Seite 27: Fazit

Die GeForce RTX 3080 Ti hatte in unserer Bewertung vor allem damit zu kämpfen, dass sie mit 1.199 Euro im Vergleich zur GeForce RTX 3080 einfach zu teuer ist. NVIDIA hätte sich einen großen Gefallen getan, sie mit 999 Euro deutlich aggressiver zu positionieren. In Anbetracht des aktuellen Preisgefüges am Grafikkartenmarkt wäre dies aber ohnehin nur ein Feigenblatt gewesen. Aus Sicht der Leistung gibt es für eine GeForce RTX 3080 Ti aber zumindest einige Argumente, die für seine solche Karte sprechen.

Der letzte Satz macht sicherlich schon deutlich, wohin uns dies für die GeForce RTX 3070 Ti führt. Während es einen signifikanten und deutlichen Unterschied zwischen der GeForce RTX 3080 und dem Ti-Modell gibt, sind es für die GeForce RTX 3070 und das dazugehörige Ti-Modell nur 4,3 % mehr Funktionseinheiten in der GPU, aber immerhin 35,7 % mehr Speicherbandbreite. Diese Vorgaben setzten die getesteten Modelle der GeForce RTX 3070 Ti in 5 bis 20 % mehr Leistung um, wobei die 20 % eher die Ausnahme sind und wir im Schnitt von 10 % ausgehen sollten. Zugleich aber hebt NVIDIA die TDP von 220 W (GeForce RTX 3070) auf 290 W (GeForce RTX 3070 Ti) an - ein Plus von 32 %! Auch wenn wir also von optimalen Leistungszuwächsen ausgehen, so müssen wir zugleich auch immer, die um mehr als 30 % höhere Leistungsaufnahme im Hinterkopf behalten. NVIDIA betreibt die GA104-GPU auf der GeForce RTX 3070 Ti also weit außerhalb des idealen Fensters auf der V/F-Kurve.

Die Zielsetzung, eine Karte näher an der Radeon RX 6800 von AMD zu positionieren, erreicht NVIDIA mit der GeForce RTX 3070 Ti. Aber man darf sich die Frage stellen, zu welchem Preis dies gelungen ist bzw. welche Maßnahmen hier ergriffen wurden, um dieses Ziel zu erreichen.

Zusammenfassend muss man sich eben fragen, was NVIDIA mit der GeForce RTX 3070 Ti letztendlich bezweckt. Vermutlich hat man viele gute GA104-GPUs, die man eben hier zum Einsatz bringen kann. Eine bessere Position gegenüber dem Konkurrenten AMD wäre aber sicherlich nicht notwendig gewesen, denn dafür ist der Abstand zur GeForce RTX 3070 häufig zu klein. Da der Aufpreis für das Ti-Modell aber stimmt, können wir darin auch keinen Kritikpunkt sehen. Der Käufer muss letztendlich entscheiden, ob ihm eine GeForce RTX 3070 ausreicht oder er zur GeForce RTX 3070 Ti greifen möchte.

Die Raytracing-Leistung der GeForce RTX 3070 Ti sowie die Unterstützung von DLSS sind ein Argument, welches grundsätzlich eher für NVIDIA spricht. Wer die entsprechenden Effekte gerne nutzt und das DLSS verwendet, um die FPS wieder auf das notwendige Niveau zu hieven, der findet bei NVIDIA die besseren Argumente. Die Broadcast-App und Reflex können ebenfalls Faktoren sein, die einen Käufer eher zum NVIDIA-Ökosystem bewegen.

Positive Aspekte der GeForce RTX 3070 Ti:

  • schnellere Speicheranbindung
  • Aufpreis passt zum (geringen) Leistungsplus

Negative Aspekte der GeForce RTX 3070 Ti:

  • geringes Leistungsplus gegenüber der GeForce RTX 3070
  • hohe Leistungsaufnahme

Ab morgen 15:00 Uhr geht die GeForce GTX 3070 Ti in den Handel. Wir werden sehen, wie lange es dieses Mal dauert, bis auch dieses Modell ausverkauft ist bzw. welche Preise die Händler aufrufen werden.

