NEWS

Das Ende des Billig-PCs

Gartner warnt vor dem Verschwinden der 500-Euro-Klasse

Portrait des Authors


Gartner warnt vor dem Verschwinden der 500-Euro-Klasse
48

Werbung

Der Speichermarkt steckt in einer ernsten Krise. Das Marktforschungsunternehmen Gartner warnt in einer aktuellen Analyse vor weiter explodierenden Preisen für DRAM- und NAND-Chips. Zudem droht ein massiver Einbruch der globalen Auslieferungszahlen für PCs und Smartphones in diesem Jahr. Konkret erwartet man einen Rückgang der weltweiten PC-Auslieferungen um 10,4 % und einen Einbruch beim Smartphone-Absatz um 8,4 % gegenüber 2025 – die schwächsten Zahlen seit mehr als einem Jahrzehnt.

Der Haupttreiber liegt nicht bei den Herstellern selbst, sondern in einem strukturellen Ungleichgewicht auf dem Halbleitermarkt: Die explodierenden Kapazitätsanforderungen von KI-Rechenzentren beanspruchen einen Großteil der verfügbaren Speicherproduktion für sich. Hyperscaler und Cloud-Anbieter rüsten ihre Infrastruktur mit Hochdruck für KI-Workloads auf und sorgen somit für eine gewaltige Nachfrage nach HBM-, LPDDR5x- und NAND-Speicher – Kapazitäten, die in der Vergangenheit in Laptops, Smartphones und Desktop-PCs geflossen wären. 

Gartner rechnet damit, dass die kombinierten Kosten für DRAM und SSDs bis Ende 2026 um 130 % gegenüber dem Vorjahresniveau steigen werden. Für Endverbraucher bedeutet das: Ein durchschnittlicher PC wird bis Jahresende 17 % teurer sein als 2025, ein Smartphone 13 %. Für die Gerätehersteller, die ohnehin mit schmalen Margen im Einstiegssegment kalkulieren, ist das kaum darstellbar: Gartner-Analyst Ranjit Atwal erklärt dazu, dass Memory-Kosten bereits jetzt 23 % der gesamten Stückliste eines PCs ausmachen – gegenüber 16 % im Vorjahr – und damit den Entry-Level-Bereich schlicht unwirtschaftlich machen.

Die Konsequenzen werden den Markt daher verändern. Gartner erwartet, dass die Budget-Klasse unterhalb der 500 Euro bei PCs bis 2028 vollständig verschwinden wird, weil Hersteller diese Preisklasse nicht mehr kostendeckend bedienen können. Parallel dazu dürften sich die Kaufmuster der Verbraucher verschieben: Wer sich ein neues Gerät nicht leisten kann oder will, behält es länger. Die durchschnittliche Nutzungsdauer von PCs bei Unternehmen soll sich bis Ende 2026 um 15 % und bei Privatnutzern um 20 % erhöhen. Das klingt harmlos, birgt jedoch ein Sicherheitsproblem: Ältere Geräte erhalten später keine Software-Updates mehr, was Millionen von Nutzern mit ungepatchten Sicherheitslücken zurücklässt. 

Auch der erhoffte Durchbruch des KI-PCs verzögert sich: Statt der ursprünglich für 2027 erwarteten Marktdurchdringung rechnet Gartner nun erst 2028 damit. Im Smartphone-Segment soll es erwartungsgemäß ebenfalls das Einstiegssegment am härtesten treffen: Die Marktforscher gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der Käufer günstigerer Modelle künftig auf Refurbished-Geräte oder den Gebrauchtmarkt ausweichen wird, während Premium-Smartphones aufgrund ihrer höheren Margen vergleichsweise stabil bleiben.

Back to top