Seite 2: Die Mesh-Systeme im Vergleich

ASUS Lyra

ASUS bietet inzwischen Netzwerkhardware in den verschiedensten Bereichen an: Gaming-Router, 10GBase-Ethernet-Switches sowie PCI-Express-Karten und nun eben auch WLAN-Hardware mit Mesh-Funktion. Das ASUS Lyra ist ein Tri-Band-WLAN-System, welches in einem Dreierpack mit drei WLAN-Knoten angeboten wird und etwa 420 Euro kostet.

Das Tri-Band-System basiert auf dem AC2200-Standard mit bietet darin theoretische Übertragungsraten von 400, 867 und noch einmal 867 MBit/s. ASUS verwendet ein 5-GHz-WLAN als Backhaul-Verbindung und kommt darin auf eine Übertragungsrate von 867 MBit/s. Das WLAN für Clients arbeitet im 2,4- und 5-GHz-Band – jeweils eine 2x2-Antennenkonfiguration ermöglicht auch die MIMO-Technologie für mehrere Datenstreams. Verschlüsselt werden alle Verbindungen via WPA2-PSK.

Die Hardware selbst ist in runden Pucks verpackt, die auf einen Durchmesser von 150 mm kommen. Die Dicke beträgt 50 mm und mittels zweier Öffnungen können die Pucks auch an Wand und Decke befestigt werden. Ansonsten stehen sie auf fünf Gummifüßen. Alle drei Pucks müssen über ein externes Netzteil mit Strom versorgt werden.

Für den Aufbau des Mesh-Netzwerks muss der primäre Puck per Ethernet-Kabel an das Netzwerk angeschlossen werden. Dieser primäre Puck ist durch die blaue Beschriftung an den Anschlüssen zu erkennen. An den Pucks selbst sind immer zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüsse vorhanden. Beim primären Gerät kann der zweite Anschluss zur Erweiterung des kabelgebundenen Netzwerkes genutzt werden. An den beiden anderen Pucks stehen die beiden Gigabit-Ethernet-Anschlüsse zur Verfügung um entsprechende Clients per Ethernet-Kabal in das Netzwerk einzubinden. Der Aufbau des Mesh-Netzwerkes bzw. des Paring geschient vollautomatisch. Sollte dies nicht der Fall sein, befindet sich an der Seite der Pucks ein Taster, der gedrückt werden muss. Anschließend erfolgt ein erneuter Aufbau der Backhaul-Verbindung. Über einige LEDs unter der Abdeckung mit aufgedruckter Wabenstruktur informieren die Pucks über ihren Betriebszustand.

Für das bereitgestellte WLAN gibt es folgendes zu sagen: Das Lyra-System spannt ein WLAN mit einer SSID auf. Die Clients verbinden sich mit diesem einen WLAN und roamen durch das aufgespannte WLAN, je nachdem welcher Puck gerade die beste Leistung bereitstellt. In der Praxis konnten wir keine größeren Probleme damit feststellen. Allerdings scheint ASUS die Clients zu lange an den zuletzt verwendeten Puck zu binden, obwohl das WLAN-Signal eines anderen Pucks bereits stärker ist. Hier funktioniert das Roaming noch nicht ganz so wie gedacht.

Zentral gesteuert wird das ASUS Lyra durch eine App, die für iOS und Android zur Verfügung steht. Grundsätzlich ist aber auch keine Konfiguration notwendig, allerdings sollten die SSID und Passwörter geändert werden. Firmware-Updates erfolgen automatisch. Auf die WLAN- und Backhaul-Übertragungsraten gehen wir auf eine extra Seite genauer ein.

AVM Mesh

AVM will mit FRITZ!OS 6.90 die Mesh-Funktionalität stärker in den Fokus rücken, wenngleich Mesh-Netzwerke hier schon zum Einsatz kommen – beispielsweise über das Powerline-Angebot von AVM.

