Klingt top. Ich konnte mich noch daran erinnern, dass du was dazu geschrieben hattest aber eben nicht an Bilder. Deshalb die Nachfrage.
Ja, ich kläre das jetzt hier kurz auf, ist viel weniger spektakulär als es klingt
Zum Messen habe ich mir folgendes gebaut und hoffe auf eine halbwegs sinnvolle Lösung. Der Draht ist aus 1.5qmm Kupfer, kürzer geht wohl nicht.
Das sieht man häufig als Tip, warum ich mich aber dagegen entschieden habe, zumindest für Mainboard Kondensatoren Tests, siehe unten. Für manuelles Topside Testing, ist das der wohl beste Ansatz.
@WMDK 's klingt schon wieder deutlich komplizierter.
Keineswegs
Problem ist nur, dass man von hinten an das Board muss, aber das kriegt man mit ein bisschen Gefummel ja noch hin...
...so langsam nähern wir uns meiner grundsätzlichen Überlegung

Also...
Ich habe mir da so einige Gedanken zu gemacht, wie ich Tests einerseits bestmöglich reproduzierbar halten kann und andererseits die Anwendung möglichst einfach ist. Also habe ich folgende Kriterien definiert:
- Die Sonde muss "blind" nutzbar sein, wenn das Board auf dem Benchtable aufgelegt ist, sodass ich einfach von unten dran kontakten kann
- Die Sonde muss dafür kurzschlussicher sein, ich wollte nicht mit blanken Drähten blind unter einem Board stochern
- Die Sonde muss von sich aus an Ort und Stelle verbleiben können ohne zu verrutschen oder den Kontakt zu verlieren
- Es müssen mehrere Sonden gleichzeitig einsetzbar sein, sodass ich nicht begrenzt bin auf das was ich manuell gleichzeitig in der Hand halten kann
- Für lange Messungen will ich ein "Hands free" Szenario haben und in Ruhe das Oszi bedienen können
- Ich möchte sowohl Ober- als auch Unterseite von PCBs gleichzeitig beproben können um z.B. den Output eines MosFETs mit dem Output eines Kondensators über zwei Sonden zeitgleich in Relation setzen zu können, das geht nur wenn mindestens eine davon nicht auf manuelle Handbedienung angewiesen ist
- Ich wollte mögliche Verfälschungen der Messungen mit vielleicht leicht variablem Kontakt zur Messspitze durch die manuelle Handhabung verhindern
Es gab mehrere Ideen dazu, wie ich das umsetzen kann. z.B. auch an der Unterseite eine 3D-gedruckte Sonde mit verbauten konisch-konkaven Federkontakten, die gegen die Elkobeinchen drücken und einem Einschub für die Messspitze, allerdings wäre dieser Ansatz zwar für Boards in Ordnung gewesen, aber auf GPUs ohne Gegendruck des Benchtables wäre das wieder Murks gewesen.
Also entstand die Idee einfach PCBs zu entwerfen, die den Durchmesser des jeweiligen Elkos haben und über das gleiche Rastermaß verfügen. Das sieht dann so aus:
Da kann man sich dann das entsprechende Plättchen rausbrechen und bekommt eine Seite wo nur die Löcher vorhanden sind, mit 0,25mm umlaufender Padeinfassung, ohne sonstige Kontaktflächen die ggf. kurzschlussgefährlich wären und die Oberseite des PCBs verfügt über Lötpads, wo man dann eine ganz kurze Drahtwicklung auflötet und letztendlich die Messspitze da durchschiebt:
Damit kann ich auch absolut gefahrlos unter dem Board blind herumtasten und die Sonde einfach auf alle Beinchen schieben, die sich mir in den Weg stellen. Rein konstruktionsbedingt ist keine Kontaktierung möglich, die irgendwie gefährlich sein könnte und auch die blanken Kontakte des Oszi-Tastkopfs selbst sind durch die Bauart zum Board hin abgeschirmt, sodass ich auch da nirgendwo dran kommen kann.
