Seite 13: Die Benchbros im Interview

Hallo, stelle dich doch bitte einmal kurz vor!

Mein Name ist Andreas Bock, ich bin 83er-Baujahr und lebe in Jena, Thüringen. Ich arbeite für einen größeren Konzern als Schaltkreisentwickler (ASIC) mit Schwerpunkt Digitaldesign und Verifikation. An der Fachhochschule Jena habe ich bis 2008 Elektrotechnik studiert. Das grundlegende Wissen über Strom und Spannung hilft mir auch sehr beim Overclocking, wo es nicht selten etwas zu löten oder modifizieren gibt. Auf der Arbeit entwerfe ich also Chips und in meiner Freizeit übertakte ich sie.

 

Du bist ja schon länger der Kopf unseres Overclocking-Teams. Wann hast du mit dem Übertakten angefangen?

Ich bin den ganz klassischen Weg gegangen. Ich habe früher während der Schulzeit und auch dann im Studium relativ viel Counterstrike gespielt. Als dann Counterstrike Source auf den Markt kam, wurden die Anforderungen an die Hardware auf einmal größer und dem alten Rechner (Pentium Northwood) ging die Luft aus. Also habe ich mich belesen und ihn übertaktet. Das müsste so Ende 2004/Anfang 2005 gewesen sein. Dann kam ein Pentium-M 740, dazu ein dickerer Luftkühler, die ersten Voltmods und irgendwann wollte ich dann wissen, wo die Grenze der CPU liegt. Also habe ich erst mit Trockeneis (-78°C) und dann mit Stickstoff (-196°C) angefangen. Daraus hat sich dann im Laufe der Zeit das professionelle Hobby entwickelt, im Zuge dessen ich dann auch das HWBot-Team von Hardwareluxx gegründet habe.

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Der Profi-Overclocker aus dem Hardwareluxx-Team: Andreas Bock.

 

An welchem Overclocking-Projekt sitzt du gerade?

Gerade beschäftige ich mich intensiv mit "Haswell-E", einem Intel Core i7-5960X und dem MSI X99S XPOWER. Ich arbeite sehr eng mit MSI zusammen, weswegen es immer etwas zu testen gibt und Verbesserungsvorschläge eingebracht werden müssen.

Außerdem geht es Ende November nach Moskau zur AOOC von ASUS, bei der ich zusammen mit Daniel/Dancop Gas geben werde. Die Vorbereitungen dafür mit einem ASUS ROG Rampage V Extreme und einer ASUS STRIX-GTX980 stehen somit ebenfalls auf der Agenda für die kommenden Tage.

 

Was hast du privat für einen Rechner? Ist der auch übertaktet?

Mein privater Rechner war bis vor zwei Wochen noch ein H55-mini-ITX System mit "Clarkdale"-i3-530-CPU und IGP. Jetzt habe ich auf einen "Haswell"-4670K-ES und ein ASUS ROG Maximus VI Impact umgerüstet, ebenfalls mit IGP. Da ich seit bestimmt fünf Jahren kein einziges Spiel mehr gezockt habe, stelle ich keine großen Ansprüche an meinen privaten Rechner - das überrascht alle, die von meinem Hobby wissen!

 

Mit welcher Kühlung arbeitest du am liebsten?

Ganz klare Antwort – LN2!

Wer einmal erlebt hat, was damit möglich ist, wie man die Grenzen der Physik zu seinen Gunsten verschieben kann, der wird nie wieder etwas anderes behaupten!

 

Welches ist deine Lieblings-Plattform zum Übertakten?

Das ändert sich eigentlich mit jeder neuen Generation. Die neuste Hardware ist und bleibt immer noch das Beste. Aktuell ist es natürlich X99 mit dem Intel Core i7-5960X. DDR4 ist neu und man kann wieder viel lernen. Die Power des Achtkerners ist schon beeindruckend.

Wenn ich aber einen Alltime-Favorite festlegen müsste, wäre das nach wie vor der Pentium-M auf Sockel 478/479, wahrscheinlich weil damit alles angefangen hat.

 

Was hältst du von „Haswell-E“ im Hinblick auf Overclocking?

"Haswell-E" ist aus meiner Sicht eine brachial schnelle Plattform mit extremem Potential unter Flüssigstickstoff. Die Achtkerner lassen über 6,0 GHz zu und stellen gerade in den Multithread-Benchmarks alles in den Schatten.

Für die normalen Kühlmethoden unter Luft und Wasser sieht es da schon wieder etwas weniger gut aus. Man muss schon eine gute CPU erwischen, die sich bei 4.500 MHz im Bereich von 1,25 bis 1,3 Volt betreiben lässt, damit die Abwärme noch erträglich bleibt. Mal abgesehen davon, dass das einzig lohnenswerte Upgrade zu einer "Ivybridge-E"-CPU der Core i7-5960X ist, der schon wieder sehr teuer ist.

 

Was waren deine besten Ergebnisse mit dem Intel Core i7-5960X?

