Seite 2: Technik und Lautstärke

Corsair hat das AX1200i erst vor Kurzem vorgestellt. Mit einem Straßenpreis von aktuell ca. 275 Euro ist es momentan eines der teuersten Netzteile auf dem Markt, aber seine Features relativieren seinen Preis im Vergleich zur Konkurrenz natürlich. Von außen wirkt das AX1200i genauso schlicht wie sein Vorgänger AX1200 oder auch die anderen Modelle der AX-Serie. Am Lüftergitter und auch dem Gehäuse selber hat Corsair kleinere Veränderungen vorgenommen, aber in erster Linie fallen das nun in Rot gehaltene "AX" und das kleine zusätzliche "i" auf.

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Das Design des AX1200i ist schlicht und funktional, nur das kleine "i" weist auf das Innenleben hin.

Die eigentliche Veränderung hat Corsair an der Technik im Inneren vorgenommen. Erstmals bei einem "ATX-Netzteil" wird digitale Technik für die Regelung genutzt. Bisher kam im Bereich der PWM- und PFC-Steuerung, die als zentrale Elemente die Spannungswandlung kontrollieren, analoge Technik zum Einsatz. Eine Referenzspannung wird als Soll-Signal vorgeben und auf Basis der gemessenen Ist-Werte wird ein Ausgangssignal generiert, welches dann (über die PWM-Ansteuerung der MOSFETs) die Arbeit des Netzteils so beeinflusst, das am Ende Soll- und Ist-Signal möglicht nah beieinander liegen. Im Prinzip also das gleiche simple Prinzip wie bei einem gewöhnlichen Differenzverstärker, ein rein analoger Mechanismus. Vorteil dieser Technik ist eine simple und schnelle Funktion, welche aber auch sehr starr ist. Der Ansatz einer "digitalen Steuerung" besteht darin, die bisherigen analogen Komponenten teilweise durch ein digitales System zu ersetzen. Ein- und Ausgangssignale sind bzw. können weiterhin "analog" sein, werden durch AD/DA-Wandler aber innerhalb der Regelung in digitale Werte umgesetzt und können dann beliebig verarbeitet werden. So ein "digitaler Signalprozessor" (DSP) als integriertes Bauteil bietet daher auch ganz andere Möglichkeiten. Beim AX1200i kommt mit einem "digitalen Signalcontroller" (DSC) die nächste Stufe zum Einsatz, die zusätzlich Microcontroller-Funktionen bietet und noch flexibler einzusetzen ist. Ein ähnlicher Trend ist nun seit ca. 2 Jahren bei Mainboards zu beobachten, wo im High-End-Bereich häufig "digitale Spannungswandler" zum Einsatz kommen, bei denen die zentrale Steuerung von digitalen Komponenten übernommen wird.

 

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Das AX1200i bietet ein voll-modulares Kabelmanagement

Im Mainboardbereich war festzustellen, dass eine gut abgestimmte analoge Regelung durchaus noch ihre Vorteile gegenüber ihren digitalen Konkurrenten haben konnte. Das Gleiche wird vermutlich auch im Netzteilbereich gelten, aber es braucht keine Kristallkugel für die Prognose, dass wir - vorerst nur im High-End-Bereich - schon bald dem AX1200i ähnliche Lösungen auch von anderen Herstellern sehen werden. Potential hat eine auf Digitaltechnik basierende Regelung in jedem Fall, auch wenn es natürlich auf deren Umsetzung (und Schnelligkeit) ankommt. Die digitale Regelung bietet - vereinfacht gesagt - einfach mehr "Stellschrauben", an denen man zum Erreichen einer optimalen Funktion drehen kann.

Corsair gibt beim AX1200i als direkte Vorteile eine verbesserte Effizienz und eine engere Spannungsregelung an. Beides Punkte, die wir an unserer Teststation messen können. In der Vergangenheit hat Corsair mit Fertigungspartnern wie Seasonic oder FSP zusammengearbeitet, beim AX1200i heißt der Partner Flextronics, eine offensichtlich gute Wahl.

 

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Von außen ist wenig von der neuen Technik zu sehen.

Die Neuerung beim AX1200i "beschränkt" sich auf die Regelung im Primärbereich, der Rest ist im Prinzip von aktuellen High-End-Netzteilen bekannt. So kommt ein intelligent(er) angesteuerter LLC-Resonanzwandler zum Einsatz, der durch "Synchronous Rectification" und DC-DC-Wandlern ergänzt wird. Wichtige Schutzschaltungen wie Überspannungsschutz (OVP), Überstromschutz (OCP), Übertemperaturschutz (OTP) oder Kurzschlussschutz (SCP) sind mit an Bord. Laut Typenschild präsentiert sich das AX1200i eigentlich als Single-Rail-Netzteil mit einer nominal 100,4 Ampere starken 12V-Schiene. Letztendlich kann es aber auch als Multi-Rail-Netzteil eingesetzt werden, denn über die Link-Schnittstelle lassen sich per Software für jeden der acht Ports für PCI-Express-/EPS-Kabel individuelle OCP-Einstellungen im Bereich von 0-40 Ampere setzen.

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Eindrucksvolle Leistungswerte auf dem Typenschild des AX1200i.

Das AX1200i bietet insgesamt 1204,8 Watt an Leistung, zu 100 Prozent auf der 12V-Schiene abrufbar. Eine beeindruckende Leistungsfähigkeit, auch wenn man sich fragt, woher dieser "krumme" Wert kommt. Reserven hat das AX1200i jedenfalls noch über diesen Wert hinaus, wie kurze Tests ergeben haben.

 

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Der 140-mm-Lüfter des AX1200i verwendet ein Doppelkugellager.

Beim Lüfter greift Corsair erneut auf ein kugelgelagertes 140-mm-Modell zurück, welches aber dank der semi-passiven Lüftersteuerung nicht permanent im Einsatz ist. Im Testbetrieb konnten wir bei unserem Modell feststellen, dass der Startpunkt des Lüfters bei ungefähr 40 Prozent Last liegt. Natürlich hängt das stark von den individuellen Bedingungen bzgl. der Temperatur und der Montage ab. Nach einem kurzen Hochdrehen pendelt sich der Lüfter dann im Bereich von knapp über 500 U/min ein. Mit steigender Last legt er kontinuierlich an Drehzahl zu, über 600 U/min (60 Prozent Last) und 800 U/min (80 Prozent Last) bis hin zu 950 U/min unter Volllast. Zuerst arbeitet der Lüfter dabei ziemlich leise, macht sich dann bei 800 U/min durch ein schwaches Surren bemerkbar, welches dann bei knapp 1000 U/min unter Volllast relativ deutlich wird. Insgesamt arbeitet das AX1200i über einen weiten Lastbereich angenehm leise und auch unter hoher Last bleibt es vergleichsweise ruhig.

Kommen wir auf der nächsten Seite zur Ausstattung des AX1200i.