Zumal das bloße Einkommen auch nicht direkt gleichzusetzen ist mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
z.B. folgendes Szenario zweier Geschwister:
-Nr. 1 -> mittlere Reife -> Ausbildung -> 2,4k Netto (d.h. ab dem Alter von ~19 Jahren)
-Nr. 2 -> Abi -> Bildungskredit -> Bachelor, Master, Promotion -> Einstieg in die Arbeitswelt mit Anfang 30 (3,8k Netto), irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt werden dann mal die magischen 100k Brutto geknackt. Unterm Strich gehts Nr. 2 nicht besser, er hat im Schnitt nicht mehr Geld (man bedenke die enormen Ausbildungskosten/Schulden), darf dann aber fleißig zahlen, während Nr. 1 nichts zahlen muss, obwohl durchschnittlich über die Jahre ähnlich gut verdient wurde. Super System...
Das progressive Steuersystem tut dann sein übriges dazu.
Das finde ich ziemlich unrealistisch, vorallem bei zwei Geschwistern, aber eigentlich aus mehreren Gründen.
Erstmal sind 2.400€ als Einstiegsgehalt mit einem Mittleren Beruf unter normalen Umständen extrem unrealistisch. Wenn dann geht das eher nur in echten Knochenjobs oder in extrem inhumanen Schichtsystemen wie Contischicht oder Dauernachtschicht.
Zweitens ist eine einer akademischen Laufbahn die Promotion nicht die Regel, sondern sie Ausnahme. Es hängt natürlich vom Studiengang ab, aber im Durchschnitt sieht es eher so aus:
ca. 55% erreichen einen oder ggf. auch zwei Bachelorabschlüsse
ca. 25% brechen das Studium ganz ohne akademischen Abschluss ab
ca. 18% erreichen einen Masterabschluss
ca. 2% erreichen die Promotion
Und jenen die eine Promotion anstreben kommt nur eine kleine Minderheit aus Mittelschicht- oder gar Prekariatsfamilien die ihr Studentenleben mit Bafög und Studentenjobs bestreiten mussen, sondern der Grossteil kommt da schon aus sehr gut situierten Oberschichtsfamilien, und bekommt oft mehr Taschengeld als jemand in einem Mittleren Reife Job Nettoverdienst hat.
Spielt nichtmal ne Rolle. 48 Jahre mal 12 Monate mal 2400 sind roudnabout 1,4 Mio. 37 Jahre mal 12 Monate mal 3800 sind ca. 1,7 Mio.
Eigentlich ist keine der beiden Varianten für die Betroffenen wirklich gut, sondern beide Varianten haben einen entscheidenen Nachteil.
Bei der ersten Variante ist der Nachteil das nicht allzuviel hängen bleibt das wirklich entweder individuell ausgegeben oder für den Vermögensaufbau angespart werden kann, sondern der Grossteil nur ein durchlaufender Posten für Miete, Auto, Sprit, Lebensmittel etc ist.
Bei der zweiten Variante bleibt natürlich dann viel mehr hängen das man wirklich individuell ausgeben oder für den Vermügensaubau ansparen kann. Anderseits kann man natürlich mit 37 schon viele Dinge die man noch mit 23-32 hätte machen können einach nicht mehr machen, egal wieviel Geld man hat.
Die durchschnittliche Inflation der letzten 70 Jahre in Deutschland liegt bei 2,49%.
Kriegst du also nicht jedes Jahr im Schnitt genau das mehr, hast du auf Sicht Kaufkraftverlust.
Bis zur Finanzkriese 2008/2009 waren die Gehaltserhöhungen und auch die Guthabenverzinsung höher als die Inflationsrate. Aber das war die Trendwende, seitdem sinken die Realeinkommen kontinuierlich. Und seit dem Lockdown-Ende und der Ukraine-Krise ist es eben besonders extrem.