Seite 4: Smart Memory Access, Rage Mode und DirectStorage

Eine neue Architektur mitsamt Infinity Cache ist sicherlich der wichtigste Faktor, wenn es um die Leistungssteigerung der neuen Serie geht. Aber auch einige weitere Punkte spielen laut AMD eine Rolle, denn zusammen mit den Ryzen-5000-Prozessoren bzw. der dazugehörigen AM4-Plattform will man die beste Kombination aus Hard- und Software anbieten können.

So bietet AMD einige Möglichkeiten der Leistungsoptimierung für die neuen Karten. Es gibt wieder ein automatisches Overclocking, welches aus der Radeon Software heraus gestartet werden kann. GPU und Speicher können hier übertaktet werden und die Software sucht den gerade noch stabilen Betriebspunkt mit erhöhtem Takt. Auch ein automatisches Undervolting gibt es. Natürlich kann der Nutzer der Karten auch manuell alle Einstellungen vornehmen. So können der GPU- und Speichertakt prozentual oder in absoluten Werten abgeändert werden. Die Spannung wird ebenfalls bis maximal 1,025 V freigegeben. Natürlich ist im manuellen Modus auch eine Anpassung der Lüftersteuerung möglich (und notwendig).

Wer sich aber nicht viel damit beschäftigen möchte, für den hat AMD auch zwei bzw. drei Voreinstellungen. So kann die Radeon RX 6800 in den Standardeinstellungen oder "leise" betrieben werden. Die Radeon RX 6800 XT bietet zudem noch den Rage Mode, den AMD im Deutschen etwas unglücklich mit "Laut" übersetzt. Im Kern stimmt dies aber, denn AMD passt über die Modi den Stromverbrauch, die Taktvorgaben und die Lüftersteuerung an.

Gegenüberstellung der Betriebsmodi

GPU-TaktLüfter-RPMTemperatur Lautstärke
Radeon RX 6800 (Leise) 2.100 MHz1.440 RPM63 °C 35,2 dB(A)
Radeon RX 6800 (Standard) 2.150 MHz1.650 RPM61 °C 35,6 dB(A)
Radeon RX 6800 XT (Leise) 2.275 MHz1.125 RPM80 °C 36,0 dB(A)
Radeon RX 6800 XT (Standard) 2.350 MHz1.475 RPM78 °C 36,7 dB(A)
Radeon RX 6800 XT (Laut) 2380 MHz1.625 RPM78 °C 38,8 dB(A)

Anhand des Profils zeigen sich die Unterschiede in der Tabelle zwar recht deutlich, die Auswirkungen sind auf die Messwerte aber größer, als es sich diese in der Praxis darstellen. Für die Radeon RX 6800 XT haben wir einige Werte des Rage Mode in den Benchmarks aufgenommen, die dann später folgen werden.

Zusammen mit der Vorstellung der ersten drei Grafikkarten der Radeon-RX-6000-Serie präsentierte AMD eine neue Funktion namens Smart Access Memory (SAM). Diese soll es dem Prozessor ermöglichen, den Zugriff auf den Grafikspeicher der Grafikkarte zu beschleunigen. Smart Access Memory basiert auf einer Funktion, die es schon seit einiger Zeit gibt. Historisch bedingt sind Speicherzugriffe des Prozessors auf den VRM auf Speicherbereiche mit bis zu 256 MB (128 Byte bis 256 MB) beschränkt. Allerdings wurde diese Beschränkung als Resizeable BAR Support (so die technische Bezeichnung) bereits vor einigen Jahren entfernt, sodass der Speicherbereich, den ein Prozessor adressieren kann, deutlich vergrößert wurde. Dies ist auch bitter nötig, denn gerade im Workstation- und Serverumfeld sind die Kapazitäten der Speicher auf den GPU-Beschleunigern inzwischen bei mehreren Dutzend Gigabyte angelangt.

Der Resizeable BAR Support ist allerdings nicht auf eine bestimmte Plattform oder PCI-Express 4.0 beschränkt. Bereits in den Spezifikationen zu PCI-Express 3.0 ist der Resizeable BAR Support enthalten. Allerdings muss die Plattform validiert sein und dies ist auch der Grund, warum AMD Smart Access Memory auf die Ryzen-5000-Prozessoren und Radeon-RX-6000-Serie beschränkt.

Innerhalb der Ryzen-Plattform finden sich im BIOS die entsprechenden Funktionen bereits. Im Falle des von uns verwendeten ASRock X570 Creator mit BIOS-Version 3.13 (AGESA ComboAM4v2 1.1.0.0 Patch C) findet sich der Resizeable-BAR-Support in der PCI-Konfiguration. Dazu muss keine Grafikkarte der Radeon-RX-6000-Serie installiert sein. Allerdings setzt der Resizeable BAR Support eine Unterstützung der Software voraus, was AMD als Smart Access Memory ausliefern wird.

Smart Access Memory wird als Funktion jedoch nicht AMD-exklusiv sein. NVIDIA arbeitet offenbar schon an einer Umsetzung und sieht ähnliche Ergebnisse wie AMD.

Benchmarks zu Smart Access Memory haben wir natürlich auch gemacht. Hier sei zudem erwähnt, dass wir neben dem Core i9-10900K auch die Gelegenheit beim Schopfe gefasst wurde und einige der Benchmarks mit einem Ryzen 9 5950X gemacht wurden. Somit können wir die Auswirkungen von SMA sehen, aber auch die Unterschiede zwischen der Intel- und AMD-CPU.

Vorerst nur eine Ankündigung bleibt die Unterstützung von DirectStorage als Teil der DirectX-API von Microsoft. Aber hier konnte NVIDIA bisher als RTX IO auch nur eine eigene Bezeichnung für die Unterstützung von DirectStorage einführen, ohne substantielles zeigen zu können. Spiele mit der Unterstützung von DirectStorage werden im kommenden Jahr erwartet.

Mittels DirectStorage sollen die Daten der Spiele nicht mehr den Umweg über den Prozessor machen müssen, sondern werden per PCI-Express direkt von der SSD in den Grafikspeicher der Grafikkarte geladen. Dies reduziert die Last auf dem Prozessor und beschleunigt den Ladevorgang erheblich. Technisch ähnliche Umsetzungen sehen wir bei den Next-Gen-Konsolen und hier sind die Ladezeiten teilweise drastisch geringer.