Die FRITZ!Box ist für AVMs Mesh-Struktur die Zentrale. Sie stellt den Internetzugang her, ist eine WLAN-Basis und kann ein Mesh-Netzwerk aufbauen. Alle kompatiblen FRITZ!-Produkte (WLAN-Repeater, Powerline-Adapter) tauschen sich im Mesh untereinander aus und gleichen Einstellungen ab. Zu den neuen Funktionen von FRITZ!OS 6.90 zählt die neue Heimnetzübersicht mit einer Mesh-Verbindungsgrafik. Sie zeigt, über welches FRITZ!-Produkt und über welche Verbindungsqualität Smartphones, Notebooks etc. verbunden sind.

FRITZ!OS 6.90 wird schrittweise für folgende FRITZ!-Produkte veröffentlicht: FRITZ!Box 7590, 7580, 7560 und 7490; FRITZ!WLAN Repeater 1750E, 1160, 310 und 450E; FRITZ!Powerline 1260E, 1240E, 540E und 546E. Wir haben uns das AVM-Mesh im Zusammenspiel mit einer FRITZ!Box 7590 sowie einem FRITZ!WLAN Repeater 1750E und dem Powerline-Adapter FRITZ!Powerline 1240E angeschaut.

Wer sich über die FRITZ!Box 7590 ein genaueres Bild machen möchte, dem empfehlen wir unseren Test des Routers. Der ebenfalls von uns verwendete FRITZ!WLAN Repeater 1750E schaltet sich in das Powerline-Netzwerk ein, falls ein solches vorhanden ist. Ansonsten verwendet AVM hier das WLAN, um die Netzwerkverbindung auf diese Art und Weise sowie den Repeater als solches zu verstärken. Von diesem kann wiederum ein WLAN nach 802.11ac mit bis zu 1.300 MBit/s aufgebaut werden. Zusätzlich zur Verfügung steht ein Gigabit-Ethernet-Anschluss, um beispielsweise einen Drucker oder eine Spielekonsole daran anzuschließen. Gefunkt wird auch hier im 5- und 2,4-GHz-Band.

Der WLAN-Repeater ist aufgrund der innen verbauten Antennen nicht gerade kompakt und kann in jede beliebige Steckdose in Reichweite des WLANs oder Powerline-Netzwerk gesteckt werden. Die Abmessungen belaufen sich auf 76,5 x 155 x 62,6 mm.

Ebenfalls verwendet haben wir den FRITZ!Powerline 1240E, also nicht die allerneueste Version der Powerline-Adapter. Dennoch werden auch hier theoretische Verbindungsraten von 1.200 MBit/s über die Stromkabelinstallation versprochen. Zudem kann ein WLAN mit 300 MBit/s aufgebaut werden. Ein Gigabit-Ethernet-Anschluss ermöglicht die kabelgebundene Erweiterung des heimischen Netzwerkes. Der FRITZ!Powerline 1240E misst 67 x 114 x 27 mm und wird ebenfalls über die Steckdose direkt versorgt.

Das Mesh-System baut sich bei AVM ebenfalls automatisch zwischen der Netzwerk-Hardware auf, die über die entsprechende Software verfügt. Weitere Geräte können einfach eingebunden und so das Netzwerk auch nachträglich noch erweitert werden.

Anders als beim ASUS Lyra sprechen wir hier also von einem flexiblen System was die Wahl der Hardware betrifft. Daher ist auch der Vergleich im Preis nicht ganz einfach. Eine FRITZ!Box 7590 kostet 270 Euro, ein Kit aus zwei FRITZ!Powerline 1240E etwa 120 Euro. Damit liegen wir für diese Ausführung auf Niveau des ASUS Lyra.

Devolo Gigagate

Devolo hat mit dem Gigagate ebenfalls ein Mesh-System im Programm, welches aber stärker als alle bisherigen Systeme einen Bridge-Charakter aufweist. Entsprechend spricht der Hersteller auch von einem Bridge-Setup, das mit einem Starterpaket bestehend aus zwei Geräten beginnt. Dieses Starterkit kostet etwa 215 Euro und kann durch weitere Endpunkte zu je 130 Euro erweitert werden. Bis zu acht weitere Endpunkte können in das Netzwerk eingebaut werden.

