Seite 14: Fazit

Orientiert man sich am gerade einmal ein Jahr alten Fazit zur ersten Ryzen-Generation, sind Ryzen 5 2600X und Ryzen 7 2700X ein Stück weit enttäuschend. Denn schrieben wir im März 2017 noch „Endlich mal ein CPU-Test, der Spaß gemacht hat, da wir mal nicht nur 10 % Performancesteigerung messen konnten", ist genau das nun eingetreten. Im Produktiveinsatz liegt das Leistungsplus grob bei 8 %, in Spielen bei etwa 4 %.

Doch was nach Intel-typischen Minischrittchen aussieht, ist dem im Jahr 2017 vollzogenen Architekturwechsel geschuldet. Auf den folgt mit Zen+ nun der Feinschliff, was die - im Vergleich zum vergangenen Jahr - geringeren Fortschritte erklärt. Dass AMD erneut große Sprünge macht, war nicht zu erwarten. Wichtiger dürfte es der Chip-Schmiede gewesen sein, die Lücke gegenüber der Intel-Konkurrenz zu verringern oder gar zu schließen. Den Messungen nach ist das zu einem großen Teil gelungen, auch wenn alte Schwächen nach wie vor anzutreffen sind.

Eine solche ist erneut die Single-Thread, bzw. Single-Core-Performance. Dank höherer Taktraten, der höheren IPC sowie dem schnelleren RAM landet der Ryzen 7 2700X etwa 8 respektive 19 % vor seinen beiden Vorgängern Ryzen 7 1700X und Ryzen 7 1800X. Beim Ryzen 5 2600X liegt das Plus gegenüber dem Ryzen 5 1600X zwischen 5 und 10 %. Betrachtet man das Intel-Lager, liegen ein Core i5-8400 oder Core i5-7600K auf dem gleichen Niveau. Allerdings positioniert AMD selbst den Ryzen 7 2700X gegen den Core i7-8700K, den Ryzen 5 2600X gegen den Core i5-8600K. Doch die rechnen in solchen Fällen nach wie vor um bis zu 20 % schneller, nur in sehr wenigen Einzelfällen wird so etwas wie Gleichstand erreicht.

Bemerkbar macht sich das aber nicht nur, wenn vom Nutzer dediziert nur wenige Threads oder Kerne genutzt werden, sondern in erster Linie in Spielen. Die sind meist noch immer nur auf den Betrieb mit wenigen Kernen ausgelegt - wenn überhaupt. Entsprechend liegt Intel hier weiterhin vorn, wenn auch nur in Messungen. Denn in der Praxis dürfte der Unterschied, der durchschnittlich im mittleren einstelligen Prozentbereich liegt, keine wirkliche Rolle spielen. Läuft ein Spiel auf einem Core i7-8700K flüssig, wird dies auch mit einem Ryzen 7 2700X der Fall sein.

Ein anderes Problem, das AMD auch mit der zweiten Ryzen-Generation nicht los wird, ist der Energiebedarf. Zwar spricht man aufgrund der verkleinerten Struktur und anderen architektonischen Veränderungen von 10 bis 15 % weniger Energie, die bei gleichem Takt abgerufen wird, in der Praxis ist das aber nicht immer spürbar. Hier ist eher das Gegenteil der Fall. Denn werden Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X gefordert, genehmigen sie sich einen größeren Schluck aus der Pulle als ihre Vorgänger. Das geht zwar auch mit einer Performancesteigerung einher, das Ziel hätte aber auch hier eigentlich Parität mit Intel sein müssen.

Im Gegenzug dürfte Intel an der Multi-Thread-Leistung der zweiten Ryzen-Generation zu knabbern haben. Die direkten Konkurrenten lassen Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X deutlich hinter sich, wenn alle Kerne zum Einsatz kommen können. Ein Plus von 25 und 32 % in Cinebench 15 ist eine klare Ansage, auch wenn das nur ein Einzelfall ist. In der Regel rechnen die neuen AMD-Prozessoren hier 5 bis 10 % schneller.