Aber schauen wir uns doch mal an, wie sich das in der Praxis verhält...
Gehen wir erstmal vom
Worst-Case aus, also diesem hier:
Das ist der schlimmste Fehler, womit man eine Ripple Messung beginnen kann, denn durch diese lange Masseschleife holt man sich ohne Ende Dreck ins Signal und endet dann mit sowas:
Das ist kein Signal mehr, das ist einfach nur noch Müll

Wohlgemerkt ist das in diesem Beispiel sogar noch relativ "verhalten" wenn man so will. Das geht, je nach Board und äußerer EMV Einflüsse an der jeweiligen Messposition noch viel viel schlimmer, sodass wir da mehrere 100mV an Störungen reinbekommen können.
Nehme ich jetzt
meinen PCB Tastkopf zur Hand:
...sieht das exakt gleiche Signal dann so aus (pardon me, horizontale Skalierung eine Einheit "gestreckter", macht aber keinen Unterschied, man sieht sofort was hier anders ist :fresse):
Hier ist das ganze Störrauschen durch äußere Einflüsse auf dem Signal weg und es bleibt das übrig, was auch wirklich gemessen werden soll, die wirkliche Restwelligkeit, nicht irgendein Störfeuer aus dem Masseloop.
Wenn man noch näher dran gehen will, geht nur noch die
"Barrel-Tip"-Methode:
Allerdings hat die aus meiner Sicht ein paar Nachteile:
- RM3,5 oder kleiner sind durch den Abstand zwischen Spitze und Barrel nicht mehr zu messen (zumindest bei meiner nicht)
- kleine Verwackler in der Haltung sorgen für kurzfristige Änderungen im Übergangswiderstand und beeinflussen ggf. das Ergebnis
- Mit zwei blanken Kontaktflächen blind unter einem Board rumzuhantieren ist nicht so sinnig
- Zwei oder mehr Sonden auf die Weise zu halten ist dem Oktopus vorbehalten
Messtechnisch ist das aus den o.g. Gründen tlw. sogar miniminiminimalst schlechter:
Ich habe hier ein paar Mal ganz kurz den Kontakt verloren weil ich zum einen die Sonde halten und das Mainboard gegendrücken musste um überhaupt halbwegs gut Kontakt zu bekommen und da sind dann sowohl die Min- und Max- Werte halt minimal schlechter geworden bei der Peak to Peak Messung, aber wir reden hier von 1mV im Durchschnitt etwa, also kein signifikanter Unterschied, aber es ist trotzdem ein Krampf das so zu halten und für mich und meine Testreihen einfach völlig unpraktikabel.
Deswegen, nach allem was ich bisher so an Ideen durchprobiert habe, ist das tatsächlich mit dem PCB am Tastkopf die mit Abstand praktischste, reproduzierbarste und einfachste Handhabung, die mir dafür bisher in den Sinn gekommen ist, bei gleichzeitig bester Signalabtastung mit möglichst wenig Störeinflüssen.
Ich werde mir da noch einzig demnächst noch ein Update von bauen, welches auf der Lötpadseite über Clipkontakte verfügt, die sich dann um die Spitze und um das Barrel pressen, sodass ich das PCB nicht mehr durch die Wicklungen aufschieben muss, sondern einfach das gewünschte PCB auf die Sonde klipsen kann. Das ist aber mehr ein Update in der Handhabung, als dass es irgendwelche Auswirkungen auf das Messergebnis haben wird, denn das ist, wie man mit der Barrel-Tip Methode im Vergleich sieht, schon so gut, wie es halt geht ohne vierstellig Geld nur für eine aktive Messspitze selbst auszugeben, was ich für unseren Anwendungsbereich hier etwas Overkill finden würde. Ich kann so schon einstellige Unterschiede im mV Bereich heraustesten mit dem Setup. Da ist eine möglichst hohe Auflösung / Speichertiefe und eine möglichst schnelle Abtastung wesentlich ausschlaggebender in diesen Anwendungsfällen.