Seite 30: Fazit

NVIDIA hat das Offensichtliche umgesetzt: Die GK100-GPU läuft für zwei Tesla-Produkte vom Band und kann natürlich auch für den Desktop verwendet werden. Doch die GeForce GTX Titan wird auf absehbare Zeit das einzige Produkt dieser Art bleiben, denn eine komplette Serie wird NVIDIA hier nicht anbieten (wollen). Statt dessen bietet man Enthusiasten einen Übergang bis zur nächsten Generation - wenngleich dieser nicht gerade günstig ist.

Die GeForce GTX Titan lässt sich schnell und einfach auf wenige Bestandteile herunterbrechen:

  • derzeit komplexeste GPU
  • derzeit schnellste Single-GPU-Karte
  • derzeit teuerste Single-GPU-Karte

Um diese Fakten herum hat NVIDIA ein Produkt gestrickt, dass kaum Kompromisse eingeht. Wir wissen nicht, welchen Anteil die Kühlung an der rund 950 Euro teuren Karten hat. Doch uns hat Materialwahl und Verarbeitung gefallen. Doch darf dies überhaupt eine Rolle spielen, schließlich verschwindet die Karte meist im nächsten PC-Gehäuse? Ja, darf es, denn beide Punkte spielen bei der Kühlung und letztlich auch der Performance eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Dies hat NVIDIA bereits mit der GeForce GTX 690 bewiesen.

NVIDIA GeForce GTX Titan
NVIDIA GeForce GTX Titan

In Sachen Single-GPU-Performance darf sich NVIDIA wieder uneingeschränkt die Performance-Krone aufsetzen. Sowohl die eigene GeForce GTX 680 wie auch die AMD Radeon HD 7970 (GHz Edition) lässt man weit hinter sich. Ob 40-50 Prozent gegenüber der Konkurrenz aus eigenem Hause und in etwa der ähnliche Bereich bei der Radeon HD 7970 GHz Edition ausreichen, um 950 Euro zu rechtfertigen, ist zumindest fraglich. Etwas merkwürdig erscheint auch der Vergleich zur GeForce GTX 690, die man bei der Performance erst bei 5760x1080 Pixeln ein- bzw. überholt. Den Preisvergleich gewinnt das Dual-GPU-Modell mit rund 840 Euro in jedem Fall. Trumpf für die GeForce GTX Titan: Sie ist eine Single-GPU-Karte, die nicht mit Mikrorucklern (auch wenn deren Auftreten bei NVIDIA deutlich reduziert wurden) zu kämpfen hat. Wäre NVIDIA mit 800 Euro für die GeForce GTX Titan gestartet, hätte dies einen Kritikpunkt weniger nach sich gezogen. Da uns der Einblick in die Entwicklungskosten und die geplanten Verkaufszahlen einer solchen Karte fehlen, können wir allerdings keine wirtschaftliche echte Beurteilung des Preises vornehmen, sondern diesen nur mit den aktuellen Marktgegebenheiten abgleichen.

Dankenswerterweise stellte uns NVIDIA gleich drei GeForce GTX Titan zur Verfügung, sodass wir gleich alle nur erdenklichen Optionen zur Verfügung hatten. Doch eines wurde auch klar: Drei GeForce GTX Titan sind nicht nur preislich eine Herausforderung, sondern auch technisch, denn auch einem Intel Core i7-3960X mit 4,2 GHz fällt es schwer ausreichend Daten an die Karten zu liefern. Erst wenn diese aufgrund hoher Qualitätseinstellungen (fast) auf sich alleine gestellt sind, können sie ihr Potenzial ausspielen. Eine möglichst hohe Auflösung oder die Verwendung hardwarehungriger Anti-Aliasing-Modi sind also Pflicht.

NVIDIA GeForce GTX Titan
Straßenpreis zirka 950 Euro
Homepage www.nvidia.de
Technische Daten
GPU GK110 (GK110-400-A1)
Fertigung 28 nm
Transistoren 7,1 Milliarden
GPU-Takt 837 MHz (Boost: 876 MHz)
Speichertakt 1502 MHz
Speichertyp GDDR5
Speichergröße 6144 MB
Speicherinterface 384 Bit
Speicherbandbreite 288,4 GB/Sek.
DirectX-Version 11.0
Shadereinheiten 2688 (1D)
Textur Units 224
ROPs 48
Pixelfüllrate 40,2 Gigapixel
SLI/CrossFire SLI
Lautstärke
Idle-Modus 35,4 dB(A)
Last-Modus 52,8 dB(A) 
Leistungsaufnahme
Idle-Modus 104,4 Watt
Last-Modus 387,6 Watt 
Temperaturen
Idle-Modus 37 °C
Last-Modus 80 °C 

Gute Arbeit hat NVIDIA beim Kühler geliefert. Er arbeitet nicht nur leise, sondern auch effektiv und hält die Temperaturen niedrig. Dies spielt auch eine Rolle, wenn man sich das Hauptfeature der GeForce GTX Titan anschaut: GPU Boost 2.0. Durch die Wahl eines Power- und eines Temperatur-Targets wird die Leistung der GeForce GTX Titan maßgeblich beeinflusst. Wer sich eine solche Karte einfach nur kauft, in den Rechner steckt und damit spielt, hat dies alles nicht zu interessieren - muss es auch nicht. Wer allerdings noch etwas mehr Takt und somit Leistung aus seiner Karte herausholen will, bekommt einen Parameter mehr an die Hand, an dem er arbeiten kann. Sollten früher oder später wassergekühlte Versionen auf den Markt kommen, wird dies eine noch größere Rolle spielen. Vollends auf die Spitze getrieben wird dies dann vermutlich von den Profis, die auch noch flüssigen Stickstoff in die selbstgefrästen Kühler kippen. Doch hierzu müssen erst noch wichtige Fragen geklärt werden:

