Seite 1: Daydream View ausprobiert: Googles Cardboard entwächst den Kinderschuhen

ggogle daydream viewNach dem Cardboard versucht Google seine VR-Brille für das Smartphone auf das nächste Level zu heben. Ab heute ist die neue Generation exklusiv über die Deutsche Telekom in Deutschland erhältlich. Was das Brillengestell mit flauschigem Stoffüberzug und neuem Controller in Verbindung mit dem Google Pixel XL alles kann, das werden wir im Folgenden einmal ausprobieren.

Als Google vor zweieinhalb Jahren zum Auftakt seiner jährlichen Entwicklerkonferenz allen Teilnehmern ein unscheinbares Päckchen überreichte, wurde VR erstmals für alle greifbar und vor allem erschwinglich. Das kleine Präsent enthielt zwar nur einen Pappkarton samt zweier Linsen und einen Magneten, entpuppte sich zusammen mit einem Smartphone und der dazugehörigen App, welche sich über den aufgedruckten QR-Code bequem herunterladen ließ, schnell zu einem spannenden Bausatz. In das Cardboard getaufte Brillengestell musste lediglich ein Smartphone eingespannt und die dazugehörige App darauf gestartet werden, schon konnte man seine ersten Gehversuche durch die virtuelle Welt wagen.

Zweieinhalb Jahre später wird aus dem Stück Pappe ein hochwertiges Plastikgehäuse mit weichem Stoffüberzug und aus dem Magneten ein Bluetooth-Controller mit Touchpad und Aktionstasten. Das Cardboard entwächst seinen Kinderschuhen, erklimmt die nächste Stufe in der virtuellen Welt und wird zu Google Daydream View. Am Grundgedanken ändert sich jedoch nichts: Auch in das Daydream View muss ein kompatibles Smartphone gespannt werden, um den Ausflug in die neue Dimension starten zu können. Die vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten sollen aber erhalten bleiben. Zwar werden mehr als die rund 10 Euro, die für ein Cardboard anfallen, fällig, dennoch dürften die veranschlagten 69 Euro für jeden erschwinglich sein.

Eine Referenzplattform für Entwickler und VR-Spieler

Im Vergleich zu Samsungs Gear VR ist die Daydream View damit attraktiver, zumal nicht nur Samsung-eigene Smartphones damit funktionieren, sondern sich theoretisch alle Smartphones mit Android-Betriebssystem nutzen lassen. Google will mit Daydream eine Referenzplattform schaffen, die von allen Herstellern einheitlich genutzt werden soll, um die Entwicklung von VR-Inhalten weiter voranzubringen, ohne dass jeder ständig sein eigenes Süppchen kocht. Damit sich Nutzer sicher sein können, dass das eigene Smartphone alle technischen Voraussetzungen für die Daydream View beherrscht, wird Google ab sofort jedes neue Gerät zertifizieren und dieses gegebenenfalls mit dem neuen „Daydream Ready“-Logo auszeichnen.

Welche Voraussetzungen hierfür erfüllt werden müssen, blieb zunächst unklar. Ein leistungsstarker Prozessor und ein hochauflösendes Display sowie mindestens Android 7.0 sind hierfür Grundvoraussetzung. Laut Google muss im Smartphone mindestens ein Dual-Core-Prozessor stecken, von dem ein Rechenkern exklusiv für die Daydream-App genutzt werden kann. Die Grafiklösung muss mindestens OpenGL ES 3.2 und Vulkan unterstützen, womit theoretisch auch eine Adreno 420, 430, 510 und 530 und damit Qualcomms Snapdragon 805, 810 und die 65X-Familie der oberen Mittelklasse eingesetzt werden könnten. Dies würde beispielsweise das Sony Xperia X, das Samsung Galaxy Note edge und das LG G3 einschließen. Google selbst aber sagt, dass Daydream derzeit keine älteren Geräte unterstützen würde.

Vermutlich hängt das damit zusammen, dass die Leistung bei HEVC und VP9 mit Full HD mindestens 30 FPS betragen muss – das schaffen lediglich neuere GPUs. Außerdem muss H.264-Decoding mit mindestens 4K-Auflösung bei 30 FPS möglich sein, auch das schränkt einzelne GPUs ein. Die Display-Auflösung soll mindestens Full HD betragen, QHD wird allerdings empfohlen. Unterstüzt werden Geräte mit einer Diagonalen von 4,7 bis 6 Zoll. Ansonsten spricht Google von hochsensiblen Sensoren und Support für Bluetooth 4.2 plus LE.

Bislang erfüllen diese Standards lediglich das ZTE Axon 7 und das hauseigene Pixel XL. Letzteres stellt einen 5,5 Zoll großen Bildschirm mit QHD-Auflösung (2.560 x 1.440 Bildpunkte) bereit und wird von einem Qualcomm Snapdragon 821 samt 4 GB Arbeitsspeicher angetrieben. Das Huawei Mate 9 in der Porsche-Edition wird vermutlich das dritte Daydream-Ready-Gerät werden und noch im Laufe des Dezembers erscheinen.

Stand heute ist die Auswahl der Daydream-kompatiblen Smartphones damit noch sehr begrenzt. Zudem sind die beiden kompatiblen Flaggschiffgeräte mit Preisen von über 900 Euro alles andere als ein Schnäppchen und machen die Daydream View damit am Ende doch zu einem teuren Spaß. Zumindest das ZTE Axon 7 ist mit einem Preis von rund 450 Euro etwas günstiger. Wer aber ohnehin schon ein entsprechendes Smartphone sein Eigen nennt, kann mit Daydream durchaus günstig die virtuelle Welt erkunden.