Seite 25: Fazit

Der Wechsel auf eine kleinere Fertigung ist für jeden Chiphersteller eine große Herausforderung. Gerade wenn die Fertigung nicht "In-House" stattfindet, sondern von Auftragsfertigern durchgeführt wird, kommt es immer wieder zu Problemen. TSMC hatte schon recht früh bekannt gegeben, dass der 28-nm-Prozess Schwierigkeiten machen wird. Den beiden Herstellern AMD und NVIDIA war aber klar, dass eine kleinere Fertigung mehr als notwendig werden wird. Gerade NVIDIA hatte mit einer fast schon gigantischen Chipfläche von 530 mm² bei 3 Milliarden Transistoren zu kämpfen. AMD war in der Vergangenheit meist etwas sparsamer, nicht nur bei der Anzahl der Transistoren, sondern auch bei der Effizienz seiner GPUs. Das Blatt scheint sich mit der neuen Generation an 28-nm-GPUs aber gewendet zu haben. Während AMD mit einem Transistor-Monster mit 4,3 Milliarden Transistoren auf 365 mm² antritt, kommt NVIDIA mit 3,53 Milliarden Transistoren und 294 mm² aus.

Dies ist vor allem dann wichtig, wenn es um den Preis geht. NVIDIA gewährte einen interessanten Einblick, als man sich zu einer interessanten Aussage während der Bekanntgabe der Quartalszahlen hinreißen lies. Offenbar ist die Ausbeute weit geringer als NVIDIA angenommen hat und zudem können auch nicht genügend Wafer geliefert werden. Hersteller wie AMD und NVIDIA zahlen bei TSMC nicht für funktionsfähige Chips, sondern für die Wafer, egal wie viele Chips darauf verwendet werden können. Eine größere Chipfläche bedeutet eine geringere Anzahl an Chips pro Wafer und damit höhere Kosten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist natürlich die Yield-Rate, also Ausbeute an funktionierenden Chips. Hier lassen sich beide Hersteller allerdings nicht in die Karten schauen.

Kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Artikels - der GeForce GTX 680. NVIDIA hat mit GPU-Boost eine aus dem CPU-Bereich bereits bekannte Technologie auf die GPUs überführt. Den Umstand, dass nicht alle Applikationen und Spiele eine Grafikkarte in der Vergangenheit komplett ausnutzen konnten, war bekannt, allerdings fehlte es an einer technischen Umsetzung dies zu umgehen. GPU-Boost ist ein Ansatz, der deutlich weiter reicht, als AMDs PowerTune. Doch NVIDIA wird Schwierigkeiten haben, das Feature dem Otto-Normaluser auch nahe zu bringen. Auch in unserem Artikel haben wir diverse Absätze und Grafiken benötigt, um die Technik hinter GPU-Boost zu erklären. Ob uns dies gelungen ist, können wir nur schwer beurteilen.

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Bei modernen Grafikkarten reduziert sich vieles auf einige wichtige Eckdaten: Anzahl der Cores/Shader, GPU- und Speicher-Takt. Doch welchen Wert soll NVIDIA nun angeben? Sicherlich ist der Basis-Takt eine, wie der Name schon sagte, gute Basis dazu. Doch wenn man höhere Zahlen anbieten kann, will man diese sicherlich an den Kunden bringen. Der Boost-Takt ist ein garantierter "Turbo", den jede GeForce GTX 680 erreicht. Doch es kommt noch ein weiterer hinzu: Der maximale Takt, der unter bestimmten Umständen in Spielen erreicht wird. Dieser scheint bislang bei etwa 1110 MHz zu liegen. Doch keine Karte ist wie die andere und daran wird sich auch nichts ändern. Sollte NVIDIA gemeinsam mit TSMC die Fertigung weiter in den Griff bekommen, könnten sogar Karten erscheinen, die einen höheren maximalen Takt erreichen. Dann werden die Shops sicherlich in die Situation kommen, dass sich ein Kunde mehrere Karten bestellt, die beste heraussucht und die restlichen wieder zurückschickt - sich die beste Hardware also selektiert.

