Seite 2: Die Hardware hinter MBUX

Für den Nutzer selbst ist es allenfalls zweitrangig, welche Hardware sich hinter einem Infotainment-System verbirgt. Entscheidend ist hingegen, dass die Oberfläche, die über Linux gestülpt wird, flüssig dargestellt wird, Software-Updates möglich sind und anderes. Deshalb überrascht es, wie offen Mercedes-Benz in Hinblick auf die technischen Daten ist.

Was genau verbaut wird, hängt zunächst einmal von der gewünschten Fahrzeugkonfiguration ab, möglicherweise aber auch vom jeweiligen Fahrzeugmodell.

Genannt werden drei mögliche Display-Konfigurationen: zweimal 7 Zoll, je einmal 7 und 10,25 Zoll sowie zweimal 10,25 Zoll. Die Auflösung des größeren Display soll bei „bis zu 1.920 x 720 Pixeln liegen", konkreter wird man nicht, gleiches gilt für die Display-Helligkeit. Hier ist die Rede von „bis zu 12.000 cd/m²". Fest steht, dass die Zeiten analoger Cockpit-Instrumente vorbei sind, denn selbst die neue A-Klasse soll nur noch mit Displays ausgeliefert werden - in der Basisversion vermutlich mit zweimal 7 Zoll.

In dieser wird aller Voraussicht nach der Reilly PX getaufte Chip stecken, den Mercedes-Benz ebenso wie die leistungsfähigere Variante Parker 128 von NVIDIA bezieht. In beiden Fällen handelt es sich um Ableger des NVIDIA Tegra X2. Dieser bietet sechs CPU-Kerne (zweimal Denver 2, viermal ARM Cortex-A57) sowie eine GPU auf Pascal-Basis (GP10B). Der vermutlich einzige relevante Unterschied zwischen Reilly PX und Parker 128: Erstgenannter SoC verfügt über eine GPU mit 128 Shadereinheiten, letztgenannter über eine mit 256 Shadereinheiten. Dazu gesellen sich sich 8 GB RAM (LPDDR4) sowie ein nicht näher genannter interner Speicher. Aber nicht nur zu dessen Kapazität fehlen Informationen, auch zur Speicherart (eMMC, SSD?) gibt es keine Angaben.

Für die Kommunikation stehen verschiedene Funkmodule und Schnittstellen zur Verfügung. Unterstützt werden unter anderem USB 1.1 und 2.0 sowie Buchsen vom Typ-A und -C. Hinzu kommen eine nicht genannte Bluetooth-Version, NFC sowie die Möglichkeit, Daten der Frontkamera sowie verschiedener Sensoren abzugreifen. Die interne Fahrzeugkommunikation erfolgt via HMI-CAN, MOST und CAN, die Verbindung zum Internet ermöglicht ein HERMES-LTE-Modem (Hardware for Enhanced Remote-, Mobility- & Emergency Services) mit nicht genannten Übertragungsraten. Ob alle MBUX-Versionen über sämtliche Schnittstellen verfügen, ist noch nicht bekannt.

Ebenfalls abzuwarten bleibt, ob und in welchem Umfang Mercedes-Benz Software-Updates ausliefern wird. Grundsätzlich, so das Unternehmen, ist MBUX für Ober-the-Air-Updates ausgelegt. Diese sollen nicht nur eventuell vorhandene Fehler ausmerzen, sondern auch das Nachreichen neuer Funktionen erlauben. Anders als bei Tesla dürfte es sich dabei aber nicht um Veränderungen an den Assistenzsystemen handeln. Denn weder MBUX noch die beiden SoCs sind für diesen Bereich des Fahrzeugs zuständig. Dabei wäre der Tegra X2 für so etwas vorbereitet, dient er doch auch als Basis für einige Drive-PX-Systeme, die unter anderem von Tesla für das teilautomatisierte Fahren verwendet werden.

Welche Hardware Mercedes-Benz dafür vorsieht, ist nicht bekannt. Gleiches gilt für die Preise, die Kunden für die unterschiedlichen MBUX-Ausbaustufen zahlen müssen. In der aktuellen A-Klasse schlägt COMAND Online, die höchste Ausbaustufe, mit rund 3.500 Euro zu Buche. Womit in der neuen A-Klasse W177 gerechnet werden muss, wird sich im April zeigen. Dann soll die nächste Generation offiziell vorgestellt werden. Zu den weiteren Neuerungen sollen unter anderem neue Assistenzsysteme und ein größerer Kofferraum gehören. Ein Hybrid- oder Elektroantrieb sind nach aktuellem Stand zunächst nicht geplant, diese Rolle soll der im September vorgestellte EQA übernehmen.