Die beiden Endpunkte bestehen aus zwei schwarzen Boxen mit empfindlicher schwarzer Lackoberfläche, die Schmutz und Fingerabdrücke geradezu anzieht. Dies ist nicht die beste Wahl für Hardware, die irgendwo aufgestellt wird und dann ständig vom Staub befreit werden muss, um nicht entsprechend auszusehen. Ein anderes Oberflächendesign hätte hier sicherlich geholfen. Daneben erfolgt die Stromversorgung beider Geräte über ein externes Netzteil. Ein ausklappbarer Standfuß ermöglicht das Aufstellen oder aber die beiden Boxen werden einfach auf die Seite gelegt. Wie auch beim ASUS Lyra gibt es zwei Ausführungen der Hardware, eine, die als primärer Eintrittspunkt auch mit dem Netzwerk verbunden wird und eine, die am Endpunkt, dort wo das WLAN und Ethernet benötigt werden, aufgestellt wird.

Am primären Eintrittspunkt wird die Verbindung zum bestehenden Netzwerk via Ethernet hergestellt. Ein zweiter Gigabit-Ethernet-Anschluss ermöglicht bereits an dieser Stelle die kabelgebundene Erweiterung. Über eine 4x4-Antennenkonfiguration wird ein 5-GHz-WLAN aufgespannt, welches die Verbindung zum jeweiligen Endpunkt herstellt. Die theoretische Datenübertragungsrate wird von Devolo mit 2.000 MBit/s angegeben, es dürften aber nicht mehr als 1.733 MBit/s sein. In der Praxis dürfte dies jedoch keinen großen Unterschied machen. Dazu aber später mehr.

Am Endpunkt des Devolo Gigagate stehen vier Gigabit-Ethernet-Anschlüsse zur Verfügung, um Clients entsprechend mit einem Ethernet-Kabel zu verbinden. Die Endpunkte dienen aber auch als WLAN-AP und spannen ein 5- und 2,4-GHz-WLAN mit theoretischen Datenübertragungsraten von 1.733 bzw. 300 MBit/s auf. Natürlich kann das WLAN verschlüsselt werden.

Der Verbindungsaufbau erfolgt auch hier vollautomatisch. Geht die Verbindung aber mal verloren, genügt ein Tastendruck auf der Bridge und den Endpunkten und diese wird erneut aufgebaut. Eine weitere Konfiguration ist auch hier nicht notwendig. Sollen SSID und Passwort aber geändert werden, kann dies über den Browser und ein Einloggen auf die Hardware geschehen.

Google Wifi

Auch Google versucht sich immer wieder an Hardware, die wir sonst eigentlich nur von anderen Herstellern kennen. Dabei tut sich Google immer wieder mit einem schlichten Design und guter Software hervor. Mit Google Wifi stellt man ebenfalls ein Mesh-System vor, welches die WLAN-Abdeckung verbessern soll. Das Kit aus zwei Pucks kostet dabei 249 Euro, einzeln sind die Pucks auch für 139 Euro zu haben und das Dreierpack bringt es auf 359 Euro. Damit ist Google Wifi das günstigste System im Test.

Ein Puck des Google-Wifi-Systems misst 106 mm im Durchmesser und ist fast 70 mm hoch. Damit unterscheiden sie sich maßgeblich vom ASUS Lyra, die flacher, aber auch größer im Durchmesser sind. Die Pucks des Google Wifi lassen sich aber nicht an Wand und Decke befestigen. Das Mesh-Netzwerk wird im Falle von Google Wifi über das normale WLAN aufgebaut. Dieses funkt im 5- und 2,4-GHz-Band und bringt es auf theoretische Übertragungsraten von 1.733 bzw. 300 MBit/s. Natürlich kann das WLAN auch verschlüsselt werden und es wird eine einzige SSID erstellt, durch die die Clients roamen können. Die Stromversorgung erfolgt über ein externes Netzteil mit USB-C-Anschluss. Das Mesh-Netzwerk lässt sich aber auch über eine dedizierte Backhaul-Verbindung einrichten. Dazu müssen die Wifi-Zugangspunkte mit einem Ethernet-Kabel verbunden werden. Besteht die Möglichkeit ein Ethernet-Kabel zu verwenden, kann der Nutzer aber auch auf dedizierte APs zurückgreifen.

