Seite 6: Thortech Thunderbolt Plus 850W

Der fünfte Testkandidat stammt von der Marke "Thortech", dessen Dachmarke "GeIL" vermutlich bekannter sein dürfte. Ein gewisse Zeit war es ziemlich in, als Speicher-, Grafikkarten oder Gehäusehersteller sein Produktportfolio noch um Netzteile zu erweitern, und die Zahl an Firmen, die Netzteile auch oder ausschließlich für andere fertigen, ist nicht gerade klein. Thortech ist nun seit gut zwei Jahren auf dem Netzteilmarkt vertreten und hat in Deutschland eine Netzteilserie namens "Thunderbolt" auf dem Markt, die zwischenzeitlich um eine Revision mit "Plus" im Namen ergänzt wurde. Die Thunderbolt Plus bringen als Besonderheit ein "iPower Meter" genanntes 5,25-Zoll-Einschubmodul mit, auf dessem Display Messwerte von Spannungen, Lüfterdrehzahlen, anliegenden Strömen und der momentanen Netzteileffizienz angezeigt werden können. Die Genauigkeit dieser Messwerte haben wir ebenfalls überprüft. Die Thunderbolt Plus sind in Leistungsstufen von 800, 850, 1000 und 1200 Watt erhältlich. Mit einem Straßenpreis von ca. 150 Eurogehört das 850W-Testmodell noch zu den günstigeren Netzteilen im Test.

 

tho01sThortech setzt beim Thunderbolt Plus 850W auf ein eher schlichtes Design.

Das Thunderbolt Plus 850W präsentiert sich von außen eher unauffällig. Mit 160 mm Gehäuselänge gehört es zur kompakteren Hälfte aller 850W-Netzteile. Ein Blick ins Innere zeigt, dass das Thermaltake Toughpower Grand und das Thortech Thunderbolt 850W vom gleichen Hersteller gefertigt werden. Die Plattform, also das "grundlegende Design" des Netzteils, ist bei beiden Modellen gleich, insbesondere bei der Bestückung und den Details des Designs gibt es aber deutliche Unterschiede, was vermutlich auch die später gezeigten Unterschiede in der Performance ausmacht.

tho02sDas Thortech Thunderbolt Plus 850W verfügt erwartungsgemäß auch über ein modulares Kabelmanagementsystem.

Die Feature-Liste des TTBP850G ähnelt der des Thermaltake Toughpower Grand: volle Leistungsfähigkeit bis zu 50 °C Umgebungstemperatur dank hochwertiger Komponenten, ein leistungsstarke Single-Rail-Design und gute Unterstützung von Muilti-GPU-Systemen aller Hersteller. Auf das Highlight, das iPower Meter genannte Display, gehen wir am Schluss dieses Abschnitts ein.

tho99sExtravaganz beweist Thortech bei der Verpackung des Thunderbolt Plus 850W.

Hat man die Deckelkonstruktion des Kartons auseinandergeklappt, findet man neben Netzteil und Anschlusskabeln ein buntes, aber nur mittelmäßig hilfreiches Handbuch, das iPower-Meter-Modul, eine Kabelaufbewahrungstasche, Klett-Kabelbinder und die obligatorischen Montageschrauben.

tho04sDem Typenschild sind solide Leistungswerte zu entnehmen.

Die Kombination 850 Watt und Single-Rail-Design läuft auch beim Thortech auf die obligatorische Leistungsfähigkeit auf 12 Volt von knapp 71 Ampere hinaus, was ziemlich genau 850 Watt entspricht. Die Nebenspannungen sind mit je 24 Ampere belastbar, kombiniert mit bis zu 150 Watt. Gängige Schutzschaltungen wie OCP, OPP, OTP, OVP, UVP und SCP sind laut Thermaltake mit an Bord.

tho05sThortech setzt einen 135-mm-Lüfter mit 11 Lüfterblättern ein.

Aufgrund der Produktpräsentation, die in erster Linie die Leistungsfähigkeit bewirbt, war schon vor dem ersten Einschalten abzusehen, dass das Thortech Thunderbolt Plus 850W in der Wertungskategorie "leiser Betrieb" zu den Außenseitern gehören würde. Ein "Blitzschlag" ist schließlich auch nur aus einer größeren Entfernung betrachtet lautlos und so ähnlich verhält es sich auch mit dem entsprechend benannten Netzteil. Der 135-mm-Lüfter mit doppelter Kugellagerung macht sich auch bei niedrigen Drehzahlen schon durch ein deutliches Klackern bemerkbar. Die Lüfterkennline ähnelt der des Thermaltake und beginnt ab ca. 25 Prozent Last mit dem langsamen Hochdrehen von ca. 870 U/min auf 1325 U/min bei Volllast. Bei 50 Prozent Last sind dann noch leichte Luftgeräusche und deutliche Lagergeräusche hinzugekommen, die insgesamt schon sehr störend wirken. Bei Volllast gesellt sich dann noch deutliches Lüfterrauschen hinzu, sodass letztendlich in dieser Disziplin das Thortech Thunderbolt Plus 850W das klare Schlusslicht in diesem Test bildet. Man sollte entweder einen bereits lauten Rechner haben oder wenig lärmempfindlich sein, damit das Thunderbolt Plus 850W nicht stört.

tho07sKeine Besonderheiten an der Außenseite.

