Seite 3: Taktüberlegungen und Overclocking

Bei einem Blick auf die Spezifikationen werden schnell ein paar Vorteile von Threadripper gegenüber Ryzen sichtbar: Natürlich hat Threadripper mehr Cores, aber wenn AMD die "Top 5%" der Ryzen-Dies in Threadripper verwendet, dann ist es auch wahrscheinlich, dass sich diese besonders gut übertakten lassen. Sichtbar wird dies bereits am höheren XFR-Takt, der mit bis zu 4,2 GHz höher liegt als bei Ryzen. Da zwei Cores pro Die diese Taktrate erreichen, könnten davon auch Anwendungen deutlich profitieren, die eben nur mit vier Kernen / acht Threads betrieben werden können. Ryzen-Prozessoren können hingegen nur zwei Kerne / vier Threads mit dem höheren XFR-Takt befeuern.

Testen werden wir dies aber nicht mit den aktuellen Threadripper-Prozessoren, die mit 12 oder 16 Kernen dann doch eher für Multithreading-Anwendungen ausgelegt sind. Ein heisses Eisen könnte aber der anstehende Threadripper 1900X werden, der mit acht Kernen ausgestattet ist. Im Vergleich zu Intels Core i7-7740X (Kaby Lake X) ist der Threadripper 1900X aber nicht so sehr beschnitten, dass er keinen Sinn mehr macht: Intel klaut dem kleinsten Core X ja bekanntlich diverse Features, unter anderem diverse PCI-Express-Lanes.

Der Threadripper 1900X hingegen hat weiterhin seine 64 PCIe-Lanes, dafür aber vier Cores, die mit dem hohen XFR-Takt arbeiten können. Auch die Boost-Taktraten sind die höchsten der Threadripper-Modelle. Mit einem Preis von knapp über 500 Euro ist er zwar fast 100 Euro teurer als ein Ryzen 7 1800X, kann jedoch auf die X399-Plattform zurückgreifen und bietet aufgrund des höheren Taktes, des Quad-Channel-Interfaces und der vielen PCie-Lanes sicherlich eine interessante Lösung. Unsere Idee, bevor wir ihn in den Händen gehalten haben: Man nehme einen 1900X, übertakte ihn und bastele ein schönes Multi-GPU-System damit...

Overclocking-Versuche

Für die Übertaktungsversuche zogen wir sowohl den Threadripper 1950X wie auch den Threadripper 1920X heran und übertakteten beide auf einem ASUS X399 Zenith Extreme. Wie immer bei Launch-Tests müssen wir jedoch darauf hinweisen, dass unser Focus nicht auf einem ausführlichen Overclocking-Test liegen kann. Zum einen ist dies zeitlich vor einem Launch immer nur schwer möglich, des Weiteren sind die verwendeten BIOS-Versionen oftmals auch noch nicht in der Lage, ein optimales Ergebnis zu erreichen. Insofern handelt es sich bei unseren Tests zunächst einmal um eine vorsichtige Prognose.

AMDs Ryzen-Prozessoren konnten wir in den letzten Monaten eigentlich immer in die Richtung von 3,8 bis 4,0 GHz bringen. Einige wenige Modelle erreichten auch die 4,1 GHz ohne Probleme - und im Forum fanden sich tatsächlich auch einige wenige Nutzer, die noch mehr Glück beim Übertakten hatten.

Unsere Threadripper-Prozessoren konnten wir etwas besser übertakten. Der kleinere 1920X kam auf stabile 3,9 GHz, der größere 1950X auf sogar 4,0 GHz. Dabei konnten wir beide Prozessoren aber wahrscheinlich noch nicht richtig ausreizen, da Spannungsveränderungen vom Mainboard praktisch keine Auswirkungen auf eine bessere oder schlechtere Performance hatten. Ergo könnte entweder das Übertakten durch eine fehlerhafte Spannungsimplementierung ausgebremst werden, oder es limitiert bei uns ein anderer Faktor.

Mit dem Threadripper 1950X testeten wir auch höhere Taktfrequenzen und kamen immerhin auf Cinebench-Durchläufe bei 4.125 MHz, die aber bei Standardspannung nicht hundertprozentig stabil liefen. Insofern lässt sich wohl vermuten, dass sich die Threadripper-CPUs etwas besser übertakten lassen, als die vergleichbaren Ryzen-Modelle.

Übertaktet man den Speicher auf 3.200 MHz, so bekommen beide CPUs noch einmal einen ordentlichen Extra-Schub Performance:

Knapp 64 GB/s Bandbreite sind beachtlich - bei CL16-16-16-36 und 1t Command Rate. AMDs Quad-Channel-Speicherinterface sollte also gerade bei speicherintensiven Anwendungen zu einem Performance-Plus führen.

Insgesamt konnten wir bei 4,0 GHz mit dem Threadripper 1950X mit 3.200 MHz Speichertakt 3.351 Cinebench-Punkte erreichen - ein gleich teurer Core i9-7900X (natürlich nicht übertaktet) wird damit um 60 % übertroffen.

In der Konfiguration ohne Spannungserhöhung verbrauchte das Komplettsystem fast 400 Watt (obwohl weiterhin 1,325V Spannung gemeldet wurden) - und das durch Cinebench ausschließlich über die CPU. Die Temperatur des Prozessors (Tdie) konnten wir bei mehrmaligen Durchläufen auf bis zu 86 °C steigern, ohne dass ein Throtteling begann oder die CPU instabil wurde. Eine gute Kühlung ist aber natürlich Pflicht, die Wasserkühlung für unseren Overclocking-Vergleich (eine Thermaltake Floe Riing 360) reichte wohl gerade noch aus. Zum Vergleich: Bei normalen Taktraten erreichten wir unter Last selten über 60 Grad.

Natürlich kann man auch etwas Undervolten und die Spannung des Prozessors absenken, um Strom zu sparen. Beim Standardtakt gelang uns dies mit -0,1V Offset-Spannung, so verbrauchte der Threadripper 1950X ungefähr genauso viel Strom wie ein Core i9-7900X - mit sechs Kernen mehr.

Weitere Overclocking-Tests - und auch ausführliche Tests zu den Temperaturen, Verbrauch beim Overclocking oder auch Fragen, ob es besser ist, einen Kühler zu verwenden, der möglichst den kompletten Heatspreader abdeckt, werden wir in den nächsten Wochen in speziellen Artikeln nachreichen.