Die besten Ergebnisse waren bisher die Cinebench-Topergebnisse für Achtkern CPUs. Meine CPU ist eine der besten, wenn nicht sogar die beste weltweit und so konnte ich ca. 5.960 MHz stabil erreichen. Aufgrund des fehlenden OC-Sockels war der Cache aber eher moderat übertaktet. Das werde ich in den kommenden Wochen mit dem ASUS-Board beheben und kann sicher neue Rekorde aufstellen.

Unter Luft läuft die CPU mit 4.500 MHz und 1,12 Volt im Cinebench R15. Auch hier habe ich noch keine besseren Ergebnisse gesehen.

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Über 25 Modelle des Intel Core i7-5960X hatte Andreas Bock schon in den Fingern.

 

Wie viele hattest du denn schon in den Fingern?

Auf einem MSI-Event in Paris hatte ich die Möglichkeit, ca. 25 ES-Modelle zu testen und konnte mir die beste CPU heraussuchen.

 

Wie selektierst du vor?

Seit "Haswell" und "Haswell-E" kann man recht gut nach VID und anschließend mit schnellen Benches (Cinebench, WPrime) unter Luft vortesten und bei fester Taktrate ("Haswell": 5.000 MHz, "Haswell-E": 4.800 MHz) die minimale Spannung ermitteln. Oft reicht auch schon ein Windows-7-Bootvorgang, der härter ist, als man annehmen könnte. Die 25 CPUs habe ich bei 4.800 MHz Windows 7 booten lassen und die Streuung der minimalen Spannung reichte von 1,23 bis 1,48 Volt.

 

Wie lange brauchst du dafür?

Wenn man einfach nur schnell möglichst viele CPUs testen will, kann man mit aufgestelltem Luftkühler Windows 7 booten lassen und geht schrittweise vor jedem Bootvorgang mit der Spannung runter. Bei neuer CPU startet man mit dem zuvor ermittelten Minimum. Schafft sie es nicht, kann man schon nach zehn Sekunden mit der aktuellen CPU fertig sein.

Da man aber selten innerhalb einer Stunde viele CPUs testet, sollte man sich schon etwas Zeit nehmen und lieber etwas gründlicher testen.

 

Wie gehst du da genau vor?

Wie schon gesagt, fixiere ich die Taktrate im BIOS (EIST, C-States OFF, Multi fest, VCore einstellen, alles andere AUTO) und versuche nach und nach die minimal nötige Spannung für z.B. 4.500 MHz zu ermitteln. Je geringer die Spannung, umso größer ist die Chance, dass die CPU dann auch gut unter LN2 funktioniert. Eine Garantie gibt es da freilich nicht. Es kommen nur hohe Taktraten heraus, wenn die Temperatur am Ende passt und die CPU mit hoher Spannung skaliert. Auch eine CPU mit niedriger Spannung kann am Ende bei -70 °C den Dienst einstellen oder Spannungen >1,6 Volt verweigern. Da ist eine schlechtere CPU, die mit -130 °C und 1,8 Volt läuft, natürlich besser. 

 

Was empfiehlst du dabei unseren Lesern?

Achtet unter Luft/Wasser immer auf die Temperaturen. Wenn ihr mehr Spannung weggekühlt bekommt und die CPU noch skaliert, ohne dass die CPU heruntertaktet, dann kann die Spannung nicht zu hoch sein. Viele achten viel zu sehr auf eine geringe VCore, was in meinen Augen Blödsinn ist. Eine CPU läuft 4.600MHz bei 1,3 Volt und 70°C. Die andere CPU läuft 4.600 MHz bei 1,2 Volt und 80°C. Welche CPU verbraucht nun weniger Leistung? Und für welche CPU bezahlt man im Marktplatz mehr Geld? Das ist für mich immer ein Widerspruch, weil viele nicht wissen/verstehen, dass die Leistung/Temperatur einer CPU nicht nur durch die Spannung beeinflusst wird, sondern im gleichen Maße auch vom Strom, der fließt!

 

Was würdest du Intel raten, um seine Prozessoren noch attraktiver für Overclocking zu machen?

Ich würde Intel raten eine CPU zu entwickeln, die sich unter Luft/Wasser so verhält wie "Sandy-Bridge" (5,0 GHz+), sich unter LN2 verhält wie "Ivy-Bridge" (-196 °C bei 7,0 GHz+) und von der Performance wie "Haswell". Von daher hat Intel in den letzten drei Generationen immer etwas richtig gemacht. Wäre cool, wenn sie bald alles zusammenbringen könnten.

"Sandy Bridge" war aus Overclocking-Sicht die bisher erfolgreichste Plattform. Fast jeder, der wusste, was der Multi und die VCore ist, konnte einen Intel Core i7-2600K mit einem Luftkühler auf 5,0 GHz übertakten. Deswegen war "Sandy-Bridge" so erfolgreich. Vielleicht schafft es Intel an diesen Erfolg irgendwann einmal wieder anzuknüpfen...

Wir danken für das ausführliche Gespräch.