Für eine kabelbasierte Verbindung bietet ein Google Wifi-Zugangspunkt zwei Gigabit Ethernet-Anschlüsse. Einer wird dabei aber beim primären Zugangspunkt als WAN-Anschluss verwendet. Auf den zusätzlichen Wifi-Zugangspunkten agieren beide als normale LAN-Ports.

Für den Aufbau des Mesh-Netzwerkes ist auch hier keinerlei Konfiguration erforderlich. Eine LED-Leiste informiert über den Zustand des Netzwerks. Google bietet eine App für iOS und Android an, welche die Konfiguration per Bluetooth ermöglicht und zudem das Netzwerk überwachen lässt.

Netgear Orbi

Netgear hat mit dem Orbi-System bereits ein erweiterteres System vorgestellt, welches sich hinsichtlich der Größe und dem Einsatzgebiet in gewisser Weise anpassen lässt. Den Anfang machte das Netgear Orbi RBK50 mit der höchsten Geschwindigkeit und den meisten Anschlussoptionen. Im Frühjahr haben wir uns auch die Systeme RBK40 und RBK30 angeschaut. Um eine einfache Vergleichsmöglichkeit zu haben, wollen wir eine Tabelle verwenden, um die Übersicht nicht zu verlieren.

Die technischen Daten der Orbi-Systeme
Modell RBK50 RBK40 RBK30
kombinierte WLAN-Geschwindigkeit 3.000 MBit/s (1733 + 866 + 400 MBit/s) 2.200 MBit/s (866 + 866 + 400 MBit/s) 2.200 MBit/s (866 + 866 + 400 MBit/s)
Abdeckung 350 m² 250 m² 200 m²
Backhaul 4x4 (1,7 GBit/s) 2x2 (867 MBit/s) 2x2 (867 MBit/s)
Antennen 6 4 4
MU-MIMO Ja Ja Ja
Beamforming Ja Ja Ja
Ethernet (Router) 3x LAN
1x WAN
3x LAN
1x WAN
3x LAN
1x WAN
Ethernet (Satellit) 4x LAN 4x LAN Nein
USB 1x USB 2.0 Nein Nein
Speicher 4 GB Flash
512 MB RAM
4 GB Flash
512 MB RAM
4GB Flash und 512MB RAM

Hinsichtlich das WLANs und der angebotenen Anschlüsse ist das Orbi-System mit den anderen vergleichbar. Auf die Details der Hardware und Einrichtung sind wir in den Tests bereits genauer eingegangen.

Netgear war eines der ersten Unternehmen, das eine Mesh-Infrastruktur für das heimische WLAN als Ausbauoption sah und so auch umsetzte. Zudem legte man Wert auf eine möglichst schnelle Verbindung, was die ersten Tests bereits beweisen konnten. Mit den nachfolgenden Produkten erweiterte man dann die Produktpalette um sinnvolle Hardware-Alternativen, die weniger groß als das erste Orbi-System waren oder sich bequem in der Steckdose betreiben lassen.

Zur Optik noch ein paar Worte: Gerade das RBK50 ist mit seinem großen Router und den ebenso großen Satelliten nichts, was man sich mal soeben in das Regal stellt – verstecken lässt es sich schon gar nicht. Dies wurde mit dem RBK40 und RBK30 besser, wenngleich hier dann Abstriche bei der Leistung gemacht werden müssen. Wir haben alle Tests mit dem RBK50 gemacht.

Zur IFA 2017 stellt Netgear das Orbi Pro vor. Laut Hersteller könne ein kleines Unternehmen das WLAN-Netz so aufbauen, dass ein Band rein für administrative Aufgaben verwendet wird, während ein zweites Band für den Traffic der Mitarbeiter dienlich ist. Für den Gäste- oder Kundenbereich kann dann schließlich das dritte und letzte Band eingesetzt werden, ohne dass die Gäste oder Kunden Zugriff auf eines der anderen beiden Bänder erhalten. Dadurch stünden drei verschiedene SSIDs zur Verfügung. Diese Trennung gibt es bei den bisherigen Systemen nicht. Außerdem soll die Abdeckung des Orbi Pro noch einmal deutlich größer sein. Sollte das Unternehmen wachsen, lassen sich bis zu zwei weitere Satelliten koppeln, sodass die WLAN-Abdeckung bis auf 800 m² anwächst.