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Kommentar zu AMD: Die Hardware passt, die Software noch nicht

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radeon-rx-5700xtWir haben Tag eins nach dem großen Produktstart bei AMD und damit ist es auch etwas Zeit für eine Resümee aus Sicht des Testers, der sich in den vergangenen Wochen und Tagen mit der Hardware genauer auseinandergesetzt hat. Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, hat die Hardware genau das leisten können, was sie sollte, die Software zeigte sich an den verschiedensten Stellen als schwieriger Begleiter in unseren Tests.

Die Leistung und Qualität eines Prozessors oder eine Grafikkarte hängt zunehmend von der Softwarequalität ab. Fein abgestimmte Boost-Mechanismen, ein enges Zusammenspiel verschiedener APIs, Treiber und dem Betriebssystem – die Abhängigkeiten der Software untereinander sind inzwischen fast ebenso komplex wie die Hardware selbst.

Wäre es noch zu verschmerzen, wenn die Tester mit nicht fertiger Software traktiert werden, hat sich inzwischen auch bei Endkunden der Eindruck entwickelt, mehr oder weniger ein Betatester der Hardwarehersteller zu sein – analog gilt dies auch für Software wie Spiele.

Radeon Software ohne echte Overclocking-Funktionen

Die erste uns zur Verfügung gestellten Version der Radeon Software enthielt noch diverse Fehler. Neben der fehlenden Möglichkeit des Overclockings waren hier auch die Leistungswerte nicht so, wie sie zu erwarten gewesen wären. Dementsprechend wurde der erste Treiber recht schnell durch einen zweiten ersetzt. Bei diesem stimmte dann die Leistung, aber das Overclocking wollte noch immer nicht so recht. Sobald man irgendeinen Regler in einen bestimmten Bereich bewegte, wurden sämtliche Einstellungen verworfen, die Karte lief nur noch in den Standardeinstellungen oder der Treiber verabschiedete sich mit einem "Pink Screen of Death". Andere Tester hatten auch mit dem zweiten Treiber weiterhin Schwierigkeiten, die dazu führten, dass die GPUs nicht den zu erwarteten Boost-Takt erreichten.

Nur einen Tag vor der Veröffentlichung des Artikels gab es dann einen weiteren Treiber, aber auch dieser konnte beim Overlocking nicht immer fehlerfreie Ergebnisse liefern. Am Ende haben wir es geschafft das Thema Overclocking und Undervolting zu beleuchten, schön war der Weg zu diesen Ergebnisse aber nicht.

Auch zum Start der Radeon VII hatten wir schon mit solchen Problemen zu kämpfen und das Treiberteam bei AMD versprach Verbesserungen in dieser Hinsicht. So wirklich besser war es nach unseren Erfahrungen aber nicht.

Ryzen und die Frage des richtigen BIOS

Auch bei den Ryzen-Prozessoren lief auf den ersten Blick alles reibungslos aber auch hier mussten wir hin und wieder die Software oder besser das BIOS hinterfragen. Welche Taktraten liegen an? Warum boostet der Prozessor nicht bis auf die versprochenen Werte? Warum erreicht der Prozessor mittels Overclocking nur so geringe Taktraten auf allen Kernen? Oftmals half nur ein Abgleich mit den Ergebnissen der Kollegen, um überhaupt einschätzen zu können, wo der Fehler denn nun überhaupt liegt oder ob dieses Verhalten so nicht vielleicht vom Hersteller vorgesehen ist.

Für zusätzliche Verwirrung hat gesorgt, dass ASUS einigen Testern für das von uns verwendete ROG Crosshair VIII Hero (WiFi) bereits ein neueres BIOS angeboten hat – AMD empfahl eine ältere Version und diese haben wir auch verwendet.

MSI hat gestern, also zum Start der Plattform, ein neues BIOS für das MEG X570 ACE veröffentlicht, welches offenbar für ein anderes Boost-Verhalten der Prozessoren sorgt. Die Kollegen von Anandtech haben mit diesen Mainboard getestet und wiederholen nun sämtliche Benchmarks. Auch ASUS hat ein neues BIOS-Update veröffentlicht, welches ein AGESA 1.0.0.3AB enthält – genau wie das von MSI veröffentlichte BIOS für das MEG X570 ACE. Wir werden uns nun anschauen, ob es hier Änderungen hinsichtlich der Leistung gibt.

Es kann eigentlich nicht in AMDs Interesse sein, die Hardware mit unfertiger Software testen zu lassen – soviel sollte klar sein. Man kann aber auch verstehen, dass die Hardware bzw. für die Software zuständigen Abteilungen bis auf die letzte Minute an Verbesserungen arbeiten, schließlich will man am Ende das bestmögliche Bild abgeben. Mit unfertiger Software und zahlreichen Fehlern hinterlässt man aber schnell den gegenteiligen Eindruck. Diesen dann wieder loszuwerden, nimmt viel Zeit und Anstrengungen in Anspruch.

Während es also nicht unüblich ist, dass Treiber für eine Grafikkarte noch etwas nachreifen, sollten vor allem Käufer der neuen Ryzen-Prozessoren die Augen aufhalten. Hier scheint noch etwas Bewegung im Spiel zu sein. Große Wunder(treiber) sollte man aber auch nicht erwarten. Einige der aktuell noch vorhandenen Probleme wird AMD zusammen mit seinen Partnern aber noch angehen.