NVIDIA GeForce RTX 3070 Ti Founders Edition

Die GeForce RTX 3070 Ti in der Founders Edition von NVIDIA trifft also das vom Hersteller angepeilte Leistungsziel. Die Leistungsaufnahme von knapp über 300 W haben wir bereits angesprochen und auch wenn wir für die Founders Edition die höchsten Temperaturen aufgezeichnet haben, problematisch sind diese aus technischer Sicht nicht. Der an die GeForce RTX 3070 Ti angepasste Kühler kommt hinsichtlich der Lautstärke dem Modell für die GeForce RTX 3080 recht nahe, was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn die Abwärme ist nicht viel geringer.

Das Design der Founders Edition gefällt oder eben nicht. In jedem Fall ist es zurückhaltend und NVIDIA verzichtet auf RGB-Effekthascherei. Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend und dem 12-Pin-Anschluss können wir inzwischen einiges abgewinnen. Zwingend notwendig ist er aber aber natürlich weiterhin nicht. Beim Preis von 619 Euro scheiden sich sicherlich wieder die Geister. Die GeForce RTX 3070 Founders Edition kostet, wenn man sie denn zum geplanten Einstiegspreis bekommt, 519 Euro. Der Aufpreis zur GeForce RTX 3070 Ti passt zum Leistungsplus und somit hat NVIDIA den Preis hier ganz gut angesetzt. Es bleibt die Frage nach der Notwendigkeit und den Maßnahmen (Stichwort hohe Leistungsaufnahme) die man ergreifen musste, um in der Leistung dort zu landen, wo man hinwollte.

Gigabyte GeForce RTX 3070 Ti Eagle

Die GeForce RTX 3070 Ti Eagle ist das Einstiegsmodell von Gigabyte zu dieser Serie und damit ist auch hier eine UVP von 599 Euro angepeilt. Da die Leistung nahezu identisch mit der Founders Edition ist, kommen wir aus Sicht des Preis/Leistungsverhältnisses auf die gleiche Einschätzung wie zuvor schon.

Aber Gigabyte muss man zugutehalten, dass sie es schaffen die Temperaturen deutlich niedriger zu halten und auch die Lautstärke ist ein Punkt, der für diese Karte anstelle der Founders Edition spricht. Die Karte bzw. der Kühler haben dazu aber auch entsprechende Abmessungen und einige mag die kompaktere Founders Edition besser befallen. Dieser merkt man aber an, dass sie mit den etwa 300 W an Abwärme aber etwas überfordert ist. Diesen Eindruck haben wir bei der Gigabyte GeForce RTX 3070 Ti Eagle nicht. Ansonsten verzichtet Gigabyte auch auf weiteren Schnick-Schnack und liefert eine solide Karte ab. Die Problematik der GPU als Basis bleibt und dies ist die deutlich höhere Leistungsaufnahme für ein relativ geringes Leistungsplus.

Inno3D GeForce RTX 3070 Ti X3

Die Inno3D GeForce RTX 3070 Ti X3 schlägt in die gleiche Kerbe wie das Modell von Gigabyte. Auch hier sehen wir mit der X3 das Einstiegsmodell in die GeForce-RTX-3070-Ti-Serie und bei einem Preis von 599 Euro stimmt auch die Positionierung. Ob die Karte am Ende auch für 599 Euro im Handel zu finden sein wird, das steht auf einem anderen Blatt, aber diese Problematik sehen wir für alle Karten, die nicht direkt vom Hersteller vertrieben werden.

Auch beim Modell von Inno3D verzeichnen wir niedrigere Temperaturen, dies geht im Falle der GeForce RTX 3070 Ti X3 aber auch mit einer höheren Lautstärke einher. So ganz hat man das ausgewogene Verhältnis der Karte von Gigabyte also nicht erreichen können. Dafür ist die Leistung hier minimal höher, was sich auf dem Papier schon durch einen etwas höheren Boost-Takt ausdrückt und in der Praxis auch einen gewissen Einfluss zu haben scheint. Immerhin bekommt man ein kleines Leistungsplus zum Einstiegspreis geboten, das muss man der Karte zugestehen. Ansonsten fällt die Inno3D GeForce RTX 3070 Ti X3 durch ihre herrliche Unaufgeregtheit und gute Materialwahl/Verarbeitungsqualität auf.