das halte ich aus meiner Erfahrung mit internationalen Postdocs für recht blauäugig...
Kann deine Ansicht gut verstehen und stimme dir auch zu. Ich präzisiere: zumindest in meiner primären Arbeitsgruppe (bin ich zwei, daher schreibe ich primär) habe ich top Kollegen und keine Deppen mit denen ich die meiste Zeit arbeiten muss.
Der eine Typ ist jetzt Chemie-Prof und wir hatten neben dem Problem, dass er Doppelbrüche nicht kürzen konnte, auch folgenden Austausch:
Ich: "deine Kristalle scheinen, wenn man den Maßstab im Bild nimmt, einmal fast 6x so groß wie in allen anderen Bildern zu sein. Warum ist das so" - er: "das muss ein Fehler sein" und er ersetzt einfach die Ziffern am Maßstab. Das Paper ist jetzt in einem Chemie-Journal mit IF 25+ und hat 50 Zitationen eingebracht.
Hahaha.

Sehr gut. Dazu kann ich dir auch eine lustige Story von einem Studenten aus Indien erzählen den ich betreuen musste. Er plottet Ergebnisse auf beide Hemisphären des Gehirns in Farben, also eine colormap von den Werten -1 bis +1.
Ich schaue mir die Verteilung der "Farben" auf beiden Seiten/Hemisphären des Gehirns an und denke mir so "mhh, die beiden Seiten sehen verdammt ähnlich aus". (Sie sehen nicht exakt ähnlich aus, da die Oberfläche des Gehirns auf beiden Seiten nicht exakt identisch ist). Also stelle ich mir die Frage: hat er die Daten jeder Region (von beiden Seiten) zuvor gemittelt, und dann einfach die gleichen Ergebnisse auf beiden Hemisphären geplottet? Nein, so doof kann eigentlich keiner sein, aber ich frage ihn mal nett an.
Antwort: "ja klar, die sehen fast identisch aus weil ich die Daten der Regionen beider Seiten zuvor gemittelt habe". So nach dem Motto: Jo, ist doch das normalste der Welt, wo ist das Problem. Habe das mit Humor meinem Prof erzählt, der hat nur mega facepalm gemacht. Paper stand kurz vor der Einreichung.
Fakt ist: auf einem bestimmten Level/in vmtl. 50-60% der Fälle sind das einfach Leute, die sonst nix können, schön wenn das bei dir anders ist
Problematisch ist es bei mir weniger oder selten mit Postdocs, sondern mit Studenten (aber natürlich auch nicht mit allen sondern nur mit manchen). Erstens habe ich das Gefühl (achtung, nur meine subjektive Erfahrung bevor mich gleich jemand hier anspringt), dass das allgemeine Level der Bildung zunehmend absinkt und gleichzeitig die Fachidiotie (wie du anders formuliert schreibst) zunimmt. Mein Prof raged da immer richtig drüber; du würdest dich kaputt lachen wenn du den manchmal reden hörst.
Ansonsten trifft man aber auch immer wieder auf hochintelligente und sehr motivierte Menschen bei uns. Ich habe einen Medizinstudenten betreut und ihm die Datenanalyse etc. mit beigebracht. Der hat während seines Medizinstudiums bisher 2 empirische paper in Neuroscience publiziert. Respekt kann ich da nur sagen sowas parallel zum Medizinstudium zu machen. Dafür braucht es schon ordentlich Motivation. Wir haben in beiden Fällen schizophrene Patienten untersucht; er will Psychiater werden und gleichzeitig weiter etwas Forschung betreiben.