Seite 24: Fazit

Konnte die Radeon RX 6800 die GeForce RTX 3070 klar dominieren und die Radeon RX 6800 XT und GeForce RTX 3080 lagen auf Augenhöhe, positionierte AMD die Radeon RX 6900 XT in einigen Marketing-Folien gegen die GeForce RTX 3090. Nach den Benchmarks müssen wir sagen, dass die Radeon RX 6900 XT nicht ganz auf Augenhöhe mit dem Ampere-Flaggschiff von NVIDIA liegt. Man muss ehrlicherweise auch festhalten, dass NVIDIA im absoluten High-End-Segment weiterhin die Nase ein kleines Stück vor AMD hat. Hin und wieder kann die Radeon RX 6900 XT die Konkurrenz schlagen, aber im Grunde wäre es auch verwunderlich, wenn AMD eine Karte für 1.000 Euro so positionieren würde, dass sie ein Modell für 1.500 Euro schlägt – jeweils die unverbindliche Preisempfehlung angenommen.

Die Radeon RX 6900 XT landet in etwa dort, wo man sie anhand des Preises einordnen würde. Sie ist um etwa zehn Prozent schneller als eine Radeon RX 6800 XT, was sie über das Niveau einer GeForce RTX 3080 hebt, aber sie reicht eben nicht an die GeForce RTX 3090 heran. Man bekommt also nicht für 1.000 Euro die Leistung einer 1.500-Euro-Karte – zumindest nicht über alle Bereiche hinweg.

Die Rasterization-Leistung liegt im erwarteten Bereich und auch, wenn das Raytracing hinzukommt, erleben wir keine Überraschungen. Es bleibt also dabei, dass AMD in einigen Titeln überproportional viel an Leistung bzw. FPS durch die Raytracing-Effekte verliert. Dort wo die FPS bei den GeForce-GPUs halbiert werden, sind es bei der Radeon RX 6900 XT nur noch ein Drittel. Dort wo NVIDIA 30 % einbüßt, sind es dann 50 % bei AMD. Es gibt aber auch hier einige Ausnahmen und spannend wird zu beobachten sein, ob AMD hier nur etwas an Optimierungsarbeit fehlt und am den Rückstand damit verkürzen kann oder erst GPUs auf Basis von RDNA 3 einen größeren Schritt machen werden.

Positiv hervorheben muss man an dieser Stelle, dass AMD die Leistung der Radeon RX 6900 XT mit einem Power-Budget erreicht, welches auch für die Radeon RX 6800 XT verwendet wird. Sprich: Die 300 W TDP-Limit bleiben in etwa erhalten, in den Spitzen liegen die beiden großen Big-Navi-Karten gleichauf. An den Verbrauch einer GeForce RTX 3090 reicht sie nicht heran, aber eben auch nicht an deren Leistung. Insofern passt die Skalierung in Leistungsaufnahme und Performance.

AMD Radeon-RX-6000-Serie
AMD Radeon-RX-6000-Serie
AMD Radeon-RX-6000-Serie
AMD Radeon-RX-6000-Serie

Bereits die ersten beiden Big-Navi-Karten im Referenzdesign konnten durch eine leise und effektive Kühlung überzeugen. AMD hat für das Axialdesign, den Aufbau des Kühlers und die Lüftersteuerung gute Entscheidungen getroffen, die allesamt dazu führen, dass die Big-Navi-Karten im Referenzdesign leise sind und das Optimum der Leistung abrufen können. Die Custom-Designs haben es bei der Radeon RX 6800 und Radeon RX 6800 XT schwer. Sollte es Custom-Designs der Radeon RX 6900 XT geben, wird es diesen nicht anders ergehen.

Die Kühlung der Radeon RX 6900 XT hat mit dem rund 340 W an Abwärme offenbar keine großen Probleme und bleibt extrem leise. Für diese Leistungsklasse sehen wir hier eine der leisesten Karten, die wir bislang testen konnten. Bei den Temperaturen arbeitet AMD in einem Fenster von 70 bis 80 °C und es ist auch nicht bedenklich, dass eine GPU bei diesen Temperaturen betrieben wird, zumal wir ohnehin Maximalwerte sehen, die weit darüber liegen. Für AMD kennen wir diese (< 95 °C), NVIDIA liefert sie nur nicht per API an die Software und somit wissen wir nicht, wie es hier aussieht.

Sehr gut gefallen uns alle Big-Navi-Karten, wenn es um das Overclocking geht. Dabei ist die Radeon RX 6900 XT keine Ausnahme. Bis zu 2.700 MHz GPU-Takt konnten wir im manuellen Overclocking erreichen, was einem Leistungsplus von etwas mehr als 10 % entspricht. Der gewillte Nutzer kann hier einfach noch sehr viel experimentieren und das Maximum der Hardware ausloten.

Weiterhin ein großes Fragezeichen müssen wir beim Preis der Radeon RX 6900 XT machen. AMD ruft 999 Euro auf, aber wie schon bei den bisherigen Big-Navi-Karten wird die Karte im AMD-Design nur sehr begrenzt verfügbar sein, was dann etwas später auch für die Custom-Designs gelten wird. Demzufolge werden wir auch Preise sehen, die weit von den 999 Euro entfernt sein werden. Vor 2021 wird sich die Situation auch nicht weiter entspannen. Ganz im Gegenteil, alles deutet derzeit darauf hin, dass die Komponenten der Grafikkarten teurer werden – angefangen von der GPU, der Fertigung des PCBs, bis hin zu den einzelnen Komponenten.

Positive Aspekte der AMD Radeon RX 6900 XT:

  • Leistung zwischen einer GeForce RTX 3080 und GeForce RTX 3090
  • 16 GB Grafikspeicher
  • extrem leise unter Last
  • semipassive Kühlung

Negative Aspekte der AMD Radeon RX 6900 XT:

  • Raytracing noch problembehaftet