Seite 5: Die einzelnen Spannungen

Wer seinen "Haswell-E"-Prozessor übertakten möchte, der wird mit allerhand Parameter im UEFI/BIOS erschlagen. Einen kleinen Überblick geben wir auf dieser Seite - genau wie ein paar wichtige Kniffs und Tricks zu Prime95 oder den möglichen Bluescreens von Windows.

Die einzelnen Spannungen von "Haswell-E"

Bei "Haswell-E" gibt es eine Vielzahl von Spannungen. Doch nicht alle sind für ein stabiles Overclocking notwendig und können getrost ignoriert werden. Bei bestimmten Fehlern während den Stabilitätstests ist es aber gut zu wissen, an welchem Regler man als nächstes drehen sollte. Wir stellen die sechs wichtigsten Spannungen anhand dieses Blockdiagramms vor:

voltage planes k
Spannungs-Diagramm zu "Haswell-E".
  • Vccin

Die Eingangsspannung für den Integrated-Voltage-Regulator (iVR). Er wandelt aus der hier anliegenden Spannung die anderen Parameter (VCore, VRing, etc.) ab.

StandardMaximal
1,8 Volt 2,2 bis 2,4 Volt
  • Vcore

Die Kernspannung des Prozessors - ist je nach VID/Güte des Prozessors von CPU zu CPU unterschieden. Die meisten Overclocker achten nur darauf.

StandardMaximal
etwa 1,1 Volt 1,375 Volt
  • VRing

Die Spannung für den RingBus/Cache und den Uncore-Bereich.

StandardMaximal
1,05 Volt 1,12 bis 1,25 Volt
  • VIO

VTT/VCCIO-D-Spannung. Sollte 50mV höher als VCCIO-A sein. 

StandardMaximal
1,15 Volt 1,20 Volt
  • VSA

Die Spannung für den IMC, Erhöhung kann der Stabilität zuträglich sein, muss in der Regel aber nicht angefasst werden.

StandardMaximal
0,9 Volt 1,15 bis 1,2 Volt
  • PCH

Die Spannung für den Chipsatz. Muss beim bloßen Anheben des Multiplikators nicht angepasst werden.

StandardMaximal
1,05 Volt 1,25 Volt
  • VDDQ

Die Spannung für den Arbeitsspeicher. Sie ist abhängig von den jeweils verwendeten Speichermodulen.

StandardMaximal
1,2 Volt 1,35 Volt


Bei "Haswell-E" hat man damit nur noch zwei, von außen einstellbare Spannungen: Die Eingangsspannung (VCCIN), an die alle anderen Spannungen angebunden sind, sowie die RAM-Spannung (VDDQ).

 

Ring Ratio: Interface-Verbindung („CPU Cache“) zu jedem Kanal innerhalb der "Haswell-E"-CPU. Sollte nie höher als der Multiplikator sein. Wer ein Mainboard mit ASUS-OC-Sockel hat, erreicht in der Regel höhere Ergebnisse von 4.000 bis 4.500 MHz, ohne diesesn sind meist 3.600 bis 3.700 MHz drin.

VRing sollte für die eigenen Overclocking-Versuche ebenfalls angehoben werden, um die Stabilität zu verbessern. Sie ist in höheren Bereichen aber schwer synchron mit dem CPU Takt zu halten. Im Idealfall soll VRing ein bis vier Stufen unter dem Core-Takt liegen. Ein hoher Ring-Takt wirkt sich insbesondere positiv auf die Speicherbandbreite und speicherabhängige Benchmarks bzw. Programme aus, weniger aber auf praxisnahe Testszenarien und/oder Spiele. Wer nicht jedes Quäntchen Leistung benötigt, lässt den Multiplikator hier einfach auf "Auto" stehen und überlässt die Einstellungen dem Mainboard.

System Agent, CPU I/O Voltage (VTT) sind für den IMC zuständig, müssen insgesamt nur dann erhöht werden, wenn der Takt des Arbeitsspeicher sehr hoch angesetzt wurde. In der Regel müssen die Parameter hier exakt ausgelotet werden und zu den RAM-Kits passen, denn hier kann zu viel Spannung auch kontraproduktiv und der Stabilität abträglich sein.

 

Fully Integrated Voltage Regulator (IVR)

Eine Neuerung bei "Haswell-E": Der IVR bzw. FIVR (Fully Integrated Voltage Regulator). Er übernimmt das Wandeln der benötigten Spannungen aus der Eingangsspannung – was ehemals eine Funktion des Mainboards war. Oft empfiehlt es sich, wenn Änderungen an den Settings (gerade bzgl. der Input-Spannung) vorgenommen worden sind, den PC einmal komplett herunterzufahren und auszuschalten, um sicherzustellen, dass die Änderungen einwandfrei und korrekt übernommen werden und sgg. „Random Bluescreens“ zu vermeiden. Dies ist eine der Eigenarten der "Haswell(-E)"-CPUs. 

Unser Foren-Nutzer "Wernersen" schreibt dazu in seinem "Haswell-1150-OC-Guide passend::

„Eine Eigenart dieser Plattform ist, dass man fast bei jeder Veränderung im Bios, gerade an der Eingangsspannung und Cache-Voltage, einen obligatorischen Blue-Screen in Prime95 kassiert. Diese Sensibilität liegt sicher daran, dass die Steuerung der Spannungsversorgung in die Chips gewandert ist. Hiervon darf man sich nicht gleich verwirren lassen und nicht sofort eine Einstellung ändern, sondern einfach erneut starten und mit gleichen Einstellung noch mal versuchen.

Dieser Blaue kommt dann recht schnell innerhalb der ersten Minuten, trotzdem die Veränderung schon richtig gewesen sein kann und führt deshalb oft zu Verwirrung.

Am besten man schaltet den PC nach jeder Änderung einmal aus. Kostet zwar etwas Zeit, spart aber langfristig echt Nerven, da man sich so die ganzen "random" iVR Bluescreens sparen kann."

Der FIVR reagiert oft besonders sensibel auf Veränderungen an der Eingangsspannung und VRing. Dort sollten beide Spannungen passen, um Stabilität zu gewährleisten (unabhängig von der VCore).

 

VID/Standardspannung:

Die VID (Voltage IDentification) ist bei "Haswell" und "Haswell-E" leider nicht mehr so aussagekräftig in Hinblick auf das potentiell zu erwartende OC-Ergebnis, wie das noch früher oft der Fall war. Dennoch verspricht die Betrachtung der Standardspannung (Non-Turbo und Multiplikator sowie VCore auf Auto) eine gewisse zuverlässige Prognose auf evtl. zu erreichende OC-Ergebnisse.

Eine niedrige VID/Standardspannung verspricht oft bessere OC Ergebnisse, aber auch höhere Temperaturen und einen höheren Verbrauch, wohingegen CPUs mit höhere VID und einer höheren Standardspannung kühler bleiben und eine geringere Leistungsaufnahme besitzen.

 

LLC/Loadline Calibration:

Sie verhindert den Vdroop (Abfallen der Spannung unter Last), wirkt bei "Haswell-E" aber nur noch auf die Input-Voltage und somit nicht mehr auf die VCore aus.