Als maximale kurzzeitige Spitzenleistung gibt Thortech 1000 Watt an und garantiert die nominale Ausgangsleistung von 850 Watt auch für Umgebungstemperaturen von bis zu 50 °C. Zum Einsatz kommt primärseitig kein LLC-Resonanzwandler wie bei den meisten High-End-Netzteilen, sondern eine eher klassischen Double-Forward-Technologie ohne effizienzsteigerndes Zero-Voltage-Switching. Sekundärseitig übernehmen DC-DC-Wandler die Generierung der Nebenspannungen.

tho03sDas modulare Kabelmanagement des TTBP850G im unbestückten Zustand

Das Thunderbolt Plus 850W bringt bis zu vier PCI-Express-Anschlüsse in 8(6+2)-Pin-Konfiguration mit, die über die vier gelben Buchsen angeschlossen werden. Vom Typ her ist das modulare Kabelmanagement des Thunderbolt eher eine Hybrid-Variante, denn neben ATX-Kabel und den zwei 8-Pin- bzw. 8(4+4)-Pin-Kabeln ist noch ein Kabelstrang mit vier SATA-Abgriffen fest angebracht. Über die vier schwarzen Buchsen lassen sich dann noch acht weitere SATA-Anschlüsse nachrüsten, womit insgesamt bis zu zwölf SATA-Stecker zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sind noch bis zu sechs 4-Pin-Molex- und ein Floppy-Stecker verfügbar. Ebenfalls fest angebracht ist ein kleineres Kabel, welches die Verbindung zum iPower-Meter-Modul herstellt.

tho06sAuch das Kabelmanagementsystem des Thortech macht einen guten Eindruck.

Die Verarbeitung stimmt sowohl beim Netzteil selber als auch den Anschlusskabeln, auch die Kabellängen sind in Ordnung.

tho08sDas Thortech iPower Meter in Aktion

Mit dem iPower Meter liefert Thortech einen Einschub im 5,25-Zoll-Format mit, auf dessen großen Display verschiedene Messwerte anzeigt werden. Man kann sich entweder die Effizienz oder die momentane Ausgangsleistung anzeigen lassen, sowie entweder die Spannungen oder die Stromstärken, die momentan über diese Schienen fließen. Weiterhin wird eine Temperatur im Netzteil gemessen und über einen der vier Taster lässt sich auch der Lüftermodus einstellen, zwischen Temperaturregelung und voller Leistung.

Dank dem Vergleich mit den Messwerten unserer Chroma lässt sich ein Rückschluss auf die Genauigkeit dieser Messwerte ziehen, die von einem IC auf der Netzteilplatine ermittelt werden. Eine sehr gute Genauigkeit ergibt sich bei den Lüfterdrehzahlen, und auch die Systemspannungen sowie die gemessen Stromstärken sind relativ genau. Letztere weichen bei niedriger Last etwas stärker ab und haben später auch einen kleinen Offset, aber die Abweichung von unseren Chroma-Daten lag meist bei weit unter 5 Prozent.

Wirkungsgrad [%]
10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 80 % 100 %

iPower Meter

88,85
91,59
93,04
93,25
93,19
92,76
92,25
91,79
Chroma
85,3
89,9
92,2
92,0
91,8
91,8
90,9
90,0
 Leistung [W]
iPower Meter
82
170
256
344
431
517
692
867
Chroma
86,5
172,6
258,5
343,9
428,9
513,9
681,7
848,2

Die Messung der sekundärseitigen Leistung stimmt noch halbwegs, ist im mittleren Leistungsbereich sogar relativ genau. Die angezeigte Effizienz hingegen ist eher Wunschdenken als Realität. Wenn man von diesem einem Punkt absieht, ist das iPower Meter durchaus ein brauchbares Gadget, was hier und da vielleicht hilfreich sein kann.

Als Fazit der ersten Betrachtung bleibt, dass Thortech ein solides Netzteil auf die Beine gestellt hat. Die Ausstattung ist insgesamt gut, es scheint leistungsfähig zu sein und das iPower Meter ist vergleichsweise gut umgesetzt. Als kritikwürdig lässt sich höchstens die Lautstärkeentwicklung aufgrund des lauten Lüfters bezeichnen.