Seite 10: Fazit

Das X99-DELUXE von ASUS entpuppt sich als vollausgestattete ATX-Platine, die mit dem eigens patentierten OC-Sockel 73 Pins mehr als der von Intel vorgesehene Sockel LGA2011-v3 zu bieten hat und bereit ist, einen der drei neuen Haswell-E-Prozessoren aufzunehmen. Egal ob es der Core i7-5820K, der Core i7-5930K oder der Core i7-5960X wird, die jeweilige CPU bekommt es mit einem effizienten VRM zu tun, welches aus jeweils acht hochwertigen MOSFETs und Phasen besteht. Generell wurde beim X99-DELUXE großen Wert auf das Übertakten gelegt. Nicht nur, weil im BIOS Speicherteiler bis DDR4-4000 für die acht DDR4-Speicherbänke vorhanden sind, sondern weil ASUS auch bei den restlichen Overclocking-Funktionen definitiv nicht sparsam war. Abgesehen vom nicht anzutreffenden LN2- bzw. Slow-Mode dürften aber sehr wohl fortgeschrittene Übertakter ganz auf ihre Kosten kommen. Mit dem Setzen eines Jumpers kann zusätzlich die Extreme-Overvoltage-Funktion aktiviert werden, die mit großer Vorsicht verwendet werden sollte. Mit der Schwarz-Weiß-Optik haben die Taiwaner zudem einen neuen Schritt gewagt, mit dem Ergebnis, dass das X99-DELUXE definitiv auffällt.

Als weiteres Aushängeschild agieren die insgesamt 14 USB-3.0- und sechs USB-2.0-Schnittstellen. Mit zwölf USB-Anschlüssen direkt am I/O-Panel (10x USB 3.0, 2x USB 2.0) sind in Sachen Anschlussvielfalt kaum Grenzen zu erwarten. Jeweils zwei USB-3.0- und USB-2.0-Header runden das Ganze dann bestens ab. Auch im Storage-Bereich kann sich der Interessent mit den acht SATA-6G-Ports, den zwei SATAe-Schnittstellen und mit den beiden M.2-Steckplätzen glücklich schätzen. Erfreulich an den letzteren beiden ist, dass beide mit 32 GBit/s angebunden sind und mit dem passenden SSM (Solid State Module) ordentlich in Fahrt kommen. Dabei wurde einer direkt onboard in senkrechter Ausrichtung verbaut, während der andere mittels mitgelieferter PCIe-3.0-x4-Adapterkarte realisiert wird.

Wird eine Haswell-E-CPU mit 40 PCIe-3.0-Lanes installiert, lassen sich auf dem X99-DELUXE sogar vier NVIDIA- oder AMD-Grafikkarten nutzen. Für diesen Einsatz halten sich gleich fünf mechanische PCIe-3.0-x16-Steckplätze bereit. Mit dem Core i7-5820K ist aufgrund der geringeren Anzahl an PCIe-3.0-Lanes dagegen bei drei Grafikkarten Schluss. Davon abgesehen wurde der PCIe-2.0-x4-Slot unterhalb des ersten und obersten PCIe-3.0-x16-Steckplatz allerdings etwas schlechter platziert. Rein auf dem Board selbst lassen sich fünf 4-Pin-Lüfter anschließen, doch ASUS genügte das nicht und packte noch die Extended-FAN-Header-Karte mit in den Karton, an der nochmal vier weitere Lüfter angeklemmt werden können. Von diesen neun Headern lassen sich entweder über das BIOS oder mit der AI Suite 3 acht Stück steuern. Eine umfangreiche und vor allem leise Kühlung ist also schon einmal vorprogrammiert.

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Bei diesem Anschluss-Bombardement gehen die beiden Gigabit-LAN-Ports über zwei Intel-Netzwerk-Controller sowie das Crystal-Sound-2-Feature mit dem Realtek ALC1150 etwas unter. Alternativ kann sogar eine kabellose Netzwerkverbindung mit dem WLAN/Bluetooth-4.0-Modul verwendet werden. Dank des unterstützten WLAN 802.11ac-Standards können die Daten netzwerkintern mit bis zu 867 MBit/s übertragen werden. Das X99-DELUXE bietet jedoch darüber hinaus noch weitere kleine Gimmicks. Neben den Power-, Reset- und CMOS-Clear-Tastern und der Diagnostic-LED wurde an weitere Switches gedacht, die das Multi-GPU-Setup beeinflussen, die XMP-Funktion aktiviert und die EPU- und TPU-Funktionalität betreffen. Selbstverständlich ist auch wieder der ASUS-typische MemOK!-Taster dabei.

