Seite 13: Fazit

Die Leistung des Xeon W-3275 muss man aus zweierlei Gesichtspunkten betrachten: Auf der einen Seite haben wir 28 Kerne der Cascade-Lake-Architektur. Obwohl Intel hier aus der Fertigung in 14 nm das Maximum herausholen kann, muss man für den Xeon W-3275 in dieser Hinsicht ein paar Einschränkungen machen. So ist aus der Tabelle auf der ersten Seite zu entnehmen, dass er nur für die Verwendung von einem bis vier Kernen schneller als der Xeon W-3175X ist. Werden mehr Kerne verwendet, hat der Xeon W-3175X aufgrund des größeren Power-Budgets einen höheren Takt zu bieten. Ein Xeon Platinum 8280 taktet unter Verwendung vieler bzw. aller Kerne in etwa so wie ein Xeon W-3275. Bei wenigen Kernen hat die Workstation-Variante aber deutliche Vorteile.

Dies zeigt sich dann auch in den Benchmarks. Der Xeon W-3275 punkten bei Anwendungen, die bis zu vier Kerne verwenden. Bei allen Anwendungsbereichen, die darüber hinaus gehen, ist der Xeon W-3175X im Vorteil, Er kann seine vielen Kerne einfach viel höher takten und erreicht damit eine höhere Leistung. Natürlich muss sich der Xeon W-3275 aber vor allem harter Konkurrenz aus dem Hause AMD erwehren. Dies trifft sowohl für den Ryzen Threadripper 3960X mit 24 Kernen, vor allem aber für den Ryzen Threadripper 3970X mit 32 Kernen zu. Gerade wenn wir auf das Workstation-Segment schauen, hat es der Xeon W-3275 nun wahrlich nicht leicht.

Intel Xeon W-3275

Dort wo der Xeon W-3275 punkten kann, ist in Anwendungen, wo die DL-Boost-Beschleunigung von Relevanz ist. Dazu verwendet Intel die AVX512VNNI-Befehlserweiterungen. Wie bei allen solchen Erweiterungen muss die Software dafür natürlich angepasst sein. Mehr und mehr fressen sich solche Beschleunigungen aber in die klassischen Workstation-Anwendungen hinein. PyTorch ist als Deep-Learning-Plattform ein Beispiel dafür, aber gerade im AI-Bereich gibt es bereits zahlreiche Anwendungen, die von DL-Boost profitieren können. OSPRay und das Open Image Denoise sind ebenfalls eingängige Beispiele.

Der Leistungsunterschied ist hier signifikant. Wir sprechen von der vierfachen bis fast zehnfachen Leistung des Xeon W-3275 gegenüber dem Xeon W-3175X. Die Reduzierung der Dauer für die Berechnungen sind hier das Argument im professionellen Umfeld, wo die Arbeits- und Renderstunde einen signifikanten Anteil an den Kosten haben. Da darf ein Prozessor auch gerne ein paar tausend Euro kosten. Unter Verwendung von AV512 reduzierter der Prozessor seinen Takt auf bis zu 2,5 GHz und ist dennoch entsprechend schnell. Die Leistungsaufnahme spielt dann natürlich auch eine Rolle. Die 205 W hält der Xeon W-3275 auf Dauer, in der Spitze sind aber 250 W und mehr möglich.

Man muss sich der Vorteile des Xeon W-3275 schon sehr genau bewusst sein, um die fast 5.000 Euro rechtfertigen zu können. In den meisten Anwendungsbereichen im Workstation-Segment sieht Intel derzeit gegen AMD einfach kein Land. Legt man es dediziert auf die DL-Boost-Beschleunigung an, führt am Xeon W-3275 allerdings kein Weg vorbei. Man muss sich die verwendeten Anwendungen in diesen Bereich aber sehr genau anschauen und auf Basis dessen dann eine Entscheidung für die Hardware fällen. Dazu muss man auch die entsprechende Plattform mit ins Auge fassen. Während AMD hier bereits PCI-Express 4.0 anbieten kann, muss man bei Intel noch mit PCI-Express 3.0 Vorlieb nehmen. Aber bei den Workstations spielt auch die Stabilität der Plattform eine Rolle – ECC, BIOS, Treiber, etc. pp. spielen also auch eine Rolle.

Positive Aspekte des Xeon W-3275:

  • Leistungsaufnahme hält sich in Grenzen
  • hohe DL-Boost-Leistung
  • hoher 1C- bis 4C-Boost-Takt

Negative Aspekte des Xeon W-3275:

  • in Multi-Threaded-Anwendungen langsamer als der Xeon W-3175X
  • Plattform bietet nur PCI-Express 3.0
  • hoher Preis