Seite 5: Praxiseindrücke und Fazit

In der Praxis

Sieht man die MK850 erst einmal als normale mechanische Tastatur, dann kann sie schnell überzeugen. Grundlage dafür sind die bewährten Cherry MX-Switches. Dass aktuell ausschließlich MX Red zur Auswahl stehen, kann man zwar als Einschränkung sehen. Die linearen und leichtgängigen Switches haben aber gerade beim Spielen ihre Stärken und passen entsprechend gut zu einer Gaming-Tastatur. Dazu machen analoge Tasten auch nur mit linearen Switches Sinn.

Zusätzlich profitiert man von der umfangreichen, ja regelrecht beispielhaften Ausstattung der Tastatur. Mit Blick auf die Feature-Liste wird selbst Corsairs üppig ausgestattetes Flaggschiff K95 RGB Platinum teilweise überboten. So wirkt die magnetische und weich gepolsterte Handballenablage der MK850 hochwertiger, das abnehmbare Kabel mit USB Typ-C-Anschluss ist eine flexiblere Lösung und auch der integrierte USB 3.0-Hub ist ein klarer Vorteil. Beide Tastaturen unterscheiden sich auch optisch deutlich voneinander - welches Design man bevorzugt, ist aber dem persönlichen Geschmack überlassen. 

Was die MK850 aktuell als Alleinstellungsmerkmal bieten kann, ist die integrierte Aimpad-Technologie. Die Tasten mit aktivierbarer Analog-Eingabe sind konkret QWER und ASDF, also jeweils die ersten vier Tasten der beiden oberen Buchstabenreihen. Die Aimpad-Technologie ist eine Ergänzung, von der man im Standardbetrieb erst einmal nichts merkt. Denn dafür wird einfach in normale Cherry MX RGB-Switches zusätzlich ein Infrarot-Sensor verbaut, der nur im Aimpad-Betrieb aktiv ist und erfasst, wie weit die Taste jeweils gedrückt wird. Diese Erfassung ist über die gesamten 4 mm Tastenhub der Cherry MX-Switches möglich. Die Aimpad-Technologie wird von Spielen als Xbox 360-Controller gesehen. Entsprechend unterstützen nicht alle Spiele die Technologie, bei manchen Spielen ist der Support auch eingeschränkt. Eine Übersicht unterstützter Spiele bietet die Aimpad-Seite. Nützlich ist auf dieser Seite auch das Tool Aimpad Xbox Controller Test 1.4, das die Eingaben visualisiert.

Mit Aimpad lösen die Tasten nicht einfach einmal aus, sondern ermöglichen stufenlose analoge Eingaben. Sie können so z.B. einen Analogstick ersetzen. Bemerkbar macht sich das vor allem dann, wenn Fahrzeuge gesteuert werden sollen. Denn die sonst übliche binäre Tastensteuerung kann dafür nur ein Notbehelf sein, ein weiches und gleichförmiges Steuern ist schließlich so nicht möglich. Die analoge Steuerung ermöglicht ein feinfühligeres Steuern - allerdings drückt man natürlich trotzdem noch auf mehrere Tasten und bedient nicht einen einzelnen Analogstick. Der Unterschied fühlt sich dann auch gar nicht so gravierend an, wie man vielleicht vermuten könnte. 

Sobald Aimpad aktiviert ist, sind die Standardtastenbelegungen nicht mehr verfügbar. Zum Teil übergeht die Aimpad-Belegung auch wichtige Standardbelegungen in Spielen. Das erste Aimpad-Profil (ab Werk M2) belegt konkret WASD als analogen Stick. Weil GTA V aber regulär die Schultertasten zum Beschleunigen und Bremsen nutzt, kann in M2 zwar gelenkt, aber nicht beschleunigt oder gebremst werden. Für die Fahrzeugsteuerung in GTA V bietet sich deshalb M3 an - A und D entsprechen hier der horizontalen Achse des Analogsticks, W und S hingegen den Schultertasten. Wer in GTA V zu Fuß weiter per WASD unterwegs sein will, wechselt praktisch andauernd zwischen M1 (Standardbetrieb ohne Aimpad) und M3 (ein solcher Profilwechsel wird auch von Aimpad selbst empfohlen). Gerade in GTA V kann man die Ein- und Aussteigen-Animationen dafür gut nutzen - wirklich komfortabel ist der andauernde Wechsel aber nicht. 