  • Wie sehen die speziellen OC-Versionen aus, die NVIDIA an die Hersteller liefert? Bisher ist unser Kenntnisstand, dass sich die Karten einzig und alleine durch das höhere OC-Potenzial unterscheiden. NVIDIA liefert die Karten samt montiertem Kühler an die Hersteller und dieser muss diese dann umbauen und gegebenenfalls ein anderes BIOS aufspielen.
  • Welche Vorgaben macht NVIDIA in Sachen Spannung? Unsere Referenzkarten erlaubten maximal 1,2 Volt. Dies ist durchaus beachtlich, von 1,162 Volt maximaler Spannung im Boost kommend aber kein allzu großer Spielraum. Die Hersteller halten sich bisher noch bedeckt. Gerüchte sprechen aber bereits von bis zu 1,5 Volt, die per BIOS zugänglich gemacht werden sollen. In diesem Bereich aber dürfte sich nur noch fachkundiges Personal bewegen, ansonsten segnen 7,1 Milliarden Transistoren nur allzu schnell das Zeitliche.

Haben die Titanen den Kampf nun gegen die Olympier verloren und werden in die Unterwelt verbannt? Den Performance-Vergleich entscheidet man für sich, zumindest wenn man die Auswahl auf Single-GPU-Karten beschränkt. Doch auch dann hat man allenfalls die GeForce GTX 690 aus eigenem Hause gegen sich. AMD wurde im Vorfeld des Launches der GeForce GTX Titan nicht müde zu betonen, dass man doch mit den Radeon-HD-7990-Modellen die Performance-Krone aufsitzen hätte (was auch stimmt), dabei muss sich AMD aber allzu sehr auf die eigenen Partner und zudem auf eine Dual-GPU-Lösung verlassen - mit allen Vor- und Nachteilen.

Alternativen? Wer sich eine GeForce GTX Titan kauft, tut dies meist nicht, weil es sinnvoll ist, sondern weil er es kann. 950 Euro sind ein Preis, für den sich so mancher einen kompletten Gaming-PC zusammenstellt und damit auch die aktuellen Spiele flüssig abspulen kann. Daher kann es auch keine sinnvolle Alternative zur GeForce GTX Titan geben.


Persönliche Meinung

foto-a-schillingEine komplett neue GPU ist für einen Redakteur eine dankbare Aufgabe sich wieder einmal in die Arbeit zu stürzen. Auch wenn die Architektur nicht wirklich neu ist, so sind doch entscheidende Unterschiede zum "kleinen Kepler" vorhanden. Dies umschreibt auch gleich den technisch interessanten Bereich der GeForce GTX Titan, die Performance gerät dabei fast schon zur Nebensache. Zur Nebensache wird die Hardware so manches mal aber auch aus anderen Gründen:

In der Theorie sind NDAs (Sperrfristen) fixe Daten, die von beiden Seiten eingehalten werden sollten. Sie geben auch den Zeitraum vor, den ein Redakteur hat, um seinen Artikel fertigzustellen. Der Launch der GeForce GTX Titan ist aber ein Beispiel dafür, dass man sich nicht allzu sehr darauf verlassen sollte. Ursprünglich sollte die Karte am Montag präsentiert werden, Benchmarks waren für den Dienstag geplant. Die Karte hielten wir aber erst am Donnerstag in Händen und was zunächst nach einem nicht mehr existenten Wochenende aussah, spitzte sich noch weiter zu, als NVIDIA keinen Treiber zur Verfügung stellen konnte. Der Dienstag als Tag der Benchmarks war also kaum noch zu halten und dies hat wohl auch NVIDIA eingesehen und erlaubte an diesem Tag nur noch die Nennung der technischen Daten und Features. Benchmarks dürfen wir euch erst heute, also in zwei Tagen präsentieren. Da mutet es schon etwas seltsam an, dass eine Firma ein Pixelmonster mit 7,1 Milliarden Transistoren konstruieren kann, aber immer wieder beim Versand der Testsamples und der Bereitstellung des Treibers scheitert.

Offenbar aber scheint man selbst hier noch Unterscheidungen zwischen den Redaktionen zu machen. Mehrfach wurden wir darauf hingewiesen KEINE Benchmarks vor dem Donnerstag zu veröffentlichen. Interne Absprachen zwischen NVIDIA und einer Redaktion aber ermöglichten die Veröffentlichung einiger Crysis-3-Performancedaten bereits gestern. Wir wussten natürlich nichts davon und haben wieder einmal das Nachsehen. Soviel Spaß wir auch immer wieder mit der Hardware haben, NDAs und die Organisation auf Seiten der Hersteller schmälern diesen doch immer wieder. (Andreas Schilling)

 

Positive Aspekte der NVIDIA GeForce GTX Titan:

  • enorme Single-GPU-Performance
  • selbst höchste Auflösungen und Qualitätseinstellungen laufen flüssig
  • hohes Overclocking-Potenzial
  • GPU Boost 2.0 mit mehr Optionen für den Nutzer
  • gute Compute-Performance
  • effektive und leise Kühlung

Negative Aspekte der NVIDIA GeForce GTX Titan:

  • hoher Preis
  • preislich nicht gerechtfertigstes Performance-Plus gegenüber der GeForce GTX 680/690 und Radeon HD 7970
  • hoher Stromverbrauch im SLI und 3-Way-SLI

eh geforce titan-rs

Aufgrund der enormen Single-GPU und Multi-GPU-Performance sowie der guten Kühlung und des hochwertigen Auftretens verleihen wir der NVIDIA GeForce GTX Titan den "Hardwareluxx Excellent Hardware"-Award.