Seite 1: Google Pixel XL im Test

google pixel xl teaser kleinTschüss Nexus, Hallo Pixel! Nach rund sechs Jahren hat Google sich zumindest vorerst von seiner vor allem bei Technikbegeisterten bekannten Smartphone-Reihe verabschiedet. Die Nachfolger Pixel und Pixel XL sind aber nicht nur einfach eine neue Generation, sondern brechen mit so mancher Tradition. Nexus-Fans könnte das stören, andere hingegen begeistern - zeigt zumindest der Test.

Während die Nexus-Smartphones und -Tablets stets aus einer Kooperation zwischen Google und wechselnden Herstellern wie ASUS, HTC oder Huawei hervorgingen, hüllt sich der Konzern beim Pixel und Pixel XL in Schweigen. Weder auf der Verpackung noch auf dem Gehäuse lassen sich Hinweise finden, vermutlich ist für die Fertigung jedoch HTC verantwortlich. Die Entwicklung will Google jedoch selbst vorgenommen haben, über Erfahrung sollte man dank des zeitweisen Besitzes von Motorola verfügen.

Das Ergebnis der Arbeit sind zwei Modelle, die aber lediglich in wenigen Punkten voneinander abweichen. Beim Pixel gibt es ein 5 Zoll großes Display, beim Pixel XL ein 5,5 Zoll großes. Damit einher gehen unterschiedliche Maße und Akku-Kapazitäten, natürlich aber auch verschiedene Preise. Los geht es bei 759 Euro für das Pixel mit 32 GB großem internen Speicher. Der Sprung auf 128 GB kostet 110 Euro zusätzlich, ein größeres Display und damit der Wechsel zum Pixel XL 140 Euro. Das teuerste Modell schlägt somit mit 1.009 Euro zu Buche.

Wer angesichts der Preise ein Déjà-vu hat, liegt richtig. Denn Google verlangt für seine neuen Smartphones auf den Cent den gleichen Preis wie Apple für sein iPhone 7 und iPhone 7 Plus mit 32 und 128 GB. Neu ist eine derartige Hochpreisstrategie bei Google nicht, schon die letzten Nexus-Modelle waren anders als die ersten Generationen in der Oberklasse angesiedelt. So klar hat man sich am Nachbarn aus Cupertino aber in der Vergangenheit nicht orientiert.

Snapdragon 820 oder Snapdragon 821?

Unabhängig davon, ob man sich für Pixel oder Pixel XL mit 32 oder 128 GB entscheidet, im Innern steckt in jedem Fall Qualcomms Snapdragon 821. Angekündigt wurde der Mitte Juli, um einen Nachfolger für den Snapdragon 820 handelt es sich aber nicht. Viel mehr sieht der Chip-Entwickler den intern MSM8996 Pro (Snapdragon 820: MSM8996) genannten SoC als Erweiterung der Produktpalette, vor allem mit Blick auf VR-Lösungen wie Google Daydream.

Schließlich bietet Qualcomms bislang schnellster SoC höhere Taktraten bei CPU und GPU. Das Limit liegt nun nicht mehr bei 1,6 und 2,15 GHz respektive 624 MHz, sondern bei 2,2 und 2,34 GHz sowie 653 MHz. Unverändert geblieben sind unter anderem mit Kryo die CPU-Architektur, mit 14 nm FinFET LPP der Fertigungsprozess, mit dem Hexagon 680 der DSP sowie die Unterstützung von LPDDR4-RAM. Dennoch soll der Energieverbrauch bei gleicher Last geringer als beim Snapdragon 820 ausfallen.

Insgesamt gibt es somit viele Gründe, die für den generellen Einsatz des SoCs in einem Oberklasse-Smartphone sprechen, allerdings kaum welche in Bezug auf das Pixel und Pixel XL.

Denn Google hat dem Chip eine Bremse verpasst, durch die die Taktraten denen des Snapdragon 820 entsprechen. Das zeigen sowohl die üblichen Testprogramme als auch die von Google veröffentlichten technischen Daten. Eine Begründung hierfür nennt man nicht, denkbar sind aber zahlreiche Gründe. So könnte die höhere Effizienz eine Rolle spielen, ebenso eine unter Umständen zu hohe Temperatur. Möglich ist aber auch, dass ein späteres Update die zusätzlichen Megahertz freischaltet.

Für die Theorie der nicht händelbaren Abwärme spricht das Taktverhalten der vier CPU-Kerne, die in zwei Cluster aufgeteilt sind. Denn unter Last können beide den Maximaltakt nicht permanent halten, auch wenn die Taktrückgänge meist nur geringfügig sind - regelrechte Einbrüche waren im Test selten. Dabei erreichte das Gehäuse auf der Rückseite nie mehr als knapp 40 °C, ein ähnliches Verhalten konnte aber auch schon beim HTC 10 und LG G5 - beide mit Snapdragon 820 - beobachtet werden.

Aber nicht nur deshalb reicht es für das Pixel XL nicht durchgehend für die Leistungskrone. Im 3DMark-Setting Ice Storm Unlimited muss es das G5 sowie die Galaxy-S7-Familie vorbeiziehen lassen, in der Geekbench-3-Multi-Wertung zusätzlich das Moto Z, sowie die Huawei-Modelle P9, P9 Plus und Mate 8. Die drei letztgenannten sowie das Galaxy S7 und Galaxy S7 edge profitieren hier jedoch nur von den zusätzlichen CPU-Kernen. Das zeigt die Einzelkernwertung, die das Pixel XL mit einem hauchdünnen Vorsprung für sich entscheidet. An die Spitze setzt sich das Smartphone aber auch im 3DMark-Test Slingshot sowie in AnTuTu 6, Basemark OS II und den GPU-Tests des GFXBench 3.

Für die Praxis bedeutet dies, das Grenzen derzeit nicht absehbar sind. Selbst die grafisch anspruchsvollsten Spiele stellen für das Pixel XL trotz der Drosselung keine Probleme da, die schlank gehaltene Benutzeroberfläche ohnehin nicht.

Dabei profitiert man von 4 GB Arbeitsspeicher sowie dem schnellen internen Speicher gemäß UFS 2.0. Inwiefern die gemessenen 2.021 und 46 MB/s beim Lesen und Schreiben aber stimmen, ist unklar. Mehrere Testprogramme lieferten vergleichbare Werte, plausibel erscheinen sie aber dennoch nicht.