Features wie TXAA und die adaptive Synchronisation sind schicke Features, die sich aber zumindest im Falle von TXAA außerhalb von Techdemos erst noch beweisen müssen, dass sie in der Praxis auch halten, was sie versprechen. Zumindest die adaptive Synchronisation funktioniert aber bereits jetzt und kann überzeugen.

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NVIDIA verspricht ein deutlich höheres Performance/Watt-Verhältnis als mit dem Vorgänger aus eigenem Hause und auch gegen die Konkurrenz von AMD zeigte man sich selbstbewusst. Die eigenen Messungen belegen dies. Sowohl im Idle- wie auch Last-Betrieb verbraucht die GeForce GTX 680 weniger oder zumindest gleich viel wie eine Radeon HD 7970. Bezieht man nun auch noch die Benchmarks mit in diese Betrachtung ein, kann NVIDIA tatsächlich mit einem besseren Performance/Watt-Verhältnis aufwarten. In den synthetischen Benchmarks liegt der Vorsprung bei 20 Prozent. In den realen Spiele-Benchmarks sind es 5 bis 30 Prozent (je nach Auflösung und Spiele-Engine). In manchen Benchmarks muss sich die GeForce GTX 680 der Radeon HD 7970 aber auch geschlagen geben. Beispiele sind Crysis Warhead und Metro 2033. Hier wird NVIDIA aber sicherlich noch an den Treiber feilen, um solche Rückstände auszubügeln. Über alle unsere Benchmarks hinweg messen wir ein Performance-Plus der GeForce GTX 680 gegenüber der Radeon HD 7970 von 7,5 Prozent. Besonders in hohen Auflösungen profitiert AMD vom größeren Speicher seiner High-End-Karten.

Gut gefallen hat uns auch die Referenzkühlung von NVIDIA, die in der Vergangenheit immer wieder Kritik erleiden musste. Im Idle-Betrieb messen wir einen sehr guten Wert von 36 °C, unter Last sind es 80 °C und damit eine Handvoll mehr als AMD seinen GPUs zumutet. NVIDIA scheint dies aber in Kauf zu nehmen und lässt den Lüfter unter Last etwas weniger schnell drehen. Dies kommt dann auch der Lautstärke zugute. Diese liegt unter Last durchschnittlich unterhalb der Radeon-HD-7800 und -7900-Serie.

NVIDIA will die GeForce GTX 680 für eine unverbindliche Preisempfehlung von 419 Euro zuzüglich MwSt. anbieten. Dies wären dann in etwa 500 Euro. Die günstigste Radeon HD 7970 ist derzeit für zirka 440 Euro gelistet. Es bleibt aber erst einmal abzuwarten, wie sich die Preise der GeForce GTX 680 entwickeln. Erst dann ist eine finale preisliche Bewertung möglich.

Wir sind gespannt, wie NVIDIA seine "Kepler"-Generation weiter ausführt. Die GeForce GTX 680 ist nur der Anfang. Am Horizont blitzt bereits die GeForce GTX 670 Ti hervor und auch weitere Mittelklasse-Modelle werden sicher bald folgen. Nicht vergessen sollte man natürlich auch das kommende Flaggschiff, das wohl vor allem im HPC-Bereich seine Stärken haben dürfte, aber ebenso im Desktop-Markt auftrumpfen könnte. Doch bis dahin dürften noch einige Monate vergehen.

Positive Aspekte der NVIDIA GeForce GTX 680:

  • niedriger Idle-Stromverbrauch
  • sehr gutes Performance/Watt-Verhältnis unter Last
  • geringe Idle-Lautstärke
  • geringe Last-Lautstärke
  • DirectX 11.1
  • PCI-Express 3.0

Negative Aspekte der NVIDIA GeForce GTX 680:

  • hoher Preis
  • undurchsichtige Takt-Angaben