Das liegt aber nicht nur an der höheren Zahl der Kerne respektive Threads, sondern auch am Taktverhalten bei hoher Gesamtlast. Hier kommt Precision Boost 2 zum Zuge, wenn denn die Kühlleistung ausreichend hoch ist. Selbst bei Nutzung aller Kerne bleibt der Takt nun auf einem vergleichsweise hohen Niveau. XFR 2 spielt hingegen, wie schon die erste Generation, keine Rolle. Nicht nur, dass die zusätzliche Boost-Funktion in vielen Szenarien überhaupt nicht nachgewiesen werden konnte: Ein kurzzeitiges Plus von 50 MHz bringt keine nennenswerte Mehrleistung.

Wie gut sich die zweiten Ryzen-Generation für Overclocking-Versuche eignet, hängt den Erfahrungen zufolge, stark vom Umfang ab. Das Steigerungspotential mit Hausmitteln wie einer leicht zu installierenden AiO-Wasserkühlung lag bei den Testmustern im unteren Bereich, wer zu aufwendigeren Kühllösungen greifen kann und will, dürfte weitaus mehr aus den Prozessoren herausholen können. Overclocking-Neulinge dürfen sich jedoch über schnelle Fortschritte und eine eher flache Lernkurve freuen, offene Multiplikatoren und das AMD-Tool Ryzen Master sind an dieser Stelle sehr hilfreich.

Ob am Ende der Griff zu Ryzen 7 2700X und Ryzen 5 2600X oder zu den Intel-Konkurrenten der bessere ist, hängt stark vom Einsatzgebiet ab. Soll der Rechner vor allem für leistungshungrige Produktivanwendungen genutzt werden, ist die zweite Ryzen-Generation die erste Wahl. Je wichtiger jedoch das Thema Effizienz oder Single-Thread-Performance wird, desto interessanter werden Core i7-8700K und Core i5-8600K. Geht man von einer gemischten Nutzung aus, liegen AMD und Intel auf dem gleichen Niveau - die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Tests. Ob man sich dann für Ryzen 7 2700X oder Ryzen 5 2600X entscheidet, hängt von den tatsächlicher Erfordernissen sowie vom Geldbeutel ab. Eine leichte Tendenz geht allerdings in Richtung des Ryzen 5 2600X, da dieser weit weniger Energie benötigt, aber dennoch in vielen Fällen mehr als genügend Performance bietet.

Preislich spielen die beiden neuen AMD-Prozessoren in der gleichen Liga wie die Konkurrenz aus dem Hause Intel. Stand Mitte April trennten die Prozessoren nur wenige Euro, entscheidend ist am Ende deshalb das gesamte Investitionsvolumen. Steht ein kompletter Plattformwechsel an, dürfte die zweite Ryzen-Generation im direkten Vergleich günstiger sein. Gleiches gilt selbstverständlich auch für den Fall, das bereits ein AM4-Mainboard vorhanden ist. Ein Wechsel von der ersten zur zweiten Ryzen-Generation ist jedoch überflüssig, die Sinnhaftigkeit eines Wechsels von Intel zu AMD hängt stark von der Ausgangslage ab.

Positive Aspekte des AMD Ryzen 7 2700X:

  • hohe Multi-Thread-Leistung
  • offene Multiplikatoren
  • Precision Boost 2 sorgt für ein höheres Taktniveau
  • mitgelieferter Wraith Prism mit hoher Kühlleistung

Negative Aspekte des AMD Ryzen 7 2700X:

  • hoher Energiebedarf unter Volllast
  • Schwächen im Single-Thread-Einsatz
  • Leistungsplus wird zum Teil durch höhere TDP erkauft

Positive Aspekte des AMD Ryzen 5 2600X:

  • hohe Multi-Thread-Leistung
  • offene Multiplikatoren
  • Precision Boost 2 sorgt für ein höheres Taktniveau

Negative Aspekte des AMD Ryzen 5 2600X:

  • Schwächen im Single-Thread-Einsatz