolting der aktuellen Blackwell-GPUs vereinfachen bzw. bietet eine Flexibilität zwischen One-Klick-Lösung, einer Profilauswahl und auch der Möglichkeit eines noch genaueren Auslotens des Undervolting-Potenzials.
NV-UV wurde auf Basis des bekannten MSI Afterburner entwickelt bzw. nutzt die API des Afterburners, um die entsprechenden Einstellungen an der Hardware selbst vorzunehmen. Die Software befindet sich zwar noch in einer frühen Alpha-Phase, interessierte Nutzer können jedoch direkt beim Entwickler eine lauffähige Version anfordern. Zum Austausch mit den Nutzern wurde von Entwickler cubi2k82 ein Discord-Server eingerichtet, über den alle notwendigen Informationen ausgetauscht werden können. Ziel des Undervoltings bleibt unverändert: geringerer Energieverbrauch, niedrigere GPU-Temperaturen und im Idealfall auch eine reduzierte Geräuschentwicklung unter Last.
Wir haben das Tool mit unserer GeForce RTX 5090 Founders Edition einmal ausprobiert und konnten dabei tatsächlich die Leistungsaufnahme, Temperaturen und Lautstärke reduzieren, ohne dass dabei die Leistung der Karte gelitten hat. Natürlich wäre dies auch über die bisher möglichen Wege des Undervoltings umsetzbar gewesen. NV-UV bietet aber eine grafisch ansprechende, bei Bedarf komplexe und dennoch für die meisten Nutzer recht einfache Möglichkeit eines Undervoltings der Hardware.
Installation und erste Schritte
Vorweg ein kleiner Warnhinweis: NV-UV befindet sich noch immer in einem recht frühen Entwicklungszustand. Es kann daher immer wieder zu Abstürzen und dergleichen kommen. Auch werden nicht immer alle Einstellungen so übernommen, wie dies eigentlich vorgesehen ist. Entwickler cubi2k82 sammelt über den Discord aktuell das Feedback solcher Fehlerberichte und steckt diese in beinahe täglich neue Builds von NV-UV.
Die Installation von NV-UV ist recht simpel gehalten, da eben keinerlei Installation notwendig ist. Der MSI Afterburner muss natürlich installiert sein, darüber hinaus genügt aber das Ausführen der .exe und schon kann es losgehen.
Beim ersten Start stellt NV-UV eine Verbindung mit dem MSI Afterburner her und liest die ersten Informationen aus. Sollte es in der Erkennung der Hard- und Software schon Probleme geben, meldet dies die Software und empfiehlt dem Nutzer entsprechende Schritte.
Über die Benutzeroberfläche werden die wichtigen Informationen angezeigt. Dazu gehört auch ein Auslesen der Sensoren der Grafikkarte, sodass der Takt, die aktuelle Leistungsaufnahme, Last und vieles mehr gleich ersichtlich sind.
Eine zentrale Komponente der Benutzeroberfläche ist die Takt/Spannungs-Kurve. Diese wird zunächst einmal nur ausgelesen und kann in dieser Form auch im MSI Afterburner angezeigt und angepasst werden. Ein automatischer OC-Scanner der NVIDIA-API ermöglicht es auch hier, dass eine optimierte Kurve gefunden wird.
NV-UV erlaubt es dem Benutzer in einem ersten Schritt, ein einfaches One-Klick-Undervolting einzustellen. Dazu genügt ein Klick auf "UV anwenden" und es kann eines von fünf Profilen ausgewählt werden, auf dem diese Einstellungen abgespeichert werden. Über mehrere Schieberegler können Vorgaben zur Taktanhebung, Spannung sowie zum Power-Limit und zum Speichertakt gemacht werden. In einem ersten Schritt sollte man dies aber bei den Standardeinstellungen belassen. Weiterhin werden verschiedene Profile (Eco, Balanced, Performance und Max) angeboten. Für unsere GeForce RTX 5090 wurden dabei die folgenden Einstellungen gewählt:
| Stock-UV | Eco | Balanced | Performance | Max | |
| Taktanhebung | +398 MHz | +285 MHz | +292 MHz | +308 MHz | +405 MHz |
| Spannung | 925 mV | 900 mV | 950 mV | 975 mV | 975 mV |
| Power-Limit | 104 % | 85 % | 90 % | 100 % | 100 % |
| Ziel | 2.910 MHz bei 925 mV | 2.700 MHz bei 900 mV | 2.902 MHz bei 950 mV | 3.000 MHz bei 975 mV | 3.097 MHz bei 975 mV |
Dies bedeutet natürlich nicht, dass alle diese Profile auch stabil arbeiten oder ihre Taktziele auch erreichen. Jede GPU kann sich anders verhalten. Manche GPUs bieten viel Undervolting-Potenzial und wiederum andere deutlich weniger. Es ist ein Glücksspiel, wie gut sich die eigene Grafikkarte am Ende wirklich undervolten lässt.
