Seite 8: Fazit

Mit der Ryzen-Threadripper-Plattform hat AMD nun auch im High-End-Segment ein heißes Eisen im Feuer. Mit den Ryzen-Threadripper-Prozessoren bekommt der Interessent bis zu 16-Kerne inklusive SMT zu einem verhältnismäßig günstigen Preis. Dafür nötig ist ein Sockel-TR4-Mainboard mit AMDs X399-Fusion-Controller-Hub, der im Vergleich zum X370-FCH für die Mainstream-Plattform (Sockel AM4) etwas aufgebohrt wurde und zwei SATA-6GBit/s-Ports mehr zu bieten hat. Doch anders als beim Sockel LGA2066 für Intels Core-X-Prozessoren existieren derzeit lediglich sechs verschiedene X399-Mainboards. Dadurch fällt die Auswahl natürlich übersichtlich aus, auch wenn weitere TR4-Platinen folgen sollen.

Gigabytes bisher einziges Threadripper-Mainboard hört auf die Bezeichnung "X399 AORUS Gaming 7" und bietet eine großzügige Ausstattung. Die Taiwaner haben den großen TR4-Sockel mit 4.094 Pins und dazu insgesamt acht DDR4-DIMM-Speicherbänke für maximal 128 GB UDIMM- und 64 GB ECC-UDIMM-Speicherkapazität auf dem ATX-PCB problemlos unterbringen können. Auffällig ist der erweiterte VRM-Kühler inklusive Heatpipe-Verbindung. Im Overclocking-Test jedoch neigte die Kühllösung dazu zu überhitzen, was zu einem CPU-Throttling führte. Für eine adäquate Abhilfe könnte eine leistungsstarke (VRM-)Wasserkühlung eingesetzt werden oder man muss bei einer All-in-One-Wasserkühlung für einen guten Luftstrom auch um den CPU-Sockel sorgen.

Um den Threadripper-Prozessor kümmern sich acht (Server-Level-)Spulen und acht PowIRstage-MOSFETs, wobei Letztere von jeweils einem 8-Pin- und 4-Pin-Stromanschluss versorgt werden. Für den Overclocking-Komfort sorgen zudem Features wie ein Power-, Reset- und CMOS-Clear-Button sowie eine Debug-LED.

Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen dürfen sich vier mechanische PCIe-3.0-x16-Steckplätze sowie eine mechanischer PCIe-2.0-x16-Schnittstelle. Dabei wurden die vier Gen3-Slots passend positioniert, sodass bis zu vier Dual-Slot-Grafikkarten montiert werden können und dank der 60 freien Gen3-Lanes des Threadripper-Prozessors mit einer x16/x8/x16/x8-Verteilung angebunden werden. Die übrigen 12 Gen3-Lanes werden fair auf drei M.2-Schnittstellen (M-Key) aufgeteilt. Inkludiert sind zudem drei Passivkühlkörper. Im Storage-Bereich kommen noch acht nativ angebundene SATA-6GBit/s-Buchsen hinzu.

USB-technisch vertraut Gigabyte auf insgesamt zehnmal USB 3.1 Gen1 und viermal USB 2.0. Über das I/O-Panel ist jeweils eine Typ-A- und Typ-C-Schnittstelle erreichbar, welche mit der USB-3.1-Gen2-Spezifikation über den X399-FCH ans Werk gehen. Intern wurde noch ein USB-3.1-Gen2-Header für eine Typ-C-Ausführung untergebracht. Ein großes Thema ist dann natürlich auch die umfassende RGB-Beleuchtung. Gigabyte hat hierzu jede Menge Leuchteffekte implementiert.

Die Netzwerkverbindung kann wahlweise über das WLAN-AC- und Bluetooth-4.2-Modul (Intel Dual-Band Wireless-AC 8265) mit bis zu 867 MBit/s oder über den Gigabit-LAN-Port (Rivet Networks Killer E2500) aufgebaut werden. Mit dem Realtek-ALC1220-Codec, einigen Audio- und WIMA-Kondensatoren und einem 600-Ohm-Kopfhörerverstärker wird zusätzlich auch eine angemessene Onboard-Sound-Lösung zur Verfügung gestellt.

Ein Kritikpunkt von unserer Seite ist die im Vergleich zum ASRock X399 Taichi höhere Leistungsaufnahme, die mit zunehmender Systembelastung sogar noch größer ausfällt. Allerdings zeigte auch das ASUS X399 Zenith Extreme eine etwas höhere Leistungsaufnahme.

Wenn wir die Preise miteinander vergleichen, ist das Gigabyte X399 AORUS Gaming 7 unserer Ansicht angemessen. Für aktuell 343 Euro gibt es allerdings das MSI X399 Gaming Pro Carbon AC, das eine ähnliche Ausstattung vorzuweisen hat. Wem diese Tatsache zusammen mit dem Umstand der erhöhten Leistungsaufnahme nicht groß stört, findet in dem Gigabyte X399 AORUS Gaming 7 ein potentes und exzellent ausgestattetes Board.

Positive Eigenschaften des Gigabyte X399 AORUS Gaming 7:

  • sehr gute Leistungsfähigkeit mit einer sehr guten CPU-Spannungsversorgung
  • ein 8-Pin- und 4-Pin-Stromanschlüsse für erweitertes Overclocking
  • umfangreiche Ausstattung, u.a. acht SATA-Schnittstellen, zehn USB-3.1-Gen1-Anschlüssen und drei USB-3.1-Gen2-Buchsen
  • PCI-Express-3.0-Unterstützung an vier PEG-Slots
  • sehr gute Gesamtperformance und gute Stabilität
  • drei M.2-Schnittstellen inkl. Passivkühler
  • Onboard-Komfort, u.a. Power- und Reset-Button
  • umfangreicher Onboard-Sound-Bereich

Negative Eigenschaften des Gigabyte X399 AORUS Gaming 7:

  • etwas erhöhte Leistungsaufnahme
  • CPU-Throttling durch hohe VRM-Temperaturen beim Overclocking

Mit dem Gigabyte X399 AORUS Gaming 7 erhält der Käufer eine großzügig ausgestattete X399-Platine, mit der allerdings eine erhöhte Leistungsaufnahme in Kauf genommen werden muss.

Alternativen? Ohne die Platine getestet zu haben, können wir rein aufgrund des besseren Preis-/Leistungsverhältnisses das MSI X399 Gaming Pro Carbon AC nennen, das eine ähnliche Ausstattung zu bieten hat, allerdings rund 40 Euro günstiger gelistet ist.

Persönliche Meinung

Das Gigabyte X399 AORUS Gaming 7 ist das erste Threadripper-Mainboard, das ich in den Händen halten und testen durfte. Vorneweg muss ich die gute Verarbeitungsqualität der Platine hervorheben. Die erhöhte Leistungsaufnahme würde mich persönlich schon stören, auch wenn diese nicht gravierend höher ausfällt. Ferner würde mir die hohe Temperatur der Spannungswandler zu denken geben - zumindest dann, wenn eine AIO-Wasserkühlung genutzt wird.

Würde ich aktuell vor der Wahl stehen, würde ich mir aufgrund des etwas niedrigeren Preises das MSI X399 Gaming Pro Carbon AC näher anschauen. In einem Test wird sich zeigen müssen, wie MSIs Brett sich in den vielen Disziplinen schlägt.