Seite 2: SMR auf der Spur

Wenn der Hersteller nichts sagt, liegt es am Benutzer festzustellen, was er gekauft hat. Jedoch verhalten sich SMR-Festplatten nicht alle gleich, daher ist eine Identifizierung noch schwerer. Allgemein gilt: Wird eine SMR-Festplatte über die Kapazität ihres Zwischenspeichers beschrieben, so sinkt die Transferrate augenblicklich um meist die Hälfte ab. Am Beispiel verschiedener Festplatten werden wir zeigen, worauf sich zusätzlich achten lässt. Wer sich unsicher bei der Interpretation der HD-Tune-Graphen und CDM-Werte ist, kann sich bei der Seagate IronWolf Pro 16 TB ST16000NE000 (unser Artikel) ein Bild machen, welche Ereignisse eine reine CMR/PMR-Festplatte liefert.

Als erstes betrachten wir die Seagate BarraCuda 6 TB ST6000DM003. Von dieser Festplatte wissen wir aus dem Datenblatt bzw. Handbuch, sowie aus unserem Artikel, dass es sich um ein Modell mit Shingled Magnetic Recording handelt. Anhand des Screenshots des Benchmarks HD-Tune-Schreiben lässt sich einfach ersehen, dass die Festplatte beim Schreiben immer wieder kleine Einbrüche zeigt. Dieses Verhalten konnten wir mit der ST6000DM003 immer wieder reproduzieren.

Eine Besonderheit weist die BarraCuda 6 TB jedoch auf: Üblicherweise kann man davon ausgehen, dass die Werte im Bereich von 4 Kilobyte schreibend bei Benchmarks wie CDM signifikant höher sind als die Werte vergleichbarer Laufwerke mit CMR.

Im Vergleich dazu nehmen wir ein Modell desselben Herstellers und derselben Epoche. Die Seagate IronWolf 6 TB ST6000VN0033 hat laut Datenblatt kein SMR, sondern eine kTpi von 370 und verwendet somit eine konventionelle Aufnahmemethode. Hier sehen wir, dass die Festplatte ohne Unterbrechungen schreiben kann.

Den von uns beschriebenen Sägezahn beim Schreiben in HD-Tune konnten wir auch bei einem weiteren Modell von Seagate mit bestätigtem SMR feststellen. Die Seagate BarraCuda 500 GB ST500LM034 2,5-Zoll-Festplatte (bis 02/2020 Seagate BarraCuda Pro 500 GB 2,5-Zoll), welche wir auch im Test hatten, ist ebenfalls unauffällig bei den 4K-Werten. Diese weist zusätzlich ein besonderes Verhalten im Lese-Test von HD-Tune auf. Da eine normale Festplatte bauartbedingt eine abfallende Kurve bei der Transferrate, beginnend bei den inneren Spuren bis hin zu den äußeren Spuren, aufweisen muss, kann das hier beobachtete Verhalten nur auf eine Nutzung eines Lese-Zwischenspeichers zurückgeführt werden. 

Ebenfalls beeinflusst wurde auch der Random-Access-Read-Test von HD-Tune, welchen wir als vierte Prüfung zur Erfassung der elektrischen Leistungsaufnahme verwenden. Während dieser meist deutlich länger dauert als unser 60-Sekunden-Erfassungsfenster, dauerte er bei der ST500LM034 nur knapp 10 Sekunden. Auch wenn alle Festplatten über einen Lese-Zwischenspeicher von bis zu 512 MB Größe verfügen, konnten wir dieses Verhalten bisher bei keiner bestätigten CMR-Festplatte nachweisen. Daher sehen wir dieses Verhalten als nicht eindeutigen SMR-Beweis, jedoch als bemerkenswert an. Dieses Verhalten konnten wir auch später bei der WD Red 6 TB WD60EFAX beobachten.

Nachfolgend zeigen die Benchmarks der Seagate ST500LM034 das angesprochene Verhalten. Beim Lesen fällt die Kurve nicht ab, sondern steigt sogar auf einen Wert, welcher nur durch einen Zwischenspeicher erklärbar ist.

Bei anderen Laufwerken, wie zum Beispiel bei der Toshiba L200 2 TB als 2,5-Zoll-Festplatte, welche uns zu einem früheren Zeitpunkt vorlag, ließ sich das SMR-Verhalten deutlich anhand von Benchmarks erkennen. Hier konnte uns auch durch die vom Hersteller beauftragte Agentur auf Rückfrage bestätigt werden, dass es sich um ein Modell mit SMR als Aufnahmemethode handelt.

Aus dem Hause Toshiba haben wir auch das Modell P300 6 TB (unser Artikel, gleiches gilt auch für das 4-TB-Modell, welches uns ebenfalls vorlag) getestet. Hierbei ließ sich auch, zusätzlich zu den erhöhten 4K-Werten, sehr gut bei HD-Tune abbilden, was wir bereits beim einfachen Windows-Kopieren sehen können. Eine Zeit lang kann die Festplatte schnell schreiben, bis sie gezwungen ist, den Zwischenspeicher auf die SMR-Bereiche zu schreiben und evtl. dabei überschriebene Spuren neu anzulegen.

Wir fassen zusammen, was die wichtigsten Punkte sind, welche wir bei bestätigten SMR-Festplatten beobachten konnten.

- nicht kontinuierliches Schreiben

- hohe 4K-Werte schreibend

Hinzu kommt eventuell das auffällig unplausible Lesen bei HD-Tune.