Die finale Spezifikation von DDR6 sollte im ersten Halbjahr 2025 fertig sein, was dann für einen Einsatz ab dem zweiten Halbjahr 2026 gesprochen hätte, wenn es keine Probleme gibt, aber meines Wissens ist sie immer noch nicht fertig. Daran arbeitet die JEDEC und da haben vor allem die DRAM Hersteller und dann auch die CPU Hersteller, die stellen ja auch die RAM Controller her an denen die RAMs dann hängen, das Sagen. Die DRAM Hersteller werden aber derzeit kein Interesse daran haben, denn eine Umstellung der Fertigung dauert Monate:
Dies bezieht sich zwar auf NAND, ist bei DRAM aber nicht anderes und solange die Nachfrage und damit die Preise so hoch sind, werden die DRAM Hersteller dies sicher nicht machen wollen. Normalerweise ist es ja so, dass sie an den DRAMs nach dem alten Standard nicht mehr viel verdienen, was ja erst vor einigen Monaten das Argument war, warum sie die Massenfertigung von DDR4 einstellen wollten. An dem DRAM nach dem neusten Standard lässt sich aber wieder gut verdienen, wie man an den anfänglichen Preisen von DDR5 (und davor DDR4, etc.) gesehen hat, aber diese Motivation für die Einführung von DDR6 dürfte derzeit einfach nicht vorhanden sein, zumal die ganzen Server Plattformen ja auch noch DDR5 brauchen und auf die dort verbauten RDIMM kommen die gleichen DRAM Chips, nur sitzt da noch ein Register Chip dazwischen. Deswegen kommen ja nun scheinbar auch RAM Riegel mit von Server Riegeln abgelöteten DRAM Chips auf den Markt:
Desoldered chips find a new life in new products.
www.tomshardware.com
Da der Zeitplan sich ja nun verschiebt, findet man in neueren Veröffentlichungen immer spätere Angaben, dies scheint ein älterer Artikel zu DDR6 zu sein, der noch den ursprünglichen Zeitplan anzeigt:
Wenn die Massenfertigung jetzt gestartet wäre, dann wäre irgendwann in der zweiten Jahreshälfte eine Markteinführung möglich gewesen, also gerade rechtzeitig für Nova Lake. Es gab ja auch Gerüchte, dass Nova Lake eben neben DDR5 auch schon DDR6 unterstützen wird, so wie Alder Lake eben erstmal DDR5, aber eben alternativ auch DDR4. Dafür spricht auch, dass bei Nova Lake der RAM Controller nicht auf dem CPU Tile sitzt, wie es bei Panther Lake der Fall ist, sondern auf einem anderen Tile, was die nötige Flexibilität für Anpassungen gibt, sollte der Standard am Ende vom Draft abweichen.
Das dann eine neue Plattform nötig ist um DDR6 unterstützen zu können, sollte auch klar sein, AMD wird dann ja auch zu AM6 wechseln. Was jetzt aber wegen des KI Booms und der dadurch ausgelösten RAM Knappheit bzgl. DDR6 RAM passieren wird, weiß man aber nicht. Ich vermute, es wird sich gewaltig verzögern und dies sehe wir ja schon an der Verzögerung der finalen Spezifikation. Wenn es sich lange verzögert, muss AMD vielleicht auch noch Zen 7 auf AM5 bringen, aber für Intel ist die Situation schwieriger, denn es gibt zwar DDR6 Samples, aber die beruhen natürlich auf der Vorabversion der Spezifikation und nicht auf der finalen Spezifikation, die ja noch gar nicht fertig ist und Intel hat sicher auch den RAM Controller auf Basis der Draft Spezifikation in seinen Nova Lake Samples und kann die Plattform damit testen.
Aber was macht man, wenn die finale Spezifikation vom Draft in einer Stelle abweicht, die für Probleme sorgt? So ein Problem gab es damals bei
USB3, wo in der finalen xHCI Spezifikation gegen über dem letzten 0.96 Draft neue Energiesparzustände eingeführt wurden und es dann zu Verbindungsabbrüchen kam, wenn Hardware die nach dem Draft entwickelt wurde, dann mit solche die nach der finalen Version entstanden ist, zusammengetroffen ist.
Dann hätte man im schlimmsten Fall eine S.1954 Plattform, die nicht mit der finalen DDR6 Spezifikation kompatibel ist, weil die Nova Lake eben nur DDR6 auf Basis des Draft unterstützen und wenn dann DDR6 erscheint, muss man ein Refresh auflegen oder eine neue Generation bringen um dann erste Boards mit DDR6 zu ermöglichen, aber bestehende Nova Lake CPUs laufen darauf dann nicht. Oder man muss schon wieder eine neue Plattform bringen und die Entwicklung einer solchen kostet ja auch einiges.
Im besten Fall bleibt vom Draft zur finalen Spezifikation alles so weit gleich, dass auch die Nova Lake damit laufen und dann kommen eben Mainboards mit DDR6 auf den Markt, wenn auch die ersten DDR6 RAM Riegel auf den Markt kommen oder DDR6 verzögert sich so lange, dass dann schon die zweite Generation auf dem S.1954 ist und ein Wechsel der Plattform zu einer die DDR6 unterstützt, erfolgt dann eben mit der nächsten CPU Generation.
Oder man geht mit Nova Lake eben doch noch auf den S.1851, dann bleibt der S.1954 eben für die nächste Generation, wenn absehbar wäre, dass DDR6 dann verfügbar sein wird und man nimmt eben in Kauf, dass die Fortschritte bzgl. mehr PCIe 5.0 Lanes und nativem TB5 (Panther Lake hat dies ja schon), statt TB4 dann mit Nova Lake noch nicht kommen. Das würde den schlimmsten Fall vermeiden, aber wäre auch blöd, wenn DDR6 sich länger als ein Jahr verzögert und Razer Lake, Titan Lake (oder wie immer der Nachfolger von Nova Lake dann heißen wird) immer noch nicht mit DDR6 kommen kann?
Die Verzögerung von DDR6 ist für Intel also ein echtes Dilemma, zumal wenn keines sagen kann, wann dies denn endlich erscheint. Wie gesagt würde ich vermuten, dass es nicht kommt, solange die Nachfrage nach DDR5 so massiv ist, bricht diese Nachfrage dann ein, wäre DDR6 das optimale Mittel die fallenden Margen wegen fallender Nachfrage nach DDR5 dann abzufedern, denn für das dann nagelneue DDR6 kann man wieder Premiumpreise verlangen. Für die DRAM Hersteller wäre es also optimal, wenn sie so viel DDR5 RAM fertigen können, solange es so teuer ist und dann auf DDR6 schwenken, wenn die DDR5 Nachfrage einbricht, z.B. weil eben die KI Blase platzt und die Investitionen in neuen Rechenzentren ausbleiben und bestehende Projekte nicht fertiggestellt werden. Schlimmstenfalls könnte dann viel "gebrauchtes" DDR5 RAM auf den Markt kommen und die Preis in den Keller schicken.