Die verwendete UEFI-Oberfläche ist dagegen nicht neu und wurde exakt von der Z97-Serie übernommen, was kein Fehler war. Aufgrund der vielen gebotenen Funktionen wirkt die Oberfläche zwar teilweise überladen, nach einer kurzen Zeit ist allerdings ein intuitives Bedienen per Maus und Tastatur möglich. In manchen Situationen war jedoch ein verzögertes Scrollen festzustellen, was wir auf die umfangreiche Funktionsvielfalt schieben. ASUS hat jedoch schon BIOS-Pflege betrieben und stellte eine verbesserte Version zur Verfügung, für die wir eine sehr gute Stabilität bescheinigen können. Alle gewählten Einstellungen wurden vom UEFI zu unserer vollsten Zufriedenheit in die Tat umgesetzt. Wenn wir etwas an dem X99-DELUXE zu beanstanden haben, dann wäre das die etwas zu hohe Leistungsaufnahme unter Last. Zwar waren es im Schnitt fünf bis zehn Watt mehr, die aber nicht unerwähnt bleiben sollten. Uns ist aber auch absolut klar, dass der Enthusiast mit dieser Plattform eher weniger auf den Stromzähler schaut.

Der unangenehmste Teil dieses Artikels ist sicherlich der verlangte Preis für das ASUS X99-DELUXE. Damit das Board über die Ladentheke wandert, müssen laut unseres Preisvergleichs mindestens 320 Euro ausgegeben werden. Selbst für ein Mainboard für die Enthusiasten-Plattform ist das nicht wenig. Es sollte allerdings nicht vergessen werden, was der Käufer dieses Bretts im Gegenzug erhält. Nämlich einen Haswell-E-Unterbau im ATX-Format mit einer Vollausstattung, die schon fast seinesgleichen sucht.

Positive Eigenschaften des ASUS X99-DELUXE:

  • sehr gute Leistungsfähigkeit mit einer sehr starken CPU-Spannungsversorgung und zahlreichen Overclocking-Funktionen
  • passende Ausstattung, u.a. 14 USB-3.0-Anschlüsse, zwei SATAe-Schnittstellen und acht SATA-6G-Ports
  • PCI-Express-3.0-Unterstützung an fünf PEG-Slots
  • sehr gute Gesamtperformance und sehr gute Stabilität
  • Crystal Sound 2
  • Dual-M.2 mit jeweils 32 GBit/s
  • Dual-Gigabit-LAN
  • WLAN 802.11ac und Bluetooth 4.0
  • inkl. Extended-FAN-Header-karte neun FAN-Header

Negative Eigenschaften des ASUS X99-DELUXE:

  • erhöhte Leistungsaufnahme unter Last
  • deplatzierter PCIe-2.0-x4-Slot

Mit dem ASUS X99-DELUXE bekommt der Interessent ein Haswell-E-Mainboard, das sehr gut ausgestattet wurde und auch mit auf Blick auf das Overclocking optimiert wurde. Bis auf Kleinigkeiten, die notfalls vernachlässigt werden können, hat sich die Platine als guter Unterbau entlarvt. Dafür wird allerdings auch ein relativ stolzer Geldbetrag fällig, was dem typischen Enthusiasten aber eher weniger abschrecken dürfte.

EH ASUS X99-DELUXE

Alternativen? Ebenfalls gut ausgestattet und zugleich günstiger ist das ASRock X99X Killer, das wir uns auch schon genauer angeschaut haben. Das Mainboard ist sogar auf das Thema Gaming hin optimiert. Für etwa 10 Euro mehr könnte man sich auch noch das MSI X99S XPOWER AC angucken, das sich deutlich auf das Overclocking konzentriert.

 

Persönliche Meinung

Wer sich das ASUS X99-DELUXE zulegt, braucht sich über mangelnde Funktionen oder fehlende Ausstattung keine Gedanken machen. Der Erwerber bekommt sozusagen das All-Inklusive-Paket mit allen Extras. Über die zwei negativen Punkte wird sich der Großteil aber nicht stören, sodass die Vergabe des Excellent-Hardware-Awards die richtige Entscheidung war. (Marcel Niederste-Berg)