Seite 4: Synology DSM 6.0 Beta - Snapshot und Replikation

Neu in DSM 6.0 ist der Bereich "Schnappschuss und Replikation", welcher sich mit einer weiteren Art der "Datensicherung" beschäftigt. Datensicherung ist hier vielleicht das nicht das exakte Wort, denn die Daten werden nicht wie bei einem Backup auf einem anderen Datenträger gespeichert, sondern es werden auf demselben Datenträger mehrere Versionen des Datenbestands gespeichert. Dazu werden Funktionen des Dateisystems "btrfs" genutzt, die jegliche Veränderungen am Datenbestand protokollieren können und so ein vollständiges Rollback ermöglichen. Die gezielte Wiederherstellung einer älteren Version einer bestimmten Datei ist darüber allerdings auch möglich.

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Das Modul Schnappschüsse in DSM 6.0 Beta 2

Der große Vorteil eines "Snapshots" ist der im Vergleich zu klassischen Backups nur minimale Ressourcenverbrauch. Ein Snapshot eines gesamten Volumes dauert überlicherweise nur Sekunden und lässt sich somit problemlos in kurzen Zeitabständen automatisiert durchführen. Dies ist möglich, weil btrfs als "Copy-on-write"-System Daten bei Änderungen nicht überschreibt, sondern immer in neuen Blöcken auf dem Datenträger speichert und bei Erfolg dann nur die Metadaten, quasi die "Verlinkung" im Dateisystem, entsprechend anpasst. Die "alten" und nicht mehr referenzierten Blöcke werden dann irgendwann überschrieben, sofern sie im Dateisystem nicht als Teil eines Snapshots vermerkt sind. Bei der Erstellung eines Snapshots müssen also nicht wie bei normalen Backups die eigentlichen Daten analysiert und an anderer Stelle neu geschrieben werden. Das "Speichern" der Daten erfolgt quasi innerhalb des Dateisystems selber, und dessen "Meta-Daten" sind im Vergleich zu den eigentlichen Daten sehr klein.

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Die Snapshots werden pro Freigabeordner konfiguriert.

btrfs wird in vielen Bereichen als Nachfolger des im Linux-Bereich als Standard-File-Systems genutzten "ext4" gehandelt, welches bislang auch auf allen (Consumer-)DiskStations zum Einsatz kommt. Synology führt seit einiger Zeit btrfs auf DiskStations des gehobeneren Segments ein, also aktuellen "Plus"-Modellen mit Intel-CPUs. Bislang waren es die DS716+ und jetzt die DS216+, mit DSM 6.0 wird auch beispielsweise unsere für den Test genutzte DS415+ mit btrfs als Standard-File-System ausgerüstet.

Was im Gegenzug bedeutet, dass die meisten Diskstation-Modelle vorerst kein btrfs nutzen können und sie somit auch nicht das Modul "Schnappschuss und Replikation" haben werden. Die Replikation in DSM 6.0 dient jetzt aber der Synchronisierung von Daten inkl. den Schnappschüssen zwischen Servern, hat daher eine andere Aufgabe im Kontext des btrfs-Dateisystems. Auch wenn btrfs viele Vorzüge hat, im Raum steht ebenfalls ein höherer RAM-Bedarf und die Tatsache, dass sich über den Status von btrfs in der Linux-Welt - stable oder nicht - teilweise noch gestritten wird.

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Snapshots lassen sich aufrund des niedrigen Ressourceverbrauchs häufiger als ein Backup planen.

Die Nutzung der Snapshot-Funktion ist in DSM 6.0 ist recht einfach. Die Snapshots werden basierend auf den Freigabeordnern gemacht, d.h. es lässt sich individuell pro "Gemeinsamen Ordner" festlegen, ob und wie für diesen Snapshots erstellt werden sollen. Die Schnappschüsse lassen sich manuell auslösen oder entsprechend automatisiert nach flexiblen Zeitplänen.

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Die Aufbewahrungregeln für Schnappschüsse können ebenso angepasst werden.

Weiterhin kann festgelegt werden, wie die getätigten Snapshots gespeichert bzw. wann sie wieder verworfen werden. Es lassen sich - genügend Speicherplatz vorausgesetzt - pauschal alle aufbewahren, nur die 1.024 letzten oder es lässt sich auch eine maximale Anzahl je nach "Alter" definieren, womit man die zeitliche Auflösung anpassen kann. Ähnlich wie bei inkrementellen Backups ist es bei Schnappschüssen so, dass wenn sich keine Daten geändert haben, auch nichts gespeichert werden muss. Auf kleinen Datenträgern mit sich häufig ändernden Daten stellt sich natürlich die Frage, wie viele Snapshots tatsächlich vorgehalten werden können, bis irgendwann "etwas" voll ist. Bei typischer NAS-Nutzung sollte das aber eher kein Thema sein.

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Die Snapshots können auch einzeln geschützt werden.

Auf die alten Schnappschüsse lässt sich über den Punkt Schnappschussliste bei Schnapschüsse oder den Menüpunkt Wiederherstellung zugreifen. Snapshots können an Ort und Stelle (=Gemeinsamer Ordner) komplett zurückgespielt werden, was natürlich alle danach geänderten Daten in diesem Ordner ins Nirvana befördert. Praktischer ist sicher, den Snapshot als neuen Ordner unter neuem Namen wiederherzustellen, oder den betreffenden Snapshot gezielt nach den benötigten Dateien zu durchsuchen und diese dann separat zu speichern.

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Die Snapshots können komplett oder dateibasierend wiederherstellt werden.

Des Weiteren findet sich noch unter Replikation die Möglichkeit, auch Schnappschüsse zwischen zwei Synology-NAS-Systemen zu synchronisieren, welche logischerweise auf beiden Systemen das btrfs-System erfordert. Um die Datenmengen bei einer ersten Replikation besser bewältigen zu können, kann diese auch physisch per externem Datenträger von einem Standort zum anderen übertragen werden.