Seite 2: Die Patriot Viper VPR100 im Detail

Von den technischen Merkmalen her betrachtet, bietet Patriot mit der VPR100 keine moderne SSD für das Jahr 2020. Verglichen wir bereits auf der vorherigen Seite das Laufwerk mit der Corsair MP510, die wir im Herbst 2018 getestet haben, kommen wir nicht umhin, die gebotene Hardware einfach als Standard zu sehen. Immerhin waren die BiCS3-Module schon damals nicht mehr wirklich aktuell, können heute aber als "bewährt" beschrieben werden - eine Wertung, die wir heute auch für den genutzten Phison E12 verwenden würden. Mit PCIe Gen3 wird zudem auch nicht der aktuelle Standard genutzt. 

Allerdings wirkt die Frage nach den maximalen Leistungswerten und genutzten Techniken fast schon uninteressant angesichts von RGB und natürlich vor allem der Einschränkung, die Patriot klein ins Datenblatt anhängt. Unser Fokus liegt daher zunächst einmal auf der Beleuchtung an sich. Mit 16,8 Millionen Farben und einer Steuerung per Mainboard oder zusätzlicher Software soll die VPR100 das Gehäuse zum Leuchten bringen oder sich eben in ein bestehendes RGB-Setup einfinden. In unserem neuen Testsystem, mit dem wir für zukünftige PCIe4-Tests vorbereitet sind, konnten wir die SSD leicht passend zum verwendeten Wraith-Prism-Kühler und Patriot Viper RGB DDR4-3200 Arbeitsspeicher einfügen. Gesteuert durch das ASUS TUF Gaming X570-Plus, war die Inbetriebnahme der Beleuchtung kein Problem.

Haben wir aufgrund der Angabe Patriots nach Inbetriebnahme des Systems also bereits Schlimmes erwartet, wurden wir zunächst positiv überrascht. Im verwendeten Enermax Saberay nutzen wir neben der genannten Hardware lediglich die in der Front vorinstallierten, gedrosselten Lüfter, die einen leichten Luftzug von vorne nach hinten erzeugen. Doch schon das scheint dem Aluminiumgehäuse der VPR100 zu reichen. Nach einigen Minuten in Windows und leichtem Office-Betrieb bleibt die SSD bei etwa 33°C, während bereits unsere als Systemlaufwerk genutzte Samsung 960 EVO versteckt durch die Grafikkarte bei 41°C also deutlich wärmer ihre Speicherzyklen abarbeiten muss. Zumindest in einem normalen Idle-Zustand zeigen sich also keine negativen Auffälligkeiten. Spannender wird also unser erster Stresstest, bei dem wir die NVMe-SSD auf ihr temperaturbedingtes Verhalten testen.

Tatsächlich drosselt also die VPR100. Etwa bei Überschreitung der 65°C-Marke brechen die Messwerte von etwa 2.880 MB/s auf 2.400 MB/s ein, wobei dann auch die Temperatur im Test konstant blieb. Dies ist insofern auf zwei Arten positiv zu bewerten: zum einen sind die immer noch erzielten 2.400 MB/s ein sehr guter Wert, den wir bei den meisten SSDs gar nicht erst erreichen, zum anderen tritt der Effekt erst nach über vier Minuten auf, also zu einem Zeitpunkt, an dem die SSD bereits eine hohe Arbeitslast bewältigt hat. Ob also nach mehr als 700 geschriebenen Gigabyte die Leistung nun etwas einbricht, dürfte den meisten Anwendern nicht sonderlich beeinflussen.

Dennoch wollen wir natürlich den Test auch ohne aktives RGB durchführen.

Ohne aktives RGB-Feature zeigt sich das erwartet Bilde. Der verbaute Aluminiumkühlkörper verrichtet seine Arbeit zuverlässig und bereits der leichte Luftstrom im Gehäuse reicht aus, um das Laufwerk nachhaltig zu kühlen. Nach fünf Minuten und und damit einer Schreiblast von etwa 864 GB war die kritische Marke noch nicht erreicht, auch bei den Gegentests danach mittels CrystalDiskMark und AS SSD (inkl. Kopierbenchmark) konnten wir ohne aktive Beleuchtung nie die Grenze von etwa 65°C (und damit eine Drosslung) erreichen. Anders hätte dies selbstverständlich im unteren M.2-Slot ausgesehen, da hier die Grafikkarte eine gute Luftzufuhr beschränkt. Allerdings haben wir von einem solchen zusätzlichen Test aufgrund fehlender Sinnhaftigkeit abgesehen. Schließlich dürfte kaum jemand überhaupt Interesse an einer RGB-SSD haben, wenn er sie anschließend hinter der Grafikkarte verstecken muss. Auch erschien es uns nicht sinnvoll, die Frischluftzufuhr des Gehäuses auf ein unrealistisches Minimum zu reduzieren. Bei dem verwendeten Setup haben wir bereits einen bestenfalls durchschnittlichen Airflow, der sich mit einem leisen zusätzlichen Gehäuselüfter erheblich optimieren ließe. 

Nachdem wir bereits aufgrund der vergleichbaren Konfiguration die Corsair MP510 mehrmals erwähnt haben, entdecken wir auch im SLC-Cache-Benchmark ein vertrautes Bild. Zwar kann die Patriot Viper VPR100 zunächst mit etwa 3.000 MB/s positiv auf sich aufmerksam machen, doch bricht sie ähnlich wie das Corsair-Modell bereits nach etwa 25 GB auf ungefähr 1.000 MB/s ein. Damit performt die Patriot besser als die beliebte Corsair, da diese beim Versuch, den SLC-Cache zu leeren, ins Stottern gerät. Verglichen mit moderneren SSDs, die wir zuletzt getestet haben, ist der SLC-Cache also relativ klein. Dies bremst die Leistungsfähigkeit zumindest im Optimalen, nicht stark gefüllten Zustand. Insgesamt überraschen uns die Werte allerdings nicht, die Patriot gehört damit insgesamt zu den besseren TLC-Laufwerken, die wir testen konnten. 

Selbes gilt auch für die TBW-Angaben, bei denen Patriot die VPR100 zwar nicht ganz auf das Niveau der MP510 hebt, die aber dennoch überdurchschnittlich und in Anbetracht der fünf Jahre Garantie auch positiv zu lesen sind.

Maximale Schreiblast

Modell

120 - 128 GB240 - 280 GB400 - 512 GB800 - 1.024 GB1.500 - 4.000 GB>4.000 GB
Patriot Viper VPR100
380 TB
800 TB1,6 PB
3,1 PB
Kingston KC2000
150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
Seagate FireCuda 510
---1,3 PB
2,6 PB
-
Intel Optane SSD 905P--8,76PB17,52 PB27,37 PB-
Western Digital WD Black SN750-200 TB300 TB
600 TB1,2 PB
-
Samsung SSD 970 EVO Plus--300 TB
600 TB
1,2 PB
-
Samsung SSD 860 EVO-150 TB
300 TB
600 TB
1,2 PB
2,4 PB
Samsung 970 PRO
--600 TB
1,2 PB
--
Corsair MP510-400 TB
800 TB
1,7 PB
3,12 PB
-