Wir haben mit der erwähnten GeForce RTX 5090 Founders Edition das Eco-Profil versucht und sind dabei im Vergleich zur Standard-Leistung ohne jegliche Eingriffe zu den folgenden Ergebnissen gekommen:
| FPS/Punkte | Leistungsaufnahme | GPU-Spannung | GPU-Takt | Temperatur | |
| 3DMark Speed Way | 14.261 | 550,5 W | 0,9866 V | 2.647 MHz | 74,6 °C |
| 3DMark Speed Way (UV bei 900mV) | 14.143 | 461,6 W | 0,8771 V | 2.603 MHz | 69,1 °C |
| 3Dmark Steel Nomad | 14.418 | 575,0 W | 0,9760 V | 2.632 MHz | 75,9 °C |
| 3Dmark Steel Nomad (UV bei 900mV) | 14.381 | 488,3 W | 0,8806 V | 2.661 MHz | 70,6 °C |
| ARC Raider | 180,2 | 412,9 W | 1,0200 V | 2.752 MHz | 66,9 °C |
| ARC Raider (UV bei 900mV) | 183,9 | 324,7 W | 0,9050 V | 2.805 MHz | 56,9 °C |
| Cyberpunk 2077 | 98,3 | 509,3 W | 0,9900 V | 2.659 MHz | 71,0 °C |
| Cyberpunk 2077 (UV bei 900mV) | 97,7 | 427,3 W | 0,8850 V | 2.646 MHz | 65,4 °C |
| Resident Evil Requiem | 128,3 | 531,2 W | 0,9916 V | 2.676 MHz | 74,5 °C |
| Resident Evil Requiem (UV bei 900mV) | 127,6 | 448,7 W | 0,8850 V | 2.687 MHz | 69,6 °C |
Mit dem Eco-Profil sinkt die GPU-Spannung auf unter 900 mV, allerdings wird auch das Power-Limit auf 85 % gesetzt. Diese einfache Maßnahme über das Power-Limit könnte der Nutzer natürlich ebenfalls durchführen.
Das Einsparpotenzial bei gleicher Leistung ist enorm. Wir sprechen hier von bis zu 90 W, die weniger verbraucht werden. Zugleich sinken die Temperaturen deutlich, was sich auch auf die Drehzahl der Lüfter und damit die Lautstärke auswirkt.
Aber auch wenn wir hier auf die Schnelle nur das Eco-Profil getestet haben, zeigen die Ergebnisse, welches Potenzial in einfachen Maßnahmen steckt. Schaut man in den Blackwell Smalltalk Thread (RTX 5000er Reihe) oder den Sammelthread zur GeForce RTX 5090 haben zahlreiche Nutzer hier ebenfalls bereits ihre UV-Ergebnisse (ohne Nutzung des NV-UV-Tools) geteilt – mit teilweise beeindruckendem Einsparpotenzial bei gleichbleibender oder sogar höherer Leistung.
Wir haben den schnellen und einfachen Weg des Eco-Profils einmal beispielhaft darstellen wollen. Das NV-UV-Tool bietet aber auch einen Voltage Step Scanner, mit dem sich der höchstmögliche, stabile Takt für eine bestimmte Spannungsstufe finden lässt. Der Nutzer wählt hier eine Zielspannung. Die Software testet automatisch aufwärts, bis der höchste stabile Takt gefunden wurde. Kommt es zum Absturz, wird der Takt schrittweise wieder reduziert. Der letzte stabile Punkt wird dann nochmals geprüft.
NV-UV lädt zum Herumspielen ein
Ja, das Thema Undervolting ist nicht neu – weder bei den GPUs (sei es AMD oder NVIDIA), noch bei den Prozessoren. Einfache Schritte, die Hardware effizienter arbeiten zu lassen, sind schnell gefunden. So lässt sich bei den Grafikkarten schlicht und ergreifend das Power-Limit reduzieren. Bei den Prozessoren hilft es, die TDP-Grenze herunterzusetzen. Das letzte Quäntchen an Leistung bedeutet auch meist, dass überproportional viel Strom und Spannung notwendig sind, damit die Chips auch stabil arbeiten.
Dabei haben AMD, NVIDIA und Intel bereits Mittel und Wege gefunden, ihre Hardware möglichst effizient betreiben zu können. In Abhängigkeit von vielen Parametern wird der maximal mögliche Takt bestimmt. Über einen Kamm scheren lassen sich die Chips schon lange nicht mehr. Die Hersteller schöpfen bereits ein gewisses Potenzial aus, aber es bleibt auch immer noch etwas übrig, mit dem der Nutzer arbeiten kann.
Das NV-UV-Tool macht nichts bahnbrechend neu, aber es verpackt die Funktionsweise des Undervoltings in ein neues Kleid und kann sowohl eine gewisse Einfachheit als auch die gewünschte Komplexität bieten, die von vielerlei Nutzern verlangt wird.