Fazit

Cooler Master bringt mit der MK850 ein bemerkenswertes Tastatur-Flaggschiff auf den Markt. Mit Aluminium-Cover, Kunstleder-Handballenablage und freistehenden Tastenkappen wirkt die mechanische Tastatur gleich auf den ersten Blick hochwertig. Und auch die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Besonders positiv fällt der integrierte USB 3.0-Hub auf, der gegenüber den typischen USB 2.0-Passthrough-Lösungen einen klaren Mehrwert bietet. Aber auch solche Details wie das abnehmbare Kabel mit USB Typ-C-Anschluss und drei Kabelkanälen wissen zu überzeugen. Mit der Aimpad-Technologie wird schließlich aktuell ein Alleinstellungsmerkmal geboten (Wooting-Tastaturen bieten ebenfalls analoge Tasten, nutzen aber eine andere Technologie). 

Die Umsetzung hat allerdings ihre Licht- und Schattenseiten. Ein klares Plus ist die Integration in die Cherry MX-Switches. Im Standardbetrieb lassen sich so alle Tasten völlig normal nutzen und die Cherry MX-Switches können ihre Stärken ausspielen. Bei der Aimpad-Nutzung stört aber gerade bei Spielen mit wechselnden Tastenbelegungen (wie eben z.B. in GTA V), dass die aktive Aimpad-Technologie von der Standardbelegung abweicht und so den dauernden Wechsel zwischen verschiedenen Profilen nötig machen kann. Wie man den Mehrwert der analogen Eingabe einschätzt, hängt auch sehr vom Nutzer ab. Wer sich jahrelang an die Fahrzeugsteuerung mit einer konventionellen Tastatur gewöhnt hat, merkt zwar den Unterschied, wird Aimpad aber natürlich nicht zwangsweise benötigen, vielleicht auf Grund der etwas störenden Profilwechsel sogar darauf verzichten. 

Gerade für solche Nutzer wäre eine günstigere Variante der MK850 ohne Aimpad-Unterstützung wünschenswert. Denn gerade wenn Aimpad gar nicht genutzt wird, fällt der Preisunterschied zwischen Cooler Master MK850 und MK750 enorm aus. Fast 100 Euro trennen aktuell die beiden Cherry MX-Tastaturen. Die MK850 kann neben der Aimpad-Techologie zwar noch weitere Vorzüge wie die Drehregler und den USB 3.0-Hub bieten, der Aufpreis ist ohne Aimpad-Nutzung aber eigentlich nicht zu rechtfertigen. Noch gehen wir bei der MK850 aber von der UVP aus. Wie sich der Straßenpreis entwickelt, bleibt noch abzuwarten. Wenn man auf die Preise der Corsair K95 Platinum-Modelle schaut, relativiert das den MK850-Preis auch jetzt schon etwas. 

Unabhängig vom Preis ist Cooler Master mit der MK850 ein beeindruckendes Tastatur-Flaggschiff gelungen. Wir zücken deshalb unseren Excellent-Hardware-Award. 

Positive Aspekte der Cooler Master MK850:

  • bewährte Cherry MX Red-Switches gut für Gaming geeignet
  • freistehenden Tastenkappen und Aluminiumabdeckung
  • acht Tasten dank Aimpad-Technologie als analoge Tasten nutzbar
  • RGB-Beleuchtung für Tasten und Lichtbänder
  • sehr bequeme und magnetisch haftende Handballenauflage
  • abnehmbares Anschlusskabel mit USB Typ-C-Anschluss zur Tastatur, drei Kabelkanäle
  • USB 3.0-Hub mit zwei Anschlüssen
  • übersichtliche Software, aber viele Funktionen auch über Tastenkombinationen nutzbar, dazu separate Mediatasten und Regler
  • alternative Tastenkappen und Tastenkappenabzieher inklusive 

Negative Aspekte der Cooler Master MK850:

  • aktuell ausschließlich mit Cherry MX Red, keine anderen Switches zur Auswahl (wobei mit Aimpad-Technologie nur lineare Switches sinnvoll sind)

Preise und